Gewalttätiger Vater verurteilt

26. April 2019 15:41; Akt: 26.04.2019 17:09 Print

«Nur das tote Mädchen könnte alles erzählen»

Wegen schwerer Körperverletzung und Nötigung muss ein Eritreer 3,5 Jahre ins Gefängnis. Auch seine Ehefrau wurde vom Regionalgericht Bern verurteilt.

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Das Berner Regionalgericht hat heute in einem besonders schockierenden Fall geurteilt. Weil ein Vater seine 8-jährige Tochter derart stark misshandelt hatte, dass sie schliesslich völlig geschwächt verstarb, ist der Eritreer wegen schwerer Körperverletzung und Nötigung zu einer Gefängnisstrafe von 3,5 Jahren verurteilt worden. Ausserdem wird er für 10 Jahre des Landes verwiesen.

Das rund dreimonatige Martyrium, dass das kleine Mädchen nach ihrer Ankunft in der Schweiz im Herbst 2017 bis zu ihrem Tod im Februar 2018 erleben musste, ist nur schwer vorstellbar. Lediglich einzelne Beweise, wie Fotos des malträtierten Kinderkörpers oder Aussagen von Mutter und Nachbarn, geben gewisse Einblicke ins tatsächliche Geschehen. «Nur das Mädchen könnte alles erzählen. Nur sie könnte uns sagen, was ihr beigefügt worden ist. Doch diese Stimme fehlt uns tragischerweise», sagt der Richter bei der Urteilsverkündung. Für das Gericht ist dennoch klar: «Was das Kind durchmachen musste, hat einen folterähnlichen Charakter.»

Mutter muss 10 Monate sitzen

Auch das Handeln der Mutter wird vom Richter scharf verurteilt. Sie habe ihre Tochter, mit der sie in ein völlig fremdes Land zu einem gewalttätigen Vater nachgezogen sei, im Stich gelassen. Weil sie ihre Tochter nicht vor den gewaltsamen Übergriffen geschützt hatte, wurde sie zu 26 Monaten Gefängnis verurteilt, 10 davon muss sie absitzen. Die Frau erhielt einen Landesverweis von 8 Jahren.

Im Spital flogen die Gräueltaten auf

Entdeckt wurden die grausamen familiären Missstände im Februar 2018, als das achtjährige Mädchen wegen eines Infekts ins Spital eingeliefert wurde. Dort entdeckte man schliesslich die Hämatome, mit denen der Kinderkörper übersät war. Alles deutete darauf hin, dass das Mädchen misshandelt worden war. Die Eltern des Kindes wurden verhaftet.

Umgehend aufgenommene Ermittlungen zeigten schliesslich: Um seine Tochter zum Essen zu zwingen, schlug der Vater täglich auf das Mädchen ein. Gleichzeitig zwang der Eritreer seine Tochter auch zu anstrengenden Turnübungen. Tat sie es nicht, gab es auch hier Schläge.

Todesursache: Infekt

Diese Misshandlungen gekoppelt mit dem ausgebrochenen Infekt waren zu viel für den Körper des Mädchens – am 15. Februar 2018 starb die 8-Jährige im Spital.

Weil jedoch kein direkter Kausalzusammenhang zwischen den Misshandlungen und dem Tod festgestellt werden konnte, steht kein Tötungsdelikt im Vordergrund.

(miw)