Agglo Bern

03. September 2019 17:01; Akt: 03.09.2019 17:25 Print

Männergruppe vergewaltigt Mädchen (13)

Im 2017 wurde ein Mädchen von jungen Männern in einem Hobbyraum vergewaltigt. Jetzt wurden die Täter rechtskräftig verurteilt – ins Gefängnis müssen sie nicht.

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Eigentlich sollte am Dienstag vor dem Berner Obergericht ein Prozess wegen der Vergewaltigung eines Mädchens stattfinden. Soweit kam es jedoch nicht: Die drei Angeklagten haben die Berufung gegen das Urteil vom Regionalgericht zurückgezogen, wie die «Berner Zeitung» schreibt.

Somit wird ihre Strafe, die im Prozess vor einem Jahr ausgesprochen wurde, rechtskräftig. Die drei Männer, die im April 2017 in der Agglomeration Bern ein knapp 13-jähriges Mädchen nacheinander vergewaltigt haben, wurden jetzt also definitiv zu bedingten Freiheitsstrafen von 24, 20 und 18 Monaten verurteilt. Zudem müssen sie dem Opfer eine Genugtuung von insgesamt 35'000 Franken zahlen. Die drei Männer, die mittlerweile alle um die 20 Jahre alt sind, wurden jetzt rechtskräftig wegen sexueller Handlungen mit Kindern, Vergewaltigung und sexueller Nötigung schuldig gesprochen.

«Die Türe war abgeschlossen»

Was war passiert in jener Frühlingsnacht 2017? Das Mädchen, das aus einem Heim in der Region Bern ausgebüxt war, war alleine draussen unterwegs. Um 3 Uhr morgens wurde es von den Tätern angesprochen. Sie boten ihm einen Schlafplatz in einem Hobbyraum an, zu dem einer der drei Zugang hatte. Am vermeintlichen Schlafplatz angekommen, wurde die 13-Jährige dann dazu gedrängt, sich auszuziehen. Für sie gab es kein Entkommen: «Die Türe war abgeschlossen», sagte das Opfer bei der Befragung.

In den nächsten zwei Stunden hatten die jungen Männer zum Teil ungeschützten Sex mit dem Mädchen – «der Reihe nach», wie das Mädchen schilderte. Es habe Angst gehabt und sich deswegen nicht gross gewehrt: «Was soll ich gegen ein Mann machen?» meinte die Jugendliche.

Die Männer sprechen von einvernehmlichen Sex

Die Verurteilten gaben an, an jenem Abend betrunken gewesen zu sein und sich nicht mehr an alle Details erinnern zu können. Sie sprachen davon, dass die Jugendliche nicht Nein gesagt habe und sich älter ausgab, als sie tatsächlich war. Weil sie sich nicht gewehrt habe, seien sie von einvernehmlichen Sex ausgegangen. «Niemand hat sie zu etwas gedrängt», meinte einer der Täter noch vor seiner Verurteilung.

Als das Mädchen mit den Aussagen der Männer konfrontiert wurde, begann es zu weinen und sagte: «So ein Scheiss. Ich habe es nicht gewollt.» Zur Polizei ging es nach dem Vorfall nicht, da es zu diesem Zeitpunkt wegen dem Heimausbruch gesucht wurde. Erst als es einer Freundin davon erzählte, kam der Fall ins Rollen.

Gericht steht hinter dem Opfer

Das Gericht sprach die Männer schliesslich 2018 schuldig. Sie hätten nur die eigene Befriedigung im Kopf gehabt und das Mädchen wie eine Objekt behandelt. Der Staatsanwalt sprach von einem abnormalen, nicht nachvollziehbaren Verhalten. Es sei völlig abwegig, dass die junge Frau das gewollt habe. Nun, nach einem juristischen Hin und Her, sind die Urteile rechtskräftig.

(rc)