Prostituiertenmord

07. Mai 2012 19:08; Akt: 07.05.2012 22:27 Print

Verhafteter Ivorer bestreitet die Tat

Rund eineinhalb Jahre nach dem Mord an einer Prostituierten in Biel hat der Prozess gegen den Verdächtigen begonnen. Trotz erdrückender Beweislast hat er die Tat nicht gestanden.

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Hier geschah der Mord an einer Prostituierten in Biel. (Bild: newspictures.ch)

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Mord, Vergewaltigung und Raub wirft die Staatsanwaltschaft einem 32-jährigen Mann von der Elfenbeinküste vor, der seit Montagmorgen vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland steht. Der Angeschuldigte bestreitet die Vorwürfe.

Die getötete Frau und zwei weitere Opfer waren Prostituierte, die in einem Salon oder einem Studio arbeiteten. Die Tötung erfolgte am 10. Oktober 2010 oder in der folgenden Nacht.

Verfahren geteilt

Auf Antrag der Verteidigung hat das Gericht beschlossen, das Verfahren zu teilen: Zuerst wird es über die Schuldfrage urteilen; dann erst werden die Staatsanwaltschaft, die Anwälte der Privatklägerinnen und die Verteidigung ihre Plädoyers zu den juristischen Folgen halten. Das Schlussurteil wird für Freitag erwartet.

Zum Tötungsfall sagte der rechtsmedizinische Experte, Todesursache sei ein tiefer Schnitt durch die Kehle mit anschliessendem langsamem Verbluten gewesen. Vorher sei das Opfer stark gewürgt worden. Danach habe der Täter den Geschlechtsverkehr vollzogen. Zudem stahl er Geld und Wertgegenstände.

«Das war nicht ich, der diese Frau getötet hat», sagte der Beschuldigte. Er sei aus seinem Heimatland geflüchtet, weil er nicht am Krieg habe teilnehmen wollen, erklärte der Asylbewerber. Er könne niemandem etwas zuleide tun, das über eine Rauferei hinausgehe.

Der Angeklagte gab zu, ein Messer wie die Mordwaffe bei sich getragen zu haben, was auch seine Fingerabdrücke darauf erkläre. Die ihm zugeordneten DNA-Spuren in der Wohnung müssten aber auf einer Verwechslung oder Verschmutzung beruhen.

Zum zweiten Fall erklärte der Beschuldigte, die Prostituierte habe ihm das Herausgeld von 100 Franken verweigert, weshalb er es selber aus ihrem Portemonnaie genommen habe. Dabei sei es zu einem Gerangel gekommen. Das Opfer gibt an, es sei mit einem Messer bedroht, beraubt und vergewaltigt worden.

Schuldfähig trotz psychischer Störung

Das Gericht hatte die beiden psychiatrischen Gutachter bereits für Montagnachmittag aufgeboten. Deshalb schritt es zur Einvernahme, obschon deren Aussagen mehr für die strafrechtlichen Folgen im Fall eines Schuldspruchs von Bedeutung sind.

Die beiden Experten waren sich einig, dass der Beschuldigte eine schwere Persönlichkeitsstörung des dissozialen Typs aufweise. Er trage psychopathische Züge. Das erkläre seine Gefühlskälte und seine narzisstische Selbstüberschätzung. Juristisch gesehen sei er aber voll schuldfähig.

Der erste Gutachter hielt zusätzlich eine Störung der sexuellen Präferenz für möglich, in dem Sinne, dass der Beschuldigte durch hilflose, ihm ausgelieferte Frauen erregt werde. Der zweite Gutachter mass dem Alkohol- und Drogenkonsum etwas mehr Gewicht bei.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sabine am 07.05.2012 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Waffen töten!

    Messer und Pistolenträger endlich sofort ausschaffen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sabine am 07.05.2012 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Waffen töten!

    Messer und Pistolenträger endlich sofort ausschaffen.