Spektakulärer Fund in Bern

10. Juli 2019 18:20; Akt: 10.07.2019 20:21 Print

Brisantes Dokument nach 200 Jahren aufgetaucht

Das Berner Staatsarchiv hat nach über 200 Jahren ein verloren geglaubtes Schriftstück wiedergefunden. Es enthält brisante Informationen zu einem geplanten Widerstand.

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Auf einer Internet-Plattform ist Anfang Juni ein verschollen geglaubtes Schriftstück aufgetaucht. Das offizielle Dokument der damaligen Berner Regierung enthält Angaben zur sogenannten Henzi-Verschwörung und der Verurteilung von Samuel Henzi im Jahr 1749. Wie Barbara Studer, Staatsarchivarin des Kantons Berns, mitteilt, beinhaltet das Dokument Informationen über Henzi und die anderen Verschwörer. Auf über 60 Seiten werden die Verhaftungen, die Befragungen und die Aussagen der einzelnen Verschwörer sowie deren Urteile festgehalten.

270 Jahre unentdeckt

Das Schriftstück besass eine Privatperson, die es selbst über Umwege erhalten hatte und sich dessen Bedeutung nicht bewusst war. Laut Studer ist nicht klar, wie genau das Dokument in den Besitz dieser Person gelangte und auch nicht wie es aus dem Archiv im Rathaus verschwunden war. Nachdem das Berner Staatsarchiv den Besitzer ausfindig gemacht hatte, konnte es das Dokument wiederbeschaffen. «Das Protokoll ist in einem sehr guten Zustand – das grenzt fast an ein Wunder nach so vielen Jahren», so Studer. Es habe einen ideellen Wert, der nicht beziffert werden könne. Der spektakuläre Fund ist für Historiker jedoch von grosser Bedeutung und komme einer kleinen Sensation gleich, teilt Studer mit.

Samuel Henzi der Verschwörer

Samuel Henzi lebte im Bern des 18. Jahrhunderts. Als Schriftsteller und Journalist war er bereits 1744 Mitverfasser eines regierungskritischen Dokuments und aufgrund dessen aus Bern verbannt worden. Fünf Jahre später kam er zurück und formierte mit unzufriedenen Burgern eine Widerstandsgruppe gegen die Berner Regierung. Henzi war der Kopf der Gruppe, welche die Vorherrschaft des regierenden Patriziats beenden und die Regierung stürzen wollte. Das Vorhaben flog auf und Anfang Juli 1749 wurden die Verschwörer verhaftet. Über die drei Hauptpersonen, unter ihnen Samuel Henzi, wurde das Todesurteil verhängt und am 17. Juli durch das Schwert vollzogen. Die Ereignisse in Bern beschäftigten zu dieser Zeit ganz Europa.

Er hätte Bern verändern können

«Henzi war der letzte politische Gefangene, der hingerichtet wurde», sagt Hans Ulrich Jost, ein Historiker aus Biel. Hinrichtungen habe es bis ins 19. Jahrhundert gegeben. Jost erklärt: «Wenn Henzis Vorhaben damals nicht aufgeflogen wäre, hätte Bern viel früher eine demokratische und linke Regierung gehabt.» Da dies nicht der Fall war, hielt sich die patrizische Regierung in Bern bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch in den Folgejahre gab es vermehrt Widerstandsgruppen: «Sie waren vielleicht nicht so radikal eingestellt wie Henzi und seine Kollegen, aber es gab sie», sagt Jost.

(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Omlin am 10.07.2019 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre, hätte, wenn - dann?

    Geflucht, verschworen und geschmiedet wird auch heute noch oft, in den Hinterzimmern.

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  • Bill am 10.07.2019 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosswesir zu Bern

    Von wegen "älteste Demokratie". Ohne Napoleon wäre die Schweiz noch heute ein Emirat.

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  • Italico Nero am 10.07.2019 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Also Reitterhalle vor 270 Jahren?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eidgenossin am 11.07.2019 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    Zum Glück konnte dies noch aus Privatbesitz dem Staatsarchiv übergeben werden,wäre sehr schade gewesen wenn diese historische Dokumente verloren/kaputt gegangen wären!

  • Dirk am 11.07.2019 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist los?

    Ich dachte immer, in der Schweiz ist man stolz darauf' seit dem Rütlischwur eine Demokratie zu haben.

    • Dark am 11.07.2019 09:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Dirk

      In der Scheiz herrscht schon lange keine Demokratie mehr,denn die linken sind in der Regierung!

    • Max Müller am 11.07.2019 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dirk

      Den Rütlischwur gab es so nicht und eine Demokratie sind wir erst seit dem modernen 1848. Auch wenn die Alten 13 Orte Tagsatzungen durchführten, hatteces nicht viel mit Demokratie zu tun (Stichwort "Untertanengebiete").

    • Deichgraf am 11.07.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Seltsame Auffassung, Dark

      Sie meinen die Schweiz wäre demokratischer, wenn 29% der Wähler nicht mehr in der Regierung vertreten wären?

    • Jimmy Henzi am 11.07.2019 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Deichgraf

      Chlöisu Friedli: "Suenneli Blues" (YouTube)

    • Xeno72 am 11.07.2019 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Fakenews@Dark

      Gröhl, der Bundesrat hat seit 1848 eine zudem überaus deutliche "bürgerliche" Mehrheit.

    • Tschimmi Henzi am 11.07.2019 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      "Zurück zur Natur"

      Jean Jacques Rousseau war 57 Jahre älter als Napoleon Bonaparte. :-/

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  • democratiam am 11.07.2019 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum Demokratie gebracht

    Als Napoleon 1798 einmarschierte, war es ihm ganz egal, ob da eine Demokratie ist oder nicht. Hätte Henzi tatsächlich die Demokratie eingeführt, wäre sie dann beendet worden. Hätte der Autor allerdings ein bisschen Ahnung von Geschichte, wüsste er, dass Leute, die ohne die Unterstützung der Bevölkerung ein Regim beseitigen, eigentlich nie die Demokratie zu den Menschen tragen. Sei es nun Napoleon, Lenin, Castro, die USA oder sonst jemand. Viel Wahrscheinlicher wäre also gewesen, dass er die Machtstrukturen übernommen hätte und noch tyrannischer regiert hätte, um sich zu behaupten.

    • Eidgenossin am 11.07.2019 08:48 Report Diesen Beitrag melden

      @democratiam

      Sehr guter Kommentar,dies entspricht absolut der Tatsache!

    • Jimmy Henzi am 11.07.2019 15:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Denkmal

      "So lange in uns eine Ader lebt, gibt keiner nach.

    • Eidgenossin am 11.07.2019 15:42 Report Diesen Beitrag melden

      @immi Henzi

      Genau,Adrian von Bubenberg! Geschichte ist so etwas spannendes.

    • Eidgenossin am 11.07.2019 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Jimmy Henzi

      Jimmy wollt ich schreiben.Der J hatts nicht genommen, weiss nicht warum.;-) entschuldige. ;-)

    • Yimmj Henzi am 11.07.2019 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      Narrativ

      Spannende Geschichte von Rudolf von Tavel: "Ring i der Chetti" (1931)

    • Xeno72 am 11.07.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @democratiam

      1798 marschierte nicht Napoleon ein, sondern die Truppen des französischen Direktoriums. Napoleon wurde erst 1800 Kaiser.

    • Eidgenossin am 11.07.2019 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Xeno72

      Napoleons Truppen marschierten ein,und da er deren Befehlshaber war,sagt man "Napoleon marschierte ein"! Man kann auch wirklich immer etwas auszusetzen haben!

    • Nancy Sinatra am 11.07.2019 20:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Xeno

      Hatte Napoleon Bonaparte wirklich Schuhnummer 39 ?

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  • LM AA am 11.07.2019 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Heutige Historiker

    Die Aufständler von früher hatten zumeist, die Absicht weniger Abgaben leisten zu müssen und mehr Freiheiten zu gewinnen. Eine staatliche Alterssicherung konnte erst im 20. Jahrhundert eingeführt werden. Die Leute früher hatten andere Prioriäten. Wie kann nun ein heutiger Historiker auf die Idee kommen, das ein erfolgreicher Aufstand zu einer linken (= etatistischen) Politik geführt hätte.

    • Xeno72 am 11.07.2019 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      richtig@LM

      Der Begriff "links" ist für 1749 auch maximal sinnfrei.

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  • George Best am 11.07.2019 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    Historischer Irrtum

    Es ist eine naive Sicht der Geschichte, zu meinen, die Aristokratie sei Ursache allen Übels. Die Kriegsopfer stiegen nach der französischen Revolution in Europa kontinuierlich an; von 3,5 Millionen im 18. Jhdt., über 5,5 Millionen im 19. Jhdt, bis weit über 20 Millionen Opfer im 20.Jhdt. . Wer also meint, "Freiheit,Gleichheit,Brüderlichkeit" hätten das Paradies auf Erden gebracht, irrt sich gewaltig.

    • Xeno72 am 11.07.2019 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      vergiss es@George

      Es wird niemals mehr gelingen das Aristokratengesocks zu installieren.

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