Kunst-Krach in Olten

04. Dezember 2018 05:45; Akt: 04.12.2018 05:45 Print

«Aktbilder haben im Spital nichts zu suchen»

Im Kantonsspital Olten wurden Bilder eines Künstlers wegen darauf abgebildeter nackter Frauenkörper abgehängt. Dabei sollten die Werke bis zum 14. Dezember ausgestellt bleiben.

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Bis vor Kurzem hingen im Kantonsspital Olten rund 80 Bilder des Oltner Malers Jörg Binz. Nun wurden seine Werke wieder abgehängt, wie das «Oltner Tagblatt» berichtet. Der Grund sind nackte Frauenkörper, die auf manchen Bildern zu sehen sind. Der Künstler kann nicht verstehen, dass jemand seine Bilder anstössig findet. Und: «Der Abbruch der Ausstellung kommt einer Rufschädigung gleich», sagt er zu 20 Minuten.

Die Ausstellung hätte ursprünglich bis zum 14. Dezember dauern sollen. Binz ist fassungslos: «Die Bilder hingen über einen Monat, ohne dass sich jemand an ihnen gestört hat.»

Er sei gar vom Kantonsspital Olten selbst angefragt worden, dort auszustellen: «Ich war natürlich begeistert und sagte sofort zu.» Ein Team des Spitals sei extra in sein Atelier gekommen, um sich seine Werke anzuschauen. «Sie wussten, was ich für Bilder male», sagt Binz.

«Ohne Begründung abgehängt»

Bis jetzt habe er vom Kantonsspital keine Begründung erhalten, weshalb seine Bilder entfernt wurden, sagt der 74-jährige Künstler. Aus Protest liess Binz den Begriff «Zensur» und folgende Worte an seinem Ausstellungsplakat anbringen: «Auf Verlangen des Verwaltungsrats der Solothurner Spitäler wurde die Ausstellung Jörg Binz ohne Begründung frühzeitig abgehängt.»

Die Frau des Künstlers teilte das bearbeitete Ausstellungsplakat in den sozialen Medien. Freunde und Fans des Künstlers können den Grund für die abgebrochene Ausstellung nicht verstehen und teilen ihre Empörung auf Facebook. So auch der Gäuer Künstler Christoph R. Aerni: «Vermutlich kommen die Kinder im Spital Olten bereits mit dem Rollkragenpullover auf die Welt. Das Niveau bezüglich Kunst im Spital Olten ist fragwürdig. Hängt doch nur noch Salzteigbilder auf oder noch besser, hört auf mit Kunstausstellungen!!», schreibt er im Netz.

Gemäss Rebecca Aerni, der Tochter von Künstler Aerni, soll Verena Diener, Verwaltungsratspräsidentin der Solothurner Spitäler, verantwortlich sein für das Entfernen der Bilder. Diener soll diese als für ein Spital unpassend eingestuft haben, wie Aerni in einem Facebook-Post schreibt.

Rücksicht auf andere Kulturen

20 Minuten konfrontierte Verena Diener mit den Vorwürfen. Die ehemalige Zürcher Ständerätin (GLP) stellt klar: «Der Verwaltungsrat hat schon vor Monaten beschlossen, dass Aktbilder in den Spitälern nichts zu suchen haben.» Den Wert von Binz' Bildern stelle sie keineswegs in Frage, und in Prüderie verfallen sei der VR auch nicht. Doch die Gänge von Spitälern seien eine «heikle Zone»: «Die Patienten stammen aus unterschiedlichen Kulturen. Für manche stellen Aktbilder eine Provokation dar», so Diener. Beim Aushängen von Binz' Bildern sei dieser Grundsatz wohl in Vergessenheit gegangen.

Es sei allerdings nie die Idee des VR gewesen, sämtliche Bilder des Künstlers abzuhängen, sondern eben nur die Aktbilder. «Warum dies trotzdem geschah, ist mir unverständlich», sagt Diener. Sie versichert: «Die restlichen Werke werden wieder aufgehängt.»

Binz kritisiert, dass man nicht den Dialog mit ihm gesucht habe. Er wäre offen gewesen, gewisse Bilder auszutauschen, obwohl seiner Meinung nach nichts Pornographisches oder gar Rassistisches zu sehen sei, sagt er: «Das sind akademische Zeichnungen, die nichts mit Pornografie zu tun haben.» Nun will der Künstler rechtliche Schritte wegen Vertragsbruchs einleiten.

Pedro Lenz setzt sich ein

Das Telefon des Künstler läutet derzeit ununterbrochen. «Die meisten Personen aus meinem Umfeld können die Entscheidung des Verwaltungsrates auch nicht verstehen», so Binz. Das ganze Szenario würde ein falsches Licht auf ihn werfen. Auch Schriftsteller Pedro Lenz, der an der Vernissage vom 18. September die Eröffnungsrede hielt, setzt sich für Binz ein. Er spricht von einem «Kunstskandal» und einem Riesen-Affront gegenüber dem Künstler. Auch habe er eine Begründung von Seiten des Kantonsspitals gefordert, die er jedoch nie erhalten habe.

(pal/rc/sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marius Müller am 04.12.2018 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kulturen

    Ich kann es nicht mehr hören oder lesen. Diese Rücksicht auf verschiedene Kulturen. Diese Kulturen kamen in unsere Kultur, weil Ihnen anscheinend die eigene Kultur ja gerade eben nicht gefällt. Darum sollten wir auf keinen Fall Ihre Kulturen berücksichtigen oder gar fördern.

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  • CoffeeGirl am 04.12.2018 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Kulturen ...

    Klar, da hat mal wieder irgendein Übereifriger entschieden, die Bilder abzuhängen, um keine "fremden Kulturen" zu "provozieren". Und das wird jetzt auch als Hauptgrund der Aktion angegeben. Erinnert mich an die Cervelat-Geschichte vom letzten Sommer.

  • Jan am 04.12.2018 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerade hier

    Gerade im Krankenhaus, wo der Mensch auf sich selbst. reduziert wird, passen Aktbilder hervorragend. Bei aller Liebe zum Multikulturellem, es ist die Schweiz und da müssen sich andere Kulturen mit abfinden. Eine Moschee und ein Aktbild, beides muss Platz haben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tanja am 04.12.2018 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind die Schweiz.

    Müssen wir uns jetzt schon für unsere Kultur entschuldigen? Sind wir provokativ? Sorry, wir sind in einem multikulturellen Land, aber unsere schweizer Kultur muss bestehen, sonst wirds also traurig...

  • Barbara am 04.12.2018 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Islamistische Länder ...

    in Ländern mit Kulturen, die mich irritieren, war ich nie und werde ich nie reisen, obwohl ich viel unterwegs bin. Islamischtische Länder - nein danke.

  • Karin am 04.12.2018 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kulturgut

    mal keine Kreuze in Schulen, dann keine Cervelats beim grillieren und nun keine Akt-Kunst im Spital. Unsere Kultur wird Stück für Stück abmontiert.

  • Paul am 04.12.2018 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bin ich?

    Wo ist der Ort wo meine Kultur sein darf? Wo jeder auf mich und meine Bedürfnisse Rücksicht nimmt? In der Schweiz anscheinend nicht. Mich hätten die Bilder nicht gestört.

  • Markus H. am 04.12.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kreuze?

    Andere Kulturen? Dann müssen auch sämtliche Kreuze entfernt werden!

    • Beobachter am 04.12.2018 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      Sind schon fast alle entfernt

      Da hat die Kultur schon zugeschlagen. An den meisten Orten mussten die Kreuze schon vor Jahren entfernt werden. Ja, ja, die Kultur des "Friedens" und der "Toleranz" ...

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