Gummigeschosse

12. April 2019 04:57; Akt: 12.04.2019 04:57 Print

Video von verletzten Gelbwesten rüttelt auf

Ein Video der Nachrichtenagentur AFP zeigt Gelbwesten, die durch Polizei-Geschosse ein Auge verloren haben. Die Werfer werden auch in Bern eingesetzt.

Gilets-Jaunes-Anhänger erzählen von ihren traumatischen Erlebnissen (Video: AFP)
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«Ein Geschoss traf mich im Gesicht, dann war da nur noch ein schwarzes Loch», erzählt Alexandre Frey (28). Später erhielt der freischaffende Künstler den niederschmetternden Befund seines Arztes: Er habe sein rechtes Auge für immer verloren. Patrick Galliand (59) ereilte dasselbe Schicksal: «Sollte auch meinem anderen Auge etwas zustossen, ist es vorbei – dann bin ich völlig blind», sagt der kaufmännische Angestellte.

Thuner Firma stellt Werfer her

Frey und Galliand gehören zu den insgesamt 23 Personen, die angeben, bei Protesten der Gelbwesten in Frankreich schwer verletzt worden zu sein und ihr Augenlicht auf einer Seite verloren zu haben. In einem Video der französischen Nachrichtenagentur AFP erzählen sie von ihren traumatischen Erlebnissen.

Wegen des Einsatzes von Gummigeschossen geriet die französische Polizei in den letzten Wochen und Monaten vermehrt in die Kritik – und mit ihr die Herstellerfirmen. Zu diesen gehört auch B&T in Thun. Das Rüstungsunternehmen stellt den Mehrzweckwerfer GL06 samt Munition her, der bei den Gilets-Jaunes-Demonstrationen eingesetzt wird. B&T weist seit geraumer Zeit jede Verantwortung von sich: Die französische Polizei würde für den Werfer nicht die richtige Munition verwenden.

Motion gegen Pilotversuch

Auch die Kantonspolizei Bern setzt die GL06 derzeit in einem Testversuch ein – mit den dafür konzipierten Patronen. Dass aber auch die herstellereigenen Geschosse zu massiven Verletzungen führen können, ist einem Gutachten der Universität Bern aus dem Jahr 2008 zu entnehmen. Darin wird ihr «Verletzungspotenzial» als beachtlich beurteilt. Rippenbrüche und Augenschäden seien noch aus einer Distanz von 60 Metern möglich. B&T gibt an, die Geschosse seien durch das Gutachten als «sicher auf Nahdistanz» bewertet worden.

Christa Ammann von der Alternativen Linken Bern fordert in einer Motion den sofortigen Stopp des Pilotversuchs. Zu hoch sei das Verletzungsrisiko, zu gross sei die Gefahr, dass Unbeteiligte aufgrund von Abprallern in Mitleidenschaft gezogen würden. Ammann: «Die Werfer sind bei Personenansammlungen wie Kundgebungen oder Sportanlässen keine geeignete Waffe.»

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 12.04.2019 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Randalieren?

    Bei allem Mitleid, aber wenn man friedlich Demonstriert werden keine Gummigeschosse abgefeuert werden. Wenn man aber Randaliert eben schon. Die Steine, Flaschen, usw. gegen Polizisten sind da doch eher noch gefährlicher. Es ist also ein ziemlich hohes Eigenvers - nicht unbedingt des Betroffenen, aber mitgegangen mitgegangen - mit dabei.

  • Peter Impel am 12.04.2019 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Karma

    Wo führt das hin, wer Demonstriert, Randaliert etc. wütend ist auf die Regierung aber Autos von Privaten anzündet usw. gegen den muss vorgegangen werden und wenns dumm läuft, tja trägt man ein schaden davon, als derjenige ein Stein warf hat er auch nicht gedacht was er verursachen würde! Das ist Karma! Ps. Macht das z.B. In Russland, da wird gleich scharf geschossen.......

    einklappen einklappen
  • Konsequenzen am 12.04.2019 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sicher schlimm aber

    Na und sicher ist das schlimm auf der anderen Seite sind es nicht bewilligte Demos und im übrigen wer fragt nach den verletzten Polizisten oder wer bezahlt den ganzen Vandalismus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Damorand am 13.04.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer austeilt muss auch einstecken...

    Zerst alles zerstören, den normalen Menschen, die übrig bleiben, das Leben schwer machen. Und anschliessend jammern.

  • Chris am 12.04.2019 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ginge auch anders.

    Vor kurzem gab es zahlreiche Demos gegen Artikel 13 Allesamt mit grosser Beteiligung und friedlich verlaufen. Es gab weder Vermummte noch Randale. Und siehe da. Trotz Anwesenheit der Polizei kamen weder Wasserwerfer noch Gummigeschosse zum Einsatz. Demonstrieren ist ein Recht. Randalieren allerdings nicht.

  • Green Liberal am 12.04.2019 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risiko jedem Bekannt

    Wer an Demos und anderen Veranstaltungen mit hohem Ausschreitungsrisiko teil nimmt, muss mit schweren Verletzungen rechnen. Wie wäre es mit dem Tragen einer Schutzbrille?

  • moods am 12.04.2019 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Wer an eine Demo geht, ob bewilligt oder nicht bewilligt, muss nun mal damit rechnen, dass wenn es zu Ausschreitungen kommt, die Polizei nicht am Straßenrand steht und Däumchen dreht. Es ist auch richtig und oftmals auch nötig, dass Randalierer, Chaoten und dergleichen mit all diesen Mitteln zur Besinnung gebracht werden. Das nachträgliche Gejammer dieser Art Demoteilnehmer ist schlicht und einfach daneben.

  • Vorname Name am 12.04.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    wir haben auch so einige

    "freischaffende Künstler" die Brotlosen, nehmen gern die Gelder vom hartarbeitenden Steuerzahler aber haben an allem was der Staat und die Gesellschaft ihnen bietet was zu bemängeln. Wer dann noch nicht in der Lage ist sich an Recht und Gesetz zu halten und friedlich zu demonstrieren, den darf Recht und Gesetz gern mit aller Härte treffen.