Vogelschreck

20. Juni 2019 04:44; Akt: 20.06.2019 04:55 Print

Müssen wir uns an den «Ohrenterror» gewöhnen?

Eine Alarmanlage zur Vertreibung von Krähen sorgt für Stunk in Obergösgen SO. Laut Landwirten werden solche Massnahmen in Zukunft öfters notwendig sein.

Mit diesem Alarm vertreibt eine Bäuerin in Obergösgen Krähen – zum Leid der Nachbarschaft. (Video: Leser-Reporter)
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Als «Ohrenterror» bezeichnen Anwohner von Obergösgen SO den Krach, den ein Vogelschreck auf einem Bio-Mais-Feld im Minutentakt von sich gibt. Mit dem schrillen Ton, der wie ein Raubvogel klingen soll, werden Krähen vom Feld und der frischen Saat ferngehalten.

Jonas Zürcher, Direktor des landwirtschaftlichen Bildungszentrums Wallierhof in Riedholz, prognostiziert, dass in Zukunft Vogelschrecks vermehrt zu Einsatz kommen: «Der Krähen-Alarm wird bald öfters zu hören sein.» Denn während Bio-Bauern bereits heute keine Pflanzenschutzmittel zur Krähenabwehr einsetzten, werden in Zukunft auch die anderen Bauern darauf verzichten müssen – zumindest auf den Wirkstoff Mesurol. Dieser machte das Saatgut für Krähen ungeniessbar. Den Vorgang nennt man Beizen.

Mittel gegen schlaue Tiere

Der Wirkstoff ist in der EU noch bis Ende Juli zugelassen und wird laut dem Bundesamt für Landwirtschaft BLW in Zukunft auch in der Schweiz nicht mehr zugelassen sein. Landwirte suchen händeringend nach Alternativen, um ihre Felder gegen Krähen zu schützen. Denn eine chemische Alternative ist nicht in Sicht, so Zürcher: «Dann heisst es wieder zurück auf Feld eins.» Die Abwehrwirkung von Mesurol war für die Landwirte wertvoll, «ohne sind die schlauen Vögel nur schwer zu vertreiben.»

Mit Gas-Ballonen, Farbigen Plastikbändern oder Knallpetarden lassen sich die Tiere nur für einige Tage beirren. Seit diesem Jahr neu im Einsatz sind akustische Vogelscheuchen – wie jene in Obergösgen. «Das Alarmgeräusch soll die Krähen verscheuchen», so Zürcher. Er verstehe jedoch, dass die Lärmbelastung störe, aber: «Es ist eine klassischer Zielkonflikt: Die Bevölkerung will, dass die Landwirtschaft möglichst auf Chemie verzichtet, stört sich dann jedoch an alternativen Massnahmen, die in anderer Weise stören können.»

Grossflächig geht nicht

Bisher haben man gute Erfahrungen mit den neuen akustischen Anlagen gemacht. Das sieht auch Bauer-Berater Beat Wyss so, der die Anlagen selber vermietet. Ein grossflächiger Einsatz käme jedoch nicht in Frage: «Wir können nicht die ganze Schweiz mit solchen Lärm-Anlagen zudecken.» Sein Arbeitgeber, Saatgutvertreiber KWS, hat bisher vergeblich versucht, eine pflanzliche Alternative zum Beiz-Mittel Mesurol zu finden: «Wir haben etwa mit extrem scharfen Chilli experimentiert. Doch auch das hält die Krähen nicht vom Picken ab.»

Immerhin habe das dänische Start-up die akustische Vogelscheuche bereits weiterentwickelt. Die Signale müssten nun nicht mehr im Minutentakt erklingen. Neu erkennt das Gerät, wenn Vögel in der Nähe sind und wird erst dann aktiv. Wyss: «Das bewahrt dann auch den Frieden mit der Nachbarschaft.»

So oder so: In Niedergösgen hat man die nächsten Jahre Ruhe vor dem Vogelschreck. Die zuständige Landwirtin will auf dem Feld vorerst nicht wieder Mais pflanzen.

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NiEr am 20.06.2019 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry,aber...

    ich weiss jetzt werden gleich viele aufschreien,aber früher wurden Krähen geschossen und zur abwehr aufgehängt...Sieht nicht schön aus, ist aber wirkungsvoll. Und das Argument, es verstöhre die Kinder, sorry nein, ich glaube wenn man es richtig erklährt wirds auch verstanden und wirkt nicht verstöhrend. Wir sind auch damit grossgeworden und haben keinen knaks.

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  • Maico am 20.06.2019 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Tierschtz

    Unser an der Realität komplett vorbei-politisierter Tierschutz hat die Regulierung von Krähen und Elstern durch Abschuss verboten. Heute sind sie eine Plage, die ander (Vogel-)Arten verdrängen, dadurch die Bioversität massiv beeinträchtigen und Schäden anrichten. Man muss einfach verstehen, dass ohne Regulierung bei uns keine ausgeglichenen Bestände geben kann.

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  • StanX am 20.06.2019 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Population begrenzen

    Krähen sind gesetzlich geschützt. Das war sinnvoll, da sie als gefährdet galten und auszusterben drohten. Unterdessen haben sie sich aber stark vermehrt und werden immer mehr zur Plage. So wie man bei den Schwänen die Population am ungehinderten Wachstum hindert, muss dies auch bei Krähen erfolgen. Der Ohrenterror ist fragwürdig, die schlauen Tiere werden auch das rasch durchschauen. Es muss andere Lösungen geben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Greifvogelfan am 20.06.2019 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wär es mit Greifvögel

    Wie wär es mit Greifvögel, die gezielt eingesetzt werden...in Deutschland hat man damit sehr gute Resultate erzielt, ganz ohne Gift oder Lärm

  • Bewohner am 20.06.2019 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zwei eigenständige Gemeinden

    Niedergösgen ist nicht gleich Obergösgen (letzter Satz des Artikels).

  • derASI am 20.06.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    würde ich da wohnen...

    ...wäre das Ding schon lange kaputt, da es jeder der Anwohner weg haben will ist es schwer den Übeltäter ausfindig zu machen, könnte jeder sein ;)

  • PIIIIIIIIIIP am 20.06.2019 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht verharmlosen

    Es gibt jedoch solche Geräte mit einer Bestimmten Frequenz und Intervallen die auch als Psycho Terror angewendet werden können. Einige Berichten ja das der Ton immer Präsent sei obwohl das Ding über die Nacht ab geschallten war z.b.

  • MrX8600 am 20.06.2019 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mötzlis

    Die die hier wegen des Lärms rumheulen, sind die ersten die auch was bei einer toten Krähe sagen würden...