In zwei Welten

13. Februar 2019 19:17; Akt: 13.02.2019 19:27 Print

Polymechanikerin mit feinem Schmink-Händchen

Rebecca Oppliger (27) aus Biel arbeitet in einem männerdominierten Beruf. In ihrer Freizeit widmet sich die Polymechanikerin ganz dem Schminkkoffer.

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Am Tag schleift und bohrt sie, am Abend tauscht sie die Maschinen gegen Schminkpinsel und Wimpernzange. Rebecca Oppliger arbeitet hauptberuflich als Polymechanikerin: «Es ist ein ziemlich männerdominierter Beruf. Ich bin die einzige Frau bei uns.» Die 27-Jährige arbeitet in der Teilfertigung im Seeland. Das Arbeiten mit Metall, Kunststoff und anderen Materialien gefalle ihr gut: «Der Gymer war nichts für mich, ich wollte etwas mit den Händen machen», so die Ipsacherin.

Bis vor kurzem arbeitete sie fünf Tage die Woche, nun hat sie auf 60 Prozent reduziert – der Ruf ihrer zweiten Leidenschaft wurde zu laut. Denn Oppliger ist neben ihrer Tätigkeit als Polymechanikerin auch als Visagistin tätig. Schon seit klein auf sei sie gerne kreativ gewesen. 2017 beendete Oppliger die Ausbildung zur Visagistin – und zwar erfolgreich. So durfte sie am «Swiss Creative Make Up Contest» teilnehmen und war 2018 gar für den Förderpreis für Visagismus nominiert.

Zwei Extreme

Die Seeländerin bewegt sich in zwei unterschiedlichen Welten. In der Werkstatt hätten ihre Mitarbeiter anfangs nicht viel mit ihrer zweiten Leidenschaft anfangen können: «Sie konnten es sich gar nicht vorstellen, ich musste viel erklären.» Aber ihre Arbeitskollegen hätten sie immer unterstützt. Mittlerweile habe sie die ganze Make-up-Thematik ihren Arbeitskollegen näher gebracht: «Jetzt fragen sie mich sogar oft: ‹Und, wen schminkst du am Wochenende? Und wie?›»

Aber auch in der Visagisten-Szene tanze sie mit ihrem Beruf aus der Reihe: «Mein Job ist schon der exotischste unter allen. Die meisten stammten aus dem kosmetischen Bereich.» Die Zeiten hätten sich jedoch geändert, sagt Maria Ochsner von der Face Design Visagistenschule. Der Männeranteil habe sich in den letzten Jahren spürbar erhöht.

Schminke für Instagram

Grundsätzlich würden sich immer mehr Menschen dazu entschliessen, in der Make-up-Branche Fuss zu fassen. Das liege auch an Social Media: «Spätestens seit Instagram sind Make-up-Artists gefragter denn je», so Ochsner.

Das sieht auch Rebecca Oppliger so. Sie selber finde oft Inspiration auf Social Media: «Ich muss sogar aufpassen, dass ich nicht nur noch vor dem Smartphone und dem Schminkspiegel sitze.» Seit kurzem versuche sie auf ihrem Insta-Profil @becci.makeup.artist ihre Schmink-Arbeiten in den Fokus zu rücken. Ausserdem könne sie sich vorstellen, in Zukunft einen Youtube-Kanal zu betreiben und Schmink-Tutorials raufzuladen: «Aber es fehlt mir noch der Mut, selber vor der Kamera zu stehen.»

(pal/cho)