Bern

14. Dezember 2014 16:19; Akt: 14.12.2014 16:19 Print

Weltweit einziges «Haus der Religionen» eröffnet

Das international einmalige Haus der Religionen öffnete am Sonntag seine Pforten. Acht Religionsgemeinschaften sollen unter einem Dach zusammen leben.

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Mit einem grossen Fest wurde das Haus der Religionen am Sonntag eingeweiht. Es befindet sich in einem grossen Gebäudekomplex am Europaplatz im Westen Berns. «Wir haben so lange auf diesen Tag gewartet», so Karthiga Muraleetharan. Sie, ihre Tochter Atharavahini und die verwandte Thayalini Kamalanathan hätten schon lange auf ein solch durchmischtes Zentrum gewartet. Besucher strömten durch den Hindutempel. Vertreter der Glaubensgemeinschaften überreichten den Verantwortlichen Geschenke. Im Haus der Religionen unterwegs war auch Besucherin Lalita Klatt, die eigentlich konfessionslos ist. «Das Haus ist für alle und jeden zugänglich. So können etwa Klischees abgebaut werden», so die junge Frau. Ganz besonders interessiere sie aber die beiden Religionen Hinduismus und Buddhismus. Beide Glaubensrichtungen sind nun am Europaplatz vertreten. Eine Besucherin fotografierte buddhistische Mönche. Andere Besucherinnen bestaunten den Hindutempel. Im Haus der Religionen ist ebenfalls eine Moschee am entstehen. Die gesamten Bauarbeiten des Hauses waren aber bei der Eröffnung noch nicht endgültig abgeschlossen. Gebetet wird aber schon. Der Krishna-Mönch Christoph Truttmann liess sich in ungewohnter Umgebung fotografieren. « Auch in der Moschee kann ich viel für meinen eigenen Glauben erlernen», meint der Zürcher. All diese «fremden» Religionen lockten über den ganzen Sonntag massenhaft Besucher an. So auch die beiden Sikhs-Geschwister aus Bern. «Während überall auf der Welt Glaubenskriege toben, erhalten wir hier die Möglichkeit, andere Religionen kennen zu lernen», meinte Biramandeep Singh. Die muslimische Familie Hoxha stattet der Moschee ebenfalls einen Besuch ab und erfreut sich über die offene Einstellung im Haus. «Ich bin Hip-Hopper, meine Frau trägt ein Kopftuch. Das sind beides keine Gründe, einen Menschen zu verurteilen.»

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Christen, Aleviten, Muslime, Hindus und Buddhisten begehen ihre Kulte nun in ihrer Kirche, ihrem Dergah, ihrer Moschee, ihrem Tempel und ihrem Zentrum. Die Glaubensgemeinschaften feierten am Sonntag mit tausenden Besuchern den Einzug ins neu gebaute Glasgebäude an den Europaplatz im Westen Berns.

«Während überall auf der Welt Glaubenskriege toben, erhalten wir hier die Möglichkeit, andere Religionen kennenzulernen», sagte etwa der Sikh Biramandeep Singh. Krishna-Mönch Christoph Truttmann setzte sich in die Moschee: «Dass Muslime täglich fünfmal beten, gibt mir Disziplin für meine eigene Religion.»

Die muslimische Familie Hoxha freut sich über die offene Einstellung im Haus. «Ich bin Hip-Hopper, meine Frau trägt ein Kopftuch. Das sind beides keine Gründe, einen Menschen zu verurteilen.» Und die konfessionslose Bernerin Lalita Klatt hofft: «Das Haus kann helfen, Klischees abzubauen.»

Auch Juden, Baha'i und Sikhs tragen die Idee mit

Ein Teil dieser Glaubensgemeinschaften lebte den Glauben bisher in Hinterhöfen oder Kellergeschossen. 10 Millionen Franken hat das Gebäude gekostet. Eine Berner Stiftung sorgte für die Finanzierung, die fünf Religionsgemeinschaften mussten für den Innenausbau aufkommen und zahlen Miete.

Auch Juden, Baha'i und Sikhs sind Mitglieder des Vereins, der das Haus betreibt. Sie haben sich aber keine eigenen Sakralräume eingerichtet.

Lange und bewegte Geschichte

Das Haus der Religionen hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich. Den Anstoss dafür gab ein Stadtplaner, der 1998 in einer Studie zur Entwicklung der westlichen Quartiere Berns Massnahmen gegen die Ausgrenzung der kulturellen und religiösen Minderheiten forderte. Im Westen Berns ist der Ausländeranteil besonders gross.

Laut den Betreibern ermögliche die Architektur des Gebäudes, dass die verschiedenen Gemeinschaften den Kontakt miteinander suchen, sich aber auch zurückziehen könnten. Konzipiert ist das Gebäude nämlich so, dass auf den zwei Stockwerken die Sakralräume auf beiden Seiten eines für alle zugänglichen sogenannten «Dialogbereichs» angeordnet sind.

«Wir waren Fantasten, Utopisten, Gutmenschen fernab von jeder Realität», sagte Guido Albisetti, Präsident des Trägervereins. Nun aber stehe das Haus. Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass der gemeinsame Dialog möglich und fruchtbar sei.

Vandalenakt gegen Muslimischen Verein

Ein Haus der Religionen in Bern ist an sich nichts Neues: Kleinere Vorgängergebäude gab es schon mehrere. Neu ist, dass nun eben fünf Gemeinschaften gemeinsam teilweise stattliche Räume beziehen, für deren Gestaltung beispielsweise die Hindus extra Handwerker aus Indien einflogen.

Auch der muslimische Verein Bern verlässt demnächst seine Räumlichkeiten im Länggassquartier und zieht an den Europaplatz. An ihm zeigt sich, dass nicht alle das Projekt gut finden: Im Oktober brachen Unbekannte in die heutige Moschee des Vereins ein, zerstörten ein Modell der Europaplatz-Moschee und verunstalteten ein Bild des Imams.

Dieser führt diese Taten auf den geplanten Umzug des Vereins ins Haus der Religionen zurück. Tagtäglich werde der Verein von konservativen Leuten für diese Pläne kritisiert, so Imam Mustafa Memeti. Er stehe aber nach wie vor zu den Umzugsplänen und habe wegen der Vandalenakte Strafanzeige eingereicht.

(smü/miw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandro Lanz am 14.12.2014 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Ich bin sehr religionskritisch, da Religionen einer der 3 Hauptgründe für Krieg sind. Neben wirtschaftlichen Gründen und Nationalitäten. Ohne Geld, Nationen und Religionen wären viele Konflikte niemals ausgebrochen. Der Mensch findet aber immer einen Grund um sich zu bekämpfen! Das Haus der Religionen ist aber ein guter Schritt und ein Musterbeispiel wie man mit den verschiedenen Religionen umgehen könnte und sie zusammenführen, statt gegeneinander aufzuschüren!

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  • R. Hess am 14.12.2014 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    keine Freude

    Da wird Nicholas Blancho aber keine Freude haben :-)

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  • Kurt Max am 14.12.2014 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Artikel lesen

    An alle, die sagen, es wurde mit Steuergelder gebaut, ich würde mal zuerst den Artikel lesen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zollikofer am 15.12.2014 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut

    Fahre seit Jahren durch Zollikofen nahe Bern und sehe den Mormonentempel. Habe jedesmal den Wunsch, dieses Haus zu besuchen, aber es soll nicht möglich sein. Ich staunte auch immer über die Toleranz der Berner den Mormonen gegenüber. Hatte (leider) nie mit Mormonen zu tun, aber ich weiss, dass es hervorragende, aufrichtige und sehr zuvorkommende Gläubige sind. Hätte sie gerne in dem Haus der Religionen gesehen. Freue mich an den gemässigten Aleviten und die Bahai, eine universelle Weltreligion.

    • Erich Ed. Müller am 15.12.2014 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      Sekte

      Die Molrmonen gelten auch in den USA, wo Kirche und Staat getrennt sind, es also keine Landeskirche gibt, wie bei uns, sondern z.B. auch die römisch kath. eine freikirche ist, als Sekte. Sie ist eine radikale und rassistische Endzeitsekte, die verspricht, dass alle Weisshäutigen (und nur diese) eine Chance haben, den Weltuntergan zu überleben. Die Mormonen wurden im 19. Jahrhundert von einem Gaukler namens Joseph Smith gegründet und pflegen die Polygamie.

    • Tommy am 15.12.2014 17:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Erich Ed Müller

      Die Mormonen haben in den 70ern oder 80ern als offener Rassismus in den USA nicht mehr Mode war plötzlich beschlossen Schwarze doch auch aufzunehmen. Die Polygamie haben sie schon viel früher aufgegeben in Verhandlungen mit dem Staat Utah. Joseph Smith war tatsächlich immer am herumreisen (oder besser gesagt auf der Flucht) weil er in unzähligen Staaten wegen Betrugs gesucht wurde. Ich würde aber mal behaupten, dass das unter Religionsstiftern nicht ungewöhnlich ist. Schliesslich ist Religion der ultimative Betrug und dazu noch legal und (in den USA) steuerbefreit.

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  • Pedro am 15.12.2014 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdschämen

    Die Idee an und für sich ist gut. Warum aber wurde in einer hässlichen Beton- und Verkehrswüste gebaut, und warum entstand (äusserlich) so ein hässliches Gebäude? Zudem: Heisst das Ausserholligen-Quartier jetzt "Europa", oder hat es gar keinen öV-Anschluss mehr?

    • Europäer am 15.12.2014 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      Guter Wechsel

      Ausserholligen? entspricht in etwa Hinterwaldingen. Da macht Europaplatz schon mehr "Gattig"! Sehr gute Entscheidung, bin nun ebenfalls "aufgewertet" durfte vormals gar niemandem sagen, wo ich meine Zelte aufgestellt habe. Nun bin ich in Europa angekommen. Danke!

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  • Tommy am 15.12.2014 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Und meine Religion?

    Ich hoffe doch, da drin hat es auch ein italienisches Restaurant. Damit wir wahren Gläubigen seiner Nudeligkeit, dem fliegenden Spaghettimonster, huldigen können! Ramen!

    • nico am 15.12.2014 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kein haus der religion!

      die pastafaris werden leider immer noch diskriminiert :(

    • Erich Ed. Müller am 15.12.2014 16:23 Report Diesen Beitrag melden

      So,So

      Könnte das eventuell an deren Intelligenzferne liegen?

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  • Darius Schmidt am 15.12.2014 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Unakzeptabel

    Es ist für mich diskriminierend und unakzeptabel, dass auf dem Gebäude zusammen mit den Hindu und Isalmsymbole nicht auch das christliche Kreuz steht. Es muss also dringend entweder das Kreuz noch montiert werden, oder die anderen zwei Symbole auch weggenommen werden.

    • G.Dommen am 15.12.2014 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Kreuz, nichts Christliches

      Erster Anblick - gleicher Gedanke! Müssen wir uns unserer Glaubensüberzeugung denn schämen? Haben wir uns schon so weit entfremdet oder sind die Gestalter noch an der Arbeit?

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  • Kerstin am 15.12.2014 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Religionen = Krieg

    Was bringt das alles? Die meisten Kriege verurachen die Religionen schon seid hunderten von jahren. Religionen morden und zetteln Kriege an. Ein Verbot wäre eine Idee