Fäkalien, Drohnen, illegales Campen

16. August 2019 13:30; Akt: 16.08.2019 14:44 Print

Wie Turnschuh-Touristen die Natur verschandeln

Die Steinböcke auf dem Brienzergrat fliehen in die Wälder. Der Grund: Laute Ausflügler nehmen zunehmend ihren Lebensraum ein.

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Dass diese Landschaft Ausflügler anzieht, ist nicht weiter erstaunlich. Einmalig ist der Brienzergrat, der sich im beliebten Augstmatthorn gipfelt. Doch das Verhalten der Besucher bereitet dem dortigen Wildhüter Sorgen. Illegales Campieren auf geschütztem Gebiet, lautes Musikhören auf freier Wildbahn oder Drohnenflüge würden die Flora und Fauna vor Ort ganz durcheinander bringen. Auch beim Kanton ist man besorgt, die Vorfälle werden dokumentiert. Via Social Media wird die Bevölkerung nun sensibilisiert. So steht aktuell auf der Facebook-Seite des Kantons Bern: «Wildhüter aus dem Berner Oberland stellen vermehrt fest, dass Besucherinnen und Besucher in den eidgenössischen Jagdbanngebieten campieren oder biwakieren. Das stört jedoch die dort lebenden Wildtiere stark. Aus diesem Grund ist das Übernachten in solchen Schutzzonen nicht erlaubt. Das Nichtbefolgen der Vorschriften kann strafrechtlich verfolgt werden. » So mussten pro Sommer bis 20 Personen bei der Staatsanwaltschaft wegen Campierens im Jagdbanngebiet verzeigt werden. Auf beinahe jedem Rundgang, egal zu welcher Tageszeit, treffen Wildhüter Dauwalder oder seine Kollegen oben auf dem Grat auf unerwünschte Ausflügler. Denn auch nachts ist die Aussicht vom Berg einmalig. Doch der Genuss geht auf Kosten anderer... ..am meisten macht der Augstmatthorn-Boom dem dortigen Steinwild zu schaffen. Die Tiere suchen mittlerweile vermehrt Zuflucht in den Wäldern oberhalb der Brienzersee-Gemeinden. Das ist nicht unproblematisch: Der dortige Forst dient eigentlich als Schutzwald für die darunterliegenden Dörfer. Das Wild zerstört nun diesen Schutz und fördert so Steinschläge und Lawinen. Dauwalder: «Auf Instagram und Co. findet man massenhaft schöne Fotos vom Augstmatthorn... ...Leute aus dem In- und Ausland wollen selber hierherkommen, um das Abenteuer ‹Natur› zu erleben und abzulichten.» Für solche Aktionen, die zum perfekten Instagram-Bild verhelfen sollen, hat Dauwalder kaum Verständnis. Er hofft, dass die unliebsamen Besucher bald wieder abziehen, damit die Steinböcke wieder ihren gewohnten Alltag führen können.

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Seit über 30 Jahren zieht Wildhüter Bruno Dauwalder durch die Natur oberhalb des Brienzersees – die Flora und Fauna der Region kennt er in- und auswendig. Auch die Steinböcke auf dem Brienzergrat sind ihm bestens vertraut.

Doch was der Wildhüter in den letzten zwei Jahren oben auf dem Augstmatthorn erlebt hat, bereitet ihm zunehmend grosse Sorgen: Das Gebiet, das unter eidgenössischem Schutz steht, verändert sich – Steinböcke ziehen sich zurück, die Gämsen fühlen sich verjagt. «In der Landschaft stinkt es zudem auch nach Fäkalien und Urin, immer wieder findet man hier herumliegenden Müll», ärgert sich der Wildhüter. Der Grund: «Turnschuh-Touristen verwandeln die hiesige Natur in einen Rummelplatz.»

Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft

Auf beinahe jedem Rundgang, egal zu welcher Tageszeit, treffen Wildhüter Dauwalder oder seine Kollegen oben auf dem Grat auf unerwünschte Ausflügler – «sie hören laute Musik, biwakieren oder zelten illegal im Jagdbanngebiet oder lassen Drohnen fliegen», rapportiert der Oberländer. So mussten pro Sommer bis 20 Personen bei der Staatsanwaltschaft wegen Campierens im Jagdbanngebiet verzeigt werden. Immer wieder legen sich die Wildhüter und Ranger auch mit Drohnenpiloten an. Denn: «Durch die surrenden Flugobjekten wird das natürliche Verhalten des Steinwilds stark gehemmt», weiss der Wildhüter.

Die Tiere suchen mittlerweile vermehrt Zuflucht in den Wäldern oberhalb der Brienzersee-Gemeinden. Das ist nicht unproblematisch: Der dortige Forst dient eigentlich als Schutzwald für die darunterliegenden Dörfer. Das Wild zerstört nun diesen Schutz und fördert so Steinschläge und Lawinen.

Ein Teufelskreis, verursacht durch Instagram

Der Auslöser für den Teufelskreis sieht der Berner Oberländer in den sozialen Medien. «Auf Instagram und Co. findet man massenhaft schöne Fotos vom Augstmatthorn – Leute aus dem In- und Ausland wollen selber hierherkommen, um das Abenteuer ‹Natur› zu erleben und abzulichten.» Der Umgebung angepasst würden sich die Leute aber eben nicht verhalten. Um zu versinnbildlichen, was er meint, erwähnt Dauwalder schliesslich absurde Beispiele. «Es ist auch schon vorgekommen, dass ich oben auf dem Berg einer Braut im langen weissen Kleid begegnet bin, die für Fotos posierte.»

Für solche Aktionen, die zum perfekten Instagram-Bild verhelfen sollen, hat Dauwalder kaum Verständnis. Und dennoch will er mithilfe des Kantons Bern nun ebenfalls via Social Media versuchen, die Situation auf dem Augstmatthorn zu entschärfen. «Wir versuchen nun, die Leute via Instagram und Facebook zu sensibilisieren – denn es sind schliesslich genau diese Leute, die auf den Plattformen unterwegs sind, die hier oben die Steinböcke stören und die Natur verschandeln.»

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Valentina BE am 16.08.2019 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequent

    Ganz einfach: In sämtlichen Bergregionen Drohnen verbieten. Ansonsten: Busse und die Drohnen abschiessen.

  • Heidi am 16.08.2019 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ginge auch anders

    Warum lassen sich diese Leute nicht vor einem Naturlandschafts-Plakat mit Scheinwerfer ablichten, der Effekt wäre der gleiche. An der Natur haben sie ja sowieso kein Interesse, es kommt ihnen nur auf Publicity an. Dann würde wieder Ruhe einkehren.

  • martin am 16.08.2019 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    am Ende

    fallen sie dann denn Berg runter. egal das Foto ist im Kasten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bettina am 17.08.2019 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Demut gegenüber der Natur

    Gerade heute Massen an ungeübten und nicht der Wanderung entsprechend gekleideten Touristen begegnet (First-Faulhorn-Schynige Platte). Haarsträubend, teilweise in Sandalen und die Drohne immer mit dabei. Wandern ist ein Trend geworden um das perfekt Pic zu posten. Um die Natur geht es schon lange nicht mehr. Diese Anfänger muss dann Die Rega oder Air Glacier vom Berg holen. Kein Respekt mehr vorhanden gegenüber Mensch, Tier und der Natur. Traurige Wahrheit.

  • Typhoeus am 17.08.2019 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am jüngsten Gericht

    werden alle Umweltverschmutzer bestraft.

  • Skeptiker am 17.08.2019 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Fluch als Segen...

    Gerne verkauft man uns die Gadgets als innovativen Segen. Machen wir uns nichts vor, der Segen ist im hirnlosen Masseneinsatz längst am Kippen.

  • cs am 17.08.2019 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt ein Wort mit i

    Durch das die Jungen antiautoritär erzogen wurden, haben sie keinen Anstand und wissen nicht, was sich gehört. Dann kommt es leider zu solchen Situationen.

  • C.H. am 17.08.2019 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich nicht schön!

    Bin geografisch nicht so sicher: Ist das die Gegend, in der das Militär dauern ballert und mit den Flugzeugen im Himmel knallt?