Thun

26. Juni 2019 12:13; Akt: 26.06.2019 12:13 Print

Wie ein Plattenladen der Zeit trotzt

Trotz Spotify, Bandcamp und Co.: Der Thuner Record-Store Zig Zag ist nicht unterzukriegen.

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Eigentlich dürfte es diesen Laden gar nicht mehr geben, denn er verkauft, was der technische Fortschritt längst überholt hat: Schallplatten und CDs. Doch der Thuner Plattenladen Zig Zag behauptet sich seit Jahrzehnten.

Doch wie? Immerhin stand vor fünf Jahren gar eine Schliessung des Zig Zag zur Debatte. Musikdownloads und Streamingdienste setzten dem guten alten Plattenladen von Walter «Wale» Bartlome zu. Zwar erlebt die Vinylschallplatte seit einigen Jahren wieder ein Comeback, doch im Vergleich mit den explosionsartig ansteigenden digitalen Musiknutzungen ist der Vinyl-Boom bescheiden.

«Sturer Bock»

Mit der Digitalisierung des Musikgeschäfts «schrie dann aber förmlich alles danach, den Laden dicht zu machen», so Bartlome, der sich bereits als Gymnasiast sein Taschengeld im Zig Zag verdient hatte und heute Inhaber des Geschäfts ist. Doch er sei eben ein «sturer Bock». Ihm war klar, dass er nicht mit dem überleben konnte, was alle anderen auch anbieten. Bartlome setzt auf Werthaltigkeit und Vielfältigkeit – und ein bisschen Psychologie.

Während sich andere Plattenläden auf Vinyl oder bestimmte Musikrichtungen spezialisierten, blieb Bartlome bei einem möglichst breiten Angebot. Vor einigen Jahren erweiterte er es um eine gut sortierte Klassik-Abteilung. Der unabhängige Record Store ist bestens sortiert und kein Schallplattenflohmarkt.

Weit über Thun hinaus einen Namen gemacht hat sich Zig Zag von Anfang an mit dem Auftreiben spezieller Platten oder CDs im Ausland. Dabei waren Barlome die sieben Semester Recht und Betriebswirtschaft eine grosse Hilfe.

Entscheide machen glücklich

Einen Internet Shop sucht man auf der Homepage von Zig Zag vergebens. Walter Bartlome winkt ab: «Wenn ich etwas downloade oder streame, habe ich nur die Nutzungsrechte und keinen Besitz. Eine CD oder LP haben eine ganz andere Wertigkeit für die man bereit ist, etwas mehr zu bezahlen.» Natürlich spielt da auch die Haptik eine Rolle und das Hörerlebnis.

«Wirklich glücklich werden Menschen nur durch einen bewussten Kaufentscheid», führt Bartlome eine These der Psychologie ins Feld. Die hinter Download- und Streamingdiensten stehenden Algorithmen «füttern uns einfach ab». Ganz zu schweigen von den hinter den Programmierungen versteckten Interessen der Anbieter.

Bei ihm aber könne sich der Kunde bewusst für diese oder jene CD oder LP entscheiden. «Anders als bei einem Algorithmus stehen hier bei der Beratung Menschen dahinter», betont Bartlome. Er lotse seine Kundschaft mitunter auch gerne auf fremdes musikalisches Terrain. Denn: «Musik kann Dir neue Welten eröffnen.»

(sda)