Straftäter William W.

02. Dezember 2018 10:09; Akt: 02.12.2018 11:12 Print

Kinderschänder wohnte in Nähe eines Kinderheims

Der Fall des Kinderschänders William W. dreht sich weiter: Die Solothurner Parlamentskommission entscheiden nächste Woche über die Einsetzung einer PUK.

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Immer mehr Details kommen im Fall des sechsfachen Kinderschänders William W. (Name der Redaktion bekannt) ans Licht: Der Kolumbianer soll, wie die «SonntagsZeitung» schreibt, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in unmittelbarer Nähe eines Kinderheims gewohnt haben und zwar im Wohnheim Betlehem in Wangen bei Olten.

Die Institution, die nach eigenen Angaben Personen beherbergt, die vorübergehend oder eventuell längerfristig nicht in der Lage sind, einen eigenen Haushalt zu führen, liegt nur rund 750 Meter vom Chinderhuus Elisabeth entfernt – einem Durchgangsheim für Kinder in Krisensituationen. Und das, obwohl Gutachter William W. eine «mittelgradig bis hohe» Rückfallgefahr attestierten.

6 Kinder in den Kantonen Aargau und Solohurn missbraucht

Die Liste der Straftaten von Kinderschänder William W. ist lang: 1999 wurde er ein erstes Mal wegen Kindsmissbrauch verurteilt – zu 18 Monaten Gefängnis bedingt. Er hatte im Kanton Aargau sexuelle Handlungen an drei Mädchen und zwei Buben vorgenommen. 2006 suchte er sich ein neues Opfer: William W. missbrauchte in Starrkirch-Wil die damals achtjährige Selina S. schwer und kam daraufhin in eine geschlossene Vollzugsanstalt. Seit 2016 ist er wieder auf freiem Fuss.

Vor wenigen Wochen soll der Kinderschänder erneut zugeschlagen haben: Die Staatsanwaltschaft führt derzeit eine Strafuntersuchung wegen sexueller Handlungen mit einem achtjährigen Knaben. William W. sitzt in Untersuchungshaft.

«Prozess-Fehler und mangelnde Kommunikation»

Die SVP des Kantons Solothurn fordert nun eine Untersuchung des Falls durch die parlamentarische Aufsicht. «Es besteht der Verdacht, dass die Solothurner Justizbehörden in mehrfacher Hinsicht versagt haben», so die Partei.

Die Kommission soll klären, wie es möglich war, «dass ein sechsfacher Kinderschänder mit hoher Rückfallgefahr zunächst 52‘000 Franken Entschädigung erhalten, über 230 Therapiestunden verbraten, anschliessend frei herumlaufen und sich eines neuerlichen Opfers bedienen kann». Es bestehe der Verdacht, dass Prozess-Fehler und mangelnde Kommunikation auf diversen Ebenen der Solothurner Justizbehörden zu dieser Situation geführt hätten.

Weiter möchte die Partei wissen, weshalb die Staatsanwaltschaft keinen Verwahrungsantrag gestellt habe, warum nacheinander drei verschiedene Staatsanwälte involviert waren und warum das Amtsgericht die Verwahrung nicht von Amtes wegen prüfte. Auch das Vorgehen des Obergerichts müsse nach Ansicht der SVP näher durchleuchtet werden: «Eine nachträgliche Verwahrung muss auf allen Stufen immer möglich sein».

Bei der parlamentarischen Justizkommission, der die Aufsicht über die Justizorgane obliegt, ist die Diskussion um die Einsetzung einer PUK bereits für nächste Woche traktandiert, wie Kommissionspräsident Beat Wildi (FDP) gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt: «Wir werden das an unserer Sitzung am 6. Dezember behandeln und über das weitere Vorgehen befinden.»

(rab)