Pyros an Meisterfeier

20. Februar 2019 11:03; Akt: 20.02.2019 17:17 Print

YB-Fans droht der Internetpranger

Die Berner Staatsanwaltschaft sucht Pyrozünder von der YB-Meisterfeier. Neun Personen wurden bereits angezeigt; Fotos könnten veröffentlicht werden.

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Während der YB-Meisterfeier am 20. Mai wurde gejubelt, gejohlt und gezündet: Etliche Knall-, Rauch- und Leuchtkörper wurden von Fans mitten in den Menschenmassen gezündet. Teilweise mit unschönem Ausgang: So wurde mutmasslich im Stade de Suisse eine Frau von einem pyrotechnischen Gegenstand getroffen und am Auge schwer verletzt. Die Polizei suchte Zeugen.

Die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland gibt an, im Zuge umfangreicher Ermittlungen zahlreiche Foto- und Videoaufnahmen detailliert ausgewertet zu haben. Neun Tatverdächtige konnten demzufolge bereits identifiziert werden. Die sieben Männer im Alter zwischen 18 und 41 Jahren sowie zwei zum Tatzeitpunkt jugendliche Beschuldigte wurden wegen Widerhandlungen gegen das Sprengstoffgesetz und teilweise auch Verstössen gegen das kantonale Vermummungsverbot angezeigt.

Frist bis 27. Februar

Jedoch stehen laut der Staatsanwaltschaft weitere Personen unter dringendem Tatverdacht, an der Meisterfeier Pyrotechnika gezündet zu haben: «Wir konnten weitere Personen über Bildaufnahmen bezeichnen, jedoch noch nicht identifizieren», so Kapo-Sprecher Dominik Jäggi.

Nun droht die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, das Bildmaterial der Betroffenen zu veröffentlichen, um an deren Personalien zu gelangen: «Sollten innert Wochenfrist keine Hinweise zu deren Identität eingehen, werden zunächst verdeckte Fotos der mutmasslichen Täter publiziert», so Jäggi. Die Betroffenen hätten die Möglichkeit, sich innert Wochenfrist zu melden und die Veröffentlichung des Bildmaterials zu verhindern.

In einem späteren Schritt würden dann unverpixelte Aufnahmen veröffentlicht werden. Wie viele Personen konkret noch gesucht werden, will die Kapo nicht mitteilen.

Ankündigen, verpixeln und veröffentlichen

Die Fanarbeit Bern hat Verständnis für den Schritt der Staatsanwaltschaft. Weil es eine Schwerverletzte gab, sei die Bedingung einer schweren Straftat für die Öffentlichkeitsfahndung gegeben, sagt Fanarbeiter Lukas Meier. «Ausserdem hält sich die Staatsanwaltschaft an das Dreistufenmodel: Ankündigen, verpixelte Fotos veröffentlichen und dann erst in einem dritten Schritt unverpixelte Aufnahmen publizieren.» Er erwarte jedoch von den Behörden, dass lediglich Fotos im Zusammenhang mit der schweren Straftat veröffentlicht würden.

An jenem Pfingstsonntag feierten Zehntausende Fans den Meistertitel der Young Boys. Vom Bundesplatz gings durch die Stadt bis zum Stade de Suisse, wo dann der Sieg exzessiv ausgekostet wurde. «Man muss schon sagen: In den Menschenmassen wurden im grossen Stil Pyrotechnika gezündet», erinnert sich Meier. Dabei hätten auch viele ungeübte Fans mit Pyrotechnik hantiert. «Das ist dann eine besonders gefährliche Kombination.»

Nicht das erste Mal

Die Öffentlichkeitsfahndung mit Hilfe des Internetprangers ist nicht die erste, die die Berner Justiz durchführt: 2013 gelang es ihr auf diese Weise, mehrere Personen zu identifizieren, die an der «Tanz dich frei»-Krawallnacht randaliert haben sollen.

(cho)