Unternehmenssteuern

28. Dezember 2018 11:45; Akt: 28.12.2018 11:45 Print

Ypsomed-Chef droht Kanton Bern mit Wegzug

Nach dem Nein des Stimmvolks zur Steuersenkung für Unternehmen droht der Millionen-Konzern Ypsomed mit der Verlegung des Steuersitzes. Es sei denn, der Kanton reagiere.

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Der Kanton Bern muss einen neuen Anlauf für Steuersenkungen nehmen. Das fordert Simon Michel, Chef des Burgdorfer Medizintechnik-Unternehmens Ypsomed, im Interview mit der «Berner Zeitung» vom Freitag.

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Nach dem Nein des Berner Stimmvolks zur Senkung der Unternehmenssteuern dürfe der Kanton nicht untätig bleiben, mahnte Michel. Er empfehle die Bildung einer parteiübergreifenden Arbeitsgruppe nach Solothurner Vorbild.
Um die Vorlage mehrheitsfähig zu machen, sei ein Entgegenkommen in anderen Bereichen denkbar. «Man kann über höhere Ergänzungsleistungen reden, über Familienzulagen, Investitionen in die Bildung und Vorteile für das Gewerbe.» Illusorisch sei hingegen, in Bern in den kommenden Jahren die Einkommenssteuern zu senken.

Dem Berner Regierungsrat wirft Michel vor, er habe sich im Abstimmungskampf nur «mutlos und halbherzig» für die Steuerreform eingesetzt. «Der Regierungsrat versteht einfach nicht, wie wichtig Unternehmenssteuern sind. Das ist der entscheidende Standortfaktor zwischen Bern und Solothurn.»

Verlagerung nach Solothurn

Ypsomed werde – wie schon am Abstimmungssonntag angekündigt – 60 bis 80 Stellen von Burgdorf nach Solothurn verlegen. Burgdorf als Firmensitz sei aber einstweilen nicht in Frage gestellt. Und mittelfristig gehe in der Emmestadt auch die Zahl der Arbeitsplätze nicht zurück. «Wir werden die Plätze wieder füllen, die durch die Verlagerung frei werden», erklärte Michel. Ob der Hauptsitz langfristig in Burgdorf bleibt, liess Michel aber offen. Entscheidend sei, wie der Kanton Bern die Steuervorlage des Bundes umsetzen wolle.

«Solothurn wird bei der Patentbox so weit wie möglich gehen», sagte Michel. «Wenn Bern das auch macht, dann werden wir neben dem Sitz auch die Entwicklung in Burgdorf behalten, die über 200 Ingenieure und die Verwaltung. Wenn nicht, dann müssen wir den Sitz nach Solothurn verschieben.»

(cho/sda)