Leuk VS

03. Juli 2019 10:16; Akt: 03.07.2019 16:32 Print

«Die Zecken hingen wie Trauben an den Schafen»

25 Schafe verendeten im Wallis wegen extremen Zeckenbefalls. Laut einem Experten hätte dies verhindert werden können.

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Etwas Vergleichbares hat Reto Julier bisher noch nie gesehen. Das erzählt der erfahrene Landwirt dem «Walliser Boten». Seine 60-köpfige Schafherde aus Muttertieren und rund zwei Monate alten Lämmer weidete diesen Frühling oberhalb von Leuk.

«Nach etwa zehn Tagen bemerkten wir zahlreiche Tiere, die apathisch im Gras lagen», so Julier. Zuerst habe er an einen Blitzeinschlag gedacht. Doch bei genauerem Hinsehen habe er bemerkt, dass die Unterseiten der Tiere massiv von Zecken befallen waren. «Grob geschätzt waren es 300 Zecken pro Tier», sagt der Landwirt. Wie Trauben seien die mit Blut voll gesogenen Zecken an den Bäuchen der Lämmer gehangen. «18 Tiere waren bereits eingegangen oder mussten noch auf der Weide von ihren Qualen erlöst werden.»

«Überlebt haben nur die stärksten Jungtiere»

Die überlebenden Schafe seien so schnell wie möglich wieder in den Stall gebracht und behandelt worden. «Der Kreislauf einiger Lämmer war derart schwach, dass sie immer wieder zusammensackten und bewusstlos wurden», so Julier. Insgesamt verendeten 24 Lämmer und ein einjähriges Schaf. Überlebt hätten nur die stärksten Jungtiere.

Die Schleimhäute der toten Tiere seien «schneeweiss» gewesen – gemäss dem erfahrenen Schäfer ein klares Symptom von Blutarmut. Juliers Tierarzt habe den Befund bestätigt. Der Arzt habe selbst einen solch massiven Befall noch nie gesehen.

Mehrer hundert Zecken

Laut Bruno Gottstein, Leiter des Instituts für Parasitologie der Universität Bern, hätte es nicht so weit kommen müssen. Um solche Szenarien zu verhindern, empfiehlt der Experte Haus- und Nutztiere regelmässig zu untersuchen: «Auch weidende Schafe sollten gegebenenfalls täglich auf Zecken untersucht werden.» Würden diese rechtzeitig entfernt, könnte ein Massenbefall verhindert werden.

Die grösste Gefahr, die von Zecken ausgeht, sei die Übertragung von Infektionserregern – für Hunde könne dies gar tödlich enden. Aber auch ein Massenbefall, wie dies hier der Fall war, sei gefährlich: «Dabei wird dem Tier chronisch Blut entzogen was zu Blutarmut führen kann.» Dafür bräuchte es mehrere hundert Zecken.

Was passiert nun mit der Weide?

Laut Gottstein gibt es in der Schweiz nicht viele Zonen, an denen eine solche Dichte von Zecken zu finden sind. Auch Landwirt Julier meint, er habe noch nie ein solches Ausmass gesehen. Nun müsse geklärt werden, ob es sich beim immensen Zeckenbefall um ein einmaliges Ereignis gehandelt habe oder ob die ganze Weide aufgegeben werden müsse. «Ich kann es mir nicht leisten, eine eineinhalb Hektar grosse Weide nicht mehr zu nutzen», so der Landwirt. Er schaue nun, ob das Terrain möglicherweise behandelt werden könne, um das grosse Zeckenvorkommen zu reduzieren. «Der finanzielle Schaden – die Behandlungs- und Futterkosten nicht mit eingerechnet – beträgt durch den Verlust der Schafe rund 6’000 Franken», so der Landwirt.

(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • In Dog I Trust am 03.07.2019 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaut man denn nicht regelmässig..

    ...nach den Schafen? Anzeichen von Erschöpfung und Blutarmut hätte man bereits vorher erkennen können nicht erst dann, wenn die Tiere tot oder halbtot sind. Bei diesen Temperaturen muss doch täglich das Wasser kontrolliert werden und der Gesundheitszustand der Tiere überprüft werden. Man überlässt die Herde doch nicht sich selbst. Das ist schrecklich!

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  • Bekennender Grüner am 03.07.2019 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zecken oder Wolf...

    Da sieht man wieder einmal, dass es einfacher ist über den bösen Wolf herzuziehen, als seinen Schafen richtig zu schauen. Gemäss den eigenen Schilderungen des Bauern, bemerkte er erst nach 10 Tagen, als die Schafe schon apathisch waren durch den Befall der Zecken ...

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  • Zecken Zieher am 03.07.2019 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Extrem

    Unsere Katze hatte diesen Frühling täglich ca. 10 Zecken die wir entfernt haben (tzrotz Zeckenhalsband). So schlimm war es noch nie!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beämwe am 04.07.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für nix

    Ein Tier, welches absolut überflüssig ist. Leider gibt es das auch.

  • trauriger mensch am 03.07.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierquälerei

    Schrecklich, den Besitzer sollte man auch mal diesen Qualen aussetzen!!! Schaut wohl sehr selten nach seinen Tieren. :-(((

  • expertus am 03.07.2019 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Experten

    Ich wette, nicht die hälfte von denen die hier einen Kommentar schreiben, haben im Ihrem Leben je mals ein Schaf live gesehen. aber Experten gibt es ja bekanntlich an jeder Haustür

  • Mary J am 03.07.2019 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schafhalter bestrafen?

    Gibt es jetzt eine Abschussbewilligung für die Zecken?? Wie wäre es einfach mit einem Mittel für die Schafe? Man gibt den Katzen ja auch ein Drop-on gegen fiese Blutsauger!! Warum dauerte es so lange bis der Bauer es merkte? Sieht er nicht täglich nach seinen Schafen?? Und wenn der Wolf gibt es prompt ein Geschrei, dass aber 4000 Schafe pro Jahr sterben weil sie unbeaufsichtigt sind oder sich verirren, davon sprechen die Schafhalter natürlich nie!!!

  • Putzsportkungfu am 03.07.2019 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser schauen und das am tag mehrmals.

    Arme Tiere.