Finanzielle Altlasten

21. Mai 2012 16:22; Akt: 21.05.2012 17:31 Print

Zentrum Paul Klee schreibt grossen Verlust

Mit dem neusten Bilanzverlust von 1,5 Millionen Franken beträgt die gesamte Überschuldung des Zentrum Paul Klee in Bern schon fast zwei Millionen. Noch sollte der Betrieb aber weitergehen.

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Das Zentrum Paul Klee in Bern ist in finanzieller Schieflage. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Das Zentrum Paul Klee (ZPK) in Bern hat ein paar finanzielle Altlasten bereinigt und schreibt dadurch in der Bilanz einen Verlust von 1,5 Mio. Franken. Die Überschuldung beträgt nun schon fast zwei Millionen Franken. Der Betrieb ist dadurch aber nicht gefährdet.

Das ZPK teilte am Montag mit, die neue operative Leitung unter Direktor Peter Fischer habe eine neue Rechnungslegung eingeführt, die «zeitgemässen Standards» entspreche. Damit erfülle das Zentrum eine Forderung der Subventionsgeber und weise nun eine viel bessere finanzielle Transparenz auf.

Der Preis für diese Verbesserungen - unter anderem wurden Überzeitkonti aufgelöst - bestehe in einer Belastung der Bilanz in der Höhe von 1,3 Mio. Franken. Das ZPK machte diese Aussagen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2011.

Betrieb «in keiner Weise» bedroht

Auf Anfrage sagte der Präsident der Stiftung ZPK und auch des ZPK- Stiftungsrats, die Rechnungslegung des ZPK sei bisher nicht zeitgemäss gewesen, aber auch nicht unkorrekt. «Sonst hätte das die Revisionsstelle bemängeln müssen», so Ulrich Sinzig. Am ZPK sei aber «nicht periodengerecht abgerechnet worden.» Auch bestreite er nicht, «dass man da noch weitere Fragen hätte stellen können».

Sinzig betonte weiter, die Bilanzsituation des Zentrums sei für den Betrieb «in keiner Weise bedrohlich». Die Liquidität sei gewährleistet. Es gebe viele Unternehmen, die mit negativen Bilanzen lebten.

Mittelfristig muss Bilanz saniert werden

Mittel- und langfristig müsse das ZPK allerdings seine Bilanz sanieren. Das sei klar. Die finanzielle Situation werde nun im Rahmen des Projekts KMB ZPK «bis auf den letzten Rappen» analysiert. Bei diesem Projekt geht es um eine engere Zusammenarbeit oder gar Fusion des Kunstmuseums Bern und des ZPK.

Wie die Zukunft der beiden Berner Kunsthäuser aussehen soll, wollen die beiden Stiftungsräte Ende dieses Jahres bekanntgeben.

Ab der neuen Subventionsperiode, die 2016 beginnt, müsse es demzufolge eine Lösung geben, so Sinzig weiter. Bis zu diesem Zeitpunkt müsse das Zentrum mit den Mitteln zurechtkommen, die ihm die Regionale Kulturkonferenz und der Grosse Rat zugesprochen hätten.

Von der Stadt Bern und den Berner Regionsgemeinden erhält das ZPK für die Jahre 2012-2015 jährlich 5,65 Mio. Franken. Der Grosse Rat genehmigte im Januar dieses Jahres weitere Gelder, weil diese Mittel nicht ausreichen.

Rechnung mit 200 000 Franken im Minus

Im vergangenen Jahr besuchten über 156 000 Personen das wellenartige Gebäude im Nordosten Berns. Das sind 6000 Personen mehr, als die Leitung im Januar dieses Jahres als provisorische Besucherzahl bekanntgegeben hatte. 138 000 Personen nutzten das kulturelle Angebot, die übrigen waren Gäste von Events Dritter.

Im Budget war die ZPK-Leitung von höheren Erwartungen ausgegangen, so dass in der Jahresrechnung ein Minus von 199 000 Franken resultiert. «Trotzdem darf der Eigenfinanzierungsgrad von 41 Prozent im interkulturellen Vergleich weiterhin als sehr hoch bezeichnet werden», heisst es in der Mitteilung des ZPK zum Geschäftsbericht.

(sda)