17. Mai 2006 07:28; Akt: 18.05.2006 12:47 Print

Zug hatte bereits vor der Horrorfahrt Probleme

Beim schwersten Zugunglück in der Schweiz seit zwölf Jahren und einem der ungewöhnlichsten überhaupt sind bei Thun drei Bahnfachleute ums Leben gekommen. Der Bauzug hatte offensichtlich schon zu Beginn seiner Fahrt Probleme mit den Bremsen. Deshalb legte er in Frutigen einen nicht eingeplanten Halt ein.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Verzweifelt versucht die dreiköpfige Besatzung, ihren Zug anzuhalten. Doch die Bremsen versagen. Immer schneller donnert der Zug von Frutigen aus das Kandertal hinunter. Über Funk schlagen die Männer beim Stellwerk Alarm.

Jetzt steht der Fahrdienstleiter vor einem dramatischen Entscheid: Kann er seine Kollegen retten, wenn er sie weiterrasen lässt, oder bringt er damit weitere Menschen in Gefahr? In der Not beschliesst er, sie auf eine Eisenbahnbaustelle in Thun auffahren zu lassen. Dort kracht der Geisterzug mit enormer Wucht in zwei Materialwagen. Die glühenden Wracks schlittern noch 200 Meter weiter übers Gleis. Dann prallen sie auf einen stehenden Bauzug.

Feuerwehrkommandant Daniel Hürzeler stiess auf ein Bild des Grauens: «Zwei Tote fanden wir auf dem Bahntrassee, der dritte lag weiter vorn unter einem Wagen.» Bei der verunglückten Zugsbesatzung handelt es sich um einen 41- und einen 55-jährigen Oberwalliser sowie einen 46-jährigen Deutschen. Möglicherweise haben sie im letzten Moment noch versucht vom Zug zu springen.

«Der Fahrdienstleiter hat einen mutigen Entscheid getroffen. Die Untersuchung wird zeigen, ob er richtig gehandelt hat», sagt BLS-Direktor Mathias Tromp. Auf der Strecke gebe es keine Sicherheitsprobleme, obwohl es in Thun schon vor kurzem zu einem Unfall kam.

Patrick Marbach