Uni Bern

13. Oktober 2015 16:59; Akt: 13.10.2015 17:00 Print

Zwei Insektizide schädigen Bienenköniginnen

Die Uni Bern hat möglicherweise eine Erklärung für das Bienensterben: Insektizide schaden den Königinnen, was diese an der Fortpflanzung hindert.

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Zwei Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide schaden der Fortpflanzung von Bienenköniginnen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam unter Schweizer Leitung. Die Forscher fordern gründliche Prüfungen der Umweltverträglichkeit der Pestizide.

Königinnen haben gesundheitliche Probleme

Als Verantwortliche für das weltweite Sterben von Bienenvölkern stehen neben eingeschleppten Parasiten auch landwirtschaftliche Insektizide im Verdacht. Widersprüchliche Studien zu ihrer Wirkung auf Nützlinge liessen indes bisher keine eindeutigen Schlüsse zu, wie die Universität Bern am Dienstag mitteilte. Umfragen bei Imkern in mehreren Ländern ergaben aber, dass der Verlust ganzer Kolonien möglicherweise mit Gesundheitsproblemen von Bienenköniginnen zusammenhängen könnte.

Ein Team vom Institut für Bienengesundheit der Universität Bern, der Agrarforschungsanstalt Agroscope und der kanadischen Acadia-Universität hat nun erstmals die Auswirkungen von Insektiziden aus der Gruppe der Neonikotinoide auf die Fortpflanzung von Bienenköniginnen untersucht.

Weniger erfolgreich beim Eierlegen

Die untersuchten Königinnen hatten vergrösserte Eierstöcke, konnten weniger Spermien von männlichen Bienen speichern und waren insgesamt weniger erfolgreich beim Eierlegen, wie die Forscher im britischen Fachjournal «Scientific Reports» berichten. Die untersuchten Insektizidkonzentrationen lagen ihnen zufolge im «für das Feld realistischen» Bereich.

«Die Ergebnisse zeigen, dass diese Chemikalien Königinnen schädigen und dadurch für die Verluste von Bienenvölkern mitverantwortlich sein können», liess sich Erstautor Geoffrey Williams von der Universität Bern zitieren.

Beunruhigend, aber nicht überraschend

Die beiden für Königinnen schädlichen Neonikotinoide, Thiamethoxam und Clothianidin, gehören zu drei solchen Wirkstoffen, deren Anwendung in Europa bereits 2013 vorsorglich für zwei Jahre eingeschränkt wurde. In der Schweiz wurde ihr Einsatz in der Folge ebenfalls teilweise verboten. Der dritte Wirkstoff ist Imidacloprid.

Die Ergebnisse der Studie seien beunruhigend, aber nicht überraschend, erklärte Studienleiter Laurent Gauthier von Agroscope. Diese Chemikalien seien nicht so harmlos für Nützlinge wie ursprünglich angenommen. Die Forscher fordern gründlichere Umweltverträglichkeitsprüfungen von Neonikotinoiden, um Bienen und andere Nützlinge zu schützen.

Nur Königin kann Eier legen

In einem Bienenvolk gibt es nur eine Königin. Nur sie kann Eier legen und ist daher zentral für den Nachwuchs im Volk. Zudem sorgt sie durch die Produktion von Pheromonen für den sozialen Zusammenhalt des Volkes. «Ohne sie wäre das Volk innert kürzester Zeit nicht mehr überlebensfähig», sagte Mitautor Peter Neumann von der Universität Bern.

Jedes Jahr produzieren Millionen von Honigbienenvölkern in Europa und Nordamerika Honig und bestäuben Pflanzen. Die Palette der bienenbestäubten Pflanzen reicht vom Rüebli über die Mandel bis hin zum Raps. Die gesamte Bestäubungsleistung beträgt jährlich mehrere Milliarden Euro.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Biene Maja am 13.10.2015 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dem Bauernverband ists egal

    traurig, und der Kopf des Bauernverbandes verteidigt diese Insektizide...

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  • Markus Hübscher am 13.10.2015 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Überlebenskampf

    Eines Tages werden die Imker und nicht mehr die Landwirte staatlich unterstützt. Denn ohne Bienen gibt es keine Landwirtschaft.

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  • Hubert Weber am 13.10.2015 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Ist ja nichts Neues,oder glaubt noch jemand,die Tonnen von Agrochemikalien blieben ohne Nebenwirkungen? Aber eben Lobby x Hirnlose Bauern die sich zwar nur dank Milliarden Subventionen über Wasser halten,aber tüchtig an dem Ast - eine intakte Umwelt-auf dem sie sitzen dank kurzsichtiger Porfitgier herumsägen und alles geht nach Plan, Richtung Abgrund

Die neusten Leser-Kommentare

  • franz am 14.10.2015 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir müssen uns entlich wehren!

    Warum klagt eigentlich niemand diese Giftmischer an? Ohne Bienen, Nichts zu Essen! Ist der absolute Hammer, was wir uns alles bieten lassen, mann sollte diese Firmen und zusätzlich den Bundesrat verklagen, der dieses Gift noch zulässt! Also Leute, stehen wir zusammen und machen eine Sammelklage, nur wenn wur uns wehren, gegen das Bienensterben, wird was unternommenen!

  • §§§ am 14.10.2015 05:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich liebe Honig!

    Die Biene ist die einzige Freundin die mich stechen darf. Das wichtigste Insekt dieser Erde!

    • Katie am 14.10.2015 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      Dito

      Lieber nicht stechen, denn dadurch stirbt die Biene!

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  • wjp1 am 14.10.2015 01:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Insektizide schädigen Bienenköniginnen

    Komisch , dass bei jedem Lobbying , selbst wenn nachgewiesen ist das was falsch läuft es ewig und 20 Jahre braucht bis etwas geschieht ! Ausnützen bis es fast zu spät ist ! Wobei die Pharma Industrie es am negativsten treibt ! Die schädlichen Elemente müssen sofort bei Strafe entsorgt und verboten werden ! Keine Übergangslösung bis alles verbraucht ist !

  • Sabrina am 13.10.2015 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    teilweise verboten?

    Wenn etwas die Bienen nachweislich schädigt gehört das Mittel komplett verboten, nicht nur teilweise. Die Bienen sind wichtiger als die Pflanzen, welche mit den Neonikotinoiden geschützt werden.

    • Gourmet am 13.10.2015 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sabrina

      Genau, und wir ernähren uns von Luft und Liebe

    • Tryhard am 14.10.2015 03:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gourmet

      schonmal drüber nachgedacht was ohne bienen nicht mehr wächst? Laut Ihrer aussage haben sie dies nicht getan. verabschieden sie sich schon mal von früchten und beeren.

    einklappen einklappen
  • Leserin am 13.10.2015 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Schweizer Produkte

    Alles Andere ist Beilage. Darum steigen Krebserkrankungen.