Atomares Desaster

19. März 2011 13:17; Akt: 19.03.2011 16:04 Print

ENSI «zart optimistisch» für Fukushima

Die Schweizer Nuklearbehörde ENSI beurteilt die Kühlversuche im AKW Fukushima 1 verhalten positiv. Vizedirektor Schwarz präzisiert auch, was die Schweizer AKWs verbessern müssen.

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Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) beurteilt die Lage im ausser Kontrolle geratenen AKW in Japan als «zart optimistisch», wie ENSI-Vizedirektor Georg Schwarz am Samstagmittag im Schweizer Radio DRS sagte. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh.

Verhalten optimistisch zeigte sich Schwarz, weil der Einsatz von Wasserwerfern zur Kühlung offenbar gewisse Erfolge zeigt. «Die Lage ist aber weiterhin sehr ernst und kritisch», sagte Schwarz in der «Samstagrundschau». Er erinnerte daran, dass die Japaner «am Improvisieren» seien und noch viele Probleme auftreten könnten.

An der täglichen Medieninformation in Bern sprach der Leiter Strahlenschutz beim ENSI, Georges Piller, am Samstagnachmittag von einer Stabilisierung in Japan, obwohl die Lage noch immer besorgniserregend sei. Im Umfeld der Anlage sei es immerhin zu keinen neuen bedeutenden Strahlungsausstössen gekommen.

Keine Gefahr für die Schweiz

Im Umkreis von 20 bis 70 Kilometern um das AKW erreicht die Strahlung aber Werte, die laut Piller «bei einem längeren Aufenthalt im Freien gesundheitlich problematisch» sind. Menschen dürften sich nur einige Stunden draussen aufhalten. Das ENSI rechne aber nicht damit, dass sich die Strahlung auf die Schweiz auswirke.

Gebannt beobachten die Experten nun die Wetterlage in Japan: Laut Prognosen könnte der Wind bald drehen und die Strahlung Richtung Süden in besiedeltes Gebiet tragen. Zudem ist Regen möglich. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass der Boden und damit Lebensmittel kontaminiert werden.

Massnahmen für Abklingbecken

Im Radiointerview ging Schwarz auf die schärferen Forderungen ein, die das ENSI am Freitagabend an die Schweizer AKW stellte. Eine Lehre aus dem Vorfall in Japan sei, dass die Energie- und Kühlwasserversorgung der Abklingbecken für die Brennstäbe im Katastrophenfall Probleme bereiten könnten. Darauf müssten die Schweizer AKW-Betreiber nun reagieren.

Sie müssten beispielsweise zeigen, dass sie über zwei Wasserfassungen verfügten, von denen eine sicher sei vor Erdbeben, Hochwasser sowie gegen Verstopfungen, sagte Schwarz. Die AKW müssen zudem Material zur Behebung eines Störfalls ausserhalb des Areals lagern. Gemäss der Verfügung vom Freitag müssen die AKW-Betreiber bis 31. März Antworten zu den Fragen des ENSI liefern.

Restrisiko politischer Entscheid

Die Schweizer AKW seien ursprünglich nicht für Erdbeben der Stärke 6,5 bis 7 ausgelegt gewesen, sagte Schwarz. Bis 2007 sei das Erdbebenrisiko in der Schweiz unterschätzt worden: Es sei doppelt so hoch als angenommen. Die AKW hätten jedoch Reserven, so dass sie Erdbeben überstehen würden. Dennoch hätten sie Verbesserungspotenzial, das sie nun wahrnehmen müssten.

«Absolute Sicherheit gibt es nicht», hielt Schwarz zur Diskussion um das Restrisiko von AKW fest. Die Schweiz habe sich politisch entschlossen, das Restrisiko zu akzeptieren, um im Gegenzug Atomstrom nutzen zu können.

(sda)