Meinungsumfrage

20. März 2011 09:45; Akt: 20.03.2011 11:07 Print

Ist Fukushima das Ende für Schweizer AKW?

Die Atomenergie wird derzeit von der Schweizer Bevölkerung klar abgelehnt. 87 Prozent wollen laut einer Umfrage den Ausstieg.

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In einer Isopublic-Umfrage stellen sich 73,9 Prozent gegen den Bau neuer AKW. 77 Prozent wollen mittelfristig und 10 Prozent sofort aus der Atomenergie aussteigen. Dies geht aus der Umfrage hervor, die von der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» in Auftrag gegeben wurde. In einer nicht repräsentativen Web-Umfrage von 20 Minuten Online fanden einige Tage zuvor, 57 Prozent der Ausstieg aus der Atomenergie müsse jetzt endgültig und definitiv beschlossen werden.

Laut der aktuellen Isopbublic-Umfrage befürwortet nur jeder Fünfte (20,7 Prozent) den Bau neuer Atomkraftwerke. Die Meinung, dass es ohne Atomstrom nicht geht, vertreten 12,7 Prozent. Auf der anderen Seite will aber nur jeder Zehnte (9,9 Prozent) sofort aus der Atomenergie aussteigen.

Geteilt sind die Meinungen zur Frage, was mit den älteren Werken Mühleberg und Beznau geschehen soll. 36,4 Prozent sprechen sich dafür aus, diese Werke inspizieren zu lassen, aber in Betrieb zu lassen. 34,4 Prozent wollen die älteren Werke vorläufig vom Netz nehmen und überprüfen. 28 Prozent sind dafür, die beiden AKW sofort und definitiv vom Netz zu nehmen.

Axpo-Chef: Abstimmung ist vom Tisch

Für den Chef des Stromkonzerns Axpo, Heinz Karrer, sind neue AKW zurzeit undenkbar. Dafür fehlt aus seiner Sicht die Mehrheit im Volk. «Ich glaube, dass der Schock so gross ist, dass niemand in nächster Zeit daran denkt, die Planung für Ersatzkernkraftwerke wieder aufzunehmen», sagte Karrer in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Zuerst müssten die Lehren aus der Katastrophe in Japan gezogen werden. Die für 2013 vorgesehene Abstimmung über AKW werde es «garantiert» nicht geben. «Das ist vom Tisch.»

Zumindest diskutieren über einen Strategiewechsel im Umgang mit der Atomkraft will der Präsident der BKW, Urs Gasche. Da die Akzeptanz in der Gesellschaft gelitten habe, «müssen wir den Ausstieg aus der Atomenergie planen und vollziehen, sobald dieser möglich ist», sagte er der «SonntagsZeitung».

Bei einem Ausstieg brauche es Alternativen, fügte der frühere Berner BDP-Regierungsrat an. Wasserkraft könnte eine Möglichkeit sein - doch müsse dort die Linke und die Grünen den Widerstand wegen des Umweltschutzes aufgeben.

Klimaschutz zurückstellen

«An einem Spitzentag im Winter hängen wir heute zu 70 bis 80 Prozent von der Kernenergie ab», gibt Axpo-Chef Karrer zu bedenken. Nebst Wasserkraftwerken oder Stromimporten aus dem Ausland kämen zur Kompensation auch Gas-Kombikraftwerke in Frage. «Hier müsste aber das CO2-Gesetz geändert werden.» Das hiesse aber, dass der Klimaschutz eine tiefere Priorität erhalten würde als heute.

Karrer räumte zudem ein, dass nach den Ereignissen in Japan die Verunsicherung in der Bevölkerung gross sei. Er selbst werde in der kommenden Woche an den AKW-Standorten Leibstadt und Döttingen an Veranstaltungen teilnehmen. «Wir wollen die Bevölkerung darüber informieren, was wir wissen und Fragen beantworten.»

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • solaris am 20.03.2011 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Rückgewinnung

    es gibt sehr viele varianten, strom zu erzeugen. wenn man nachts licht braucht, könnte man es doch wieder teilweise zurrückgewinnen wenn man im boden solarzellen einbaut, oder ? :-)

  • Mike am 21.03.2011 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Angebot/Nachfrage

    Der Strom muss teurer werden..die Leute müssen sich bewusst sein, was es heisst Energie zu verheizen..es muss sich lohnen, das Licht zu löschen, die Fenster zu schliessen...auch der vielgelobte öffentlich Verkehr, welcher vor allem dan der Grünen gefördert wird und viel Strom benötigt, muss teuerer werden. Ich war immer für AKW's, jetzt nicht mehr...durch einen Atom GAU wäre die Schweiz unbewohnbar...wer dieses Risiko eingehen will, auch wenn es sehr gering ist, den verstehe ich nicht

  • Martin von Arx am 20.03.2011 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    die helvetische Vorreiterreiterrolle

    Die Schweiz hat sehr gute Voraussetzungen um aus der Atomwirtschaft auszusteigen. Wir besitzen das Knowhow und bestehende Wasserkraftwerke. Komplementär dazu sollte die Schweiz vermehrt auf Windenergie und Solarstrom setzen. "last but not least" sollte die Energie- Effizienz gesteigert werden. Einen Beitrag dazu kann jeder Schweizer Haushalt leisten !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Felix Bringer am 26.03.2011 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Aufhebung der Blockierung der KEV jetzt!

    Bayern produziert bereits heute mehr als doppelt soviel Strom mit Photovoltaikanlagen als das AKW Mühleberg. Leider blockiert die Atomlobby im Parlament die dafür notwendigen Einspeisevergütungen (KEV).

  • Fritz Neuer am 22.03.2011 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Das Perpetuum Mobile der Stromerzeuger

    Solange mit Strom kräftig Gewinn gemacht werden kann, wird die zur Verfügung gestellte Leistung auch immer kräftig erhöht werden; nicht etwa weil dies notwendig wäre. Ob mit KK, Wasser oder wie auch immer, ist dabei ein unwichtiges Argument. Gleichzeitig will man glauben machen, dass der Verbrauch ständig steigt. Ob durch Subventionen oder höhere Strompreise, immer bezahlt der kleine Mann, und die Risiken eines GAU's übernimmt er auch noch grad. Man haftet ja nicht dafür. Was in der Physik nicht klappt, funktioniert mit ein wenig Propaganda, wenigstens für die prallen Taschen der Strom-Lobby.

  • Harry Hasler am 21.03.2011 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Holz ist gespeicherte Solarenergie

    Nebst Wind, Wasser Solar vergessen wir nicht die Biomasse wie Holz, Landwirtschaftsabfälle oder gezielt angebaute Biomasse (logisch, nur auf Brachflächen und vor allem Vorort und nicht in der dritten Welt, somit nicht in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln). Wieviele AKW liessen sich ersetzen, wenn nur der jährlich zuwachsende Holzanteil in einigen dezentralen Kraftwerken verfeuert würde? Evtl. energetisch noch besser(?): Thermochemisch Vergasen/Verflüssigen (speicherbare Form) mit Stromgenerierung in dezentralen Brennstoffzellen.

  • Tigerlilly am 21.03.2011 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    kürzliche Zeitungsbeilage, Thema Energie

    ...alleine die Umwälzpumpe einer Heizung in der CH verbratet 500-800kWh pro Jahr während neue Pumpen nur noch 20% soviel verbrauchen. Alle Umwälzpumpen in der CH ersetzen würde 1/3 eines AKW's überflüssig machen. Finden wir noch ein paar solcher "Nebensächlichkeiten" und wir könnten wenigstens auf die ältesten und unsichersten AKW's per sofort verzichten, ohne dass wir auf Komfort verzichten müssten.

  • Phipolipo am 21.03.2011 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschen machens vor, ohne AKW gehts!

    Unser nördliche Nachbar macht es uns ja vor wie es ohne AKW geht. Mit vielen Kohlekraftwerken, Dieselzügen und einer auf Limusinen getrimmter Autoindustrie. Wie viel Land ist unter Wasser wegen dem dadurch verusachten CO2 Ausstoss? P.S wie hoch ist das Restrisiko, dass ein Windrad im Sturm auf eine Autobahn fällt und Leute umbringt? Wie werden Solarpannels entsorgt, wie der restliche Elektro-Müll in Afrika?

    • Felix Bringer am 26.03.2011 17:29 Report Diesen Beitrag melden

      Erneuerbare Energien gehen noch besser

      Tatsächlich bauen die Schweizer Stromfirmen Kohlekraftwerke an den windigen Küsten. Bayern produziert doppelt so viel Strom mit Solarenergie als das AKW Mühleberg.

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