«Fukushima ist überall»

26. März 2011 17:41; Akt: 26.03.2011 17:53 Print

Hunderttausende gegen AKWs auf der Strasse

In ganz Europa regt sich Widerstand gegen die Atomkraft. In Rom, Genf und Berlin gingen die Menschen scharenweise auf die Strasse.

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Gegen 250 000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen die Atomkraft. (Bild: Keystone)

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Angesichts der Atomkatastrophe von Japan haben am Samstag hunderttausende Menschen in Europa gegen die Atomkraft demonstriert. Beim bisher grössten Atom-Protest in Deutschland forderten insgesamt 250 000 Demonstranten den sofortigen Ausstieg.

Unter dem Motto «Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten» gingen in den vier grössten Städten Berlin, Hamburg, München und Köln mehr Menschen auf die Strasse, als die Veranstalter zuvor erwartet hatten. Um 14.15 Uhr gedachten die Teilnehmer mit einer Schweigeminute der Opfer von Erdbeben und Tsunami in Japan.

«Fukushima ist überall»

In Berlin zogen die Demonstranten mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Innenstadt. Die Polizei nannte weit mehr als 50 000 Teilnehmer, die Veranstalter 120 000. Die AKW-Gegner schwenkten Transparente mit Aufschriften wie «Atomkraft zerstört Leben» oder «Fukushima ist überall».

Fukushima habe gezeigt, dass die Atomkraft unbeherrschbar und gefährlich sei, erklärten die Veranstalter. Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, rief der Menge zu, die Lichter würden nicht ausgehen, wenn es in Deutschland keine AKW mehr gebe. «Von 17 Meilern sind gerade mal vier voll am Netz», sagte Sommer. «Und trotzdem ist genug Strom da.»

Mehrere Redner warfen Kanzlerin Angela Merkel eine «unverantwortliche Verzögerungs- und Verschleierungspolitik» vor. Mit ihrem Moratorium für die AKW-Laufzeitverlängerungen sowie mit den von ihr eingesetzten Kommissionen weiche sie der Notwendigkeit eines sofortigen Atomausstieg aus.

Demo in Genf

In Hamburg zählte die Polizei mehr als 40 000 Menschen, die Veranstalter sprachen von 50 000, darunter viele Familien. In Köln beteiligten sich nach Schätzung der Veranstalter rund 40 000 Menschen, in München versammelten sich trotz Regens 40 000 friedlich im Zentrum.

In der Schweiz moblisierten AKW-Gegner rund tausend Personen, die in den Genf für den Ausstieg aus der Atomkraft demonstrierten. Die 40 Jahre alten AKW von Mühleberg und Beznau, aber auch Gösgen und Leibstadt müssten ihren Betrieb einstellen, forderte der grüne Genfer Ständerat Robert Cramer an der Kundgebung.

Kritik an Rückkehr zu Atomkraft in Italien

Auch in Rom gingen einige tausende Menschen auf die Strasse, um die Regierung von Silvio Berlusconi zum Verzicht auf ihre Atompläne aufzurufen. Die Kundgebung wurde von einem Bündnis aus Oppositionsparteien und Umweltschutzorganisationen organisiert.

Die Anti-Atom-Aktivisten appellierten an die Italiener, sich am 12. und am 13. Juni am Referendum zu beteiligen, mit dem ein umstrittenes Gesetz zum Neubau von Atomkraftwerken im Land verhindert werden kann.

Gegen das Gesetz, mit dem die Regierung Berlusconi nach 23 Jahren wieder die Rückkehr zur Atomenergie besiegeln will, hatten Oppositionsparteien in den vergangenen Monaten über eine halbe Million Unterschriften gesammelt.

Die Italiener hatten sich bereits 1987 - ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - in einem Referendum für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Nach dem Atomunfall in Fukushima hat die Regierung Berlusconi am Mittwoch beschlossen, ihre Pläne zur Rückkehr zur Atomkraft ein Jahr lang einzufrieren.

(sda)