Rückbau und Entsorgung

09. März 2012 12:26; Akt: 30.10.2013 10:21 Print

Das kostet die Abschaltung Mühlebergs

von Lukas Mäder - Die Stilllegung des Berner Kernkraftwerks kostet mindestens 800 Millionen Franken und kann bis zu 20 Jahre dauern. Der BKW drohen unkalkulierbare Kosten.

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Dem Kernkraftwerk Mühleberg droht nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts die vorzeitige Abschaltung Ende Juni 2013. Doch das Ende der Stromproduktion ist erst der Anfang. Die Phase von Stilllegung und Rückbau dauert Jahre und kostet Millionen. Bis vom AKW Mühleberg nur noch grüne Wiese übrig ist, dürfte es 15 bis 20 Jahre dauern. Die Kosten für Stilllegung und Rückbau von Mühleberg belaufen sich laut aktuellen Schätzungen auf 806 Millionen Franken - ohne Entsorgung der Atomabfälle.

Im Idealfall können die Kraftwerkbetreiber zwei bis drei Jahre vor der Abschaltung die Brennstäbe bereits so dosieren, dass der Kern schliesslich vollständig abgebrannt ist. Dann beginnt die sogenannte Nachbetriebsphase, bei der die Brennstäbe aus dem Reaktor in Abklingbecken umgeladen werden. Diese Wasserbecken müssen weiterhin aktiv gekühlt werden, jedoch deutlich weniger stark als ein laufender Reaktor.

Abtransport des radioaktiven Materials

Die Brennstäbe müssen rund drei Jahre in den Becken gekühlt werden, bevor sie in die sogenannten Castor-Behälter geladen werden können. Diese führen die verbleibende Restwärme über Rippen ab und brauchen keine aktive Kühlung mehr. Am Ende der Nachbetriebsphase, die gemäss Planung des Bundes fünf Jahre dauern wird, befinden sich auf dem Kernkraftwerkgelände keine Brennelemente oder radioaktiven Betriebsabfälle mehr. Diese Arbeiten, bei denen mehrere Systeme weiterhin in Betrieb sind, verursachen beim AKW Mühleberg Kosten von voraussichtlich 319 Millionen Franken. Die Betreiberfirma BKW tätigt dafür Rückstellungen.

Für den Rückbau eines Kernkraftwerks muss der Bund ein entsprechendes Konzept bewilligen. Denn der aktivierte Beton und Stahl der Anlage strahlt weiterhin stark. Die Demontage dieser Teile, deren Dekontamination sowie die Verpackung der radioaktiven Abfälle sind aufwendig und kosten entsprechend. Zudem muss während der ganzen Zeit der Strahlenschutz der Arbeiter gewährleistet sein. Diese Phase dauert rund 15 Jahre. Die Kosten des eigentlichen Rückbaus belaufen sich beim AKW Mühleberg auf rund 487 Millionen Franken (Schätzung 2011). Der Schritt vom laufenden Kernkraftwerk bis zur grünen Wiese ist damit in Mühleberg 806 Millionen Franken teuer.

Millionenbeträge in den nächsten Jahren

Für diese Aufwendungen müssen die Kraftwerkbetreiber seit 1984 in einen Fonds einzahlen. Weil die Behörden von einer 50-jährigen Laufzeit ausgehen - bei Mühleberg bis 2022 -, hätte die BKW bei einer vorzeitigen Abschaltung Mühlebergs noch nicht alle Beiträge einbezahlt. Noch mindestens 131 Millionen Franken dürften in den nächsten zehn Jahren anfallen. Das Geld dafür liegt bereits heute bereit. Die BKW hat für die Stilllegung 529,6 Millionen zurückgestellt (Ende 2010). Bei einer vorzeitigen Abschaltung könnten allerdings noch höhere Nachzahlungen nötig werden. Denn Ende 2010 lagen für Mühleberg erst 242,7 Millionen Franken im Stilllegungsfonds. Das sind 11 Prozent weniger als geplant. Doch den Steuerzahlern droht deswegen kein Aufwand. Laut Kerngesetz müssen die Kerkraftwerkbetreiber für alle Kosten aufkommen.

Neben der Stilllegung verursacht die Entsorgung des radioaktiven Materials zusätzlich hohe Kosten. Für alle fünf Schweizer AKW werden die Kosten für die Endlagerung in der Schweiz auf 16 Milliarden Franken geschätzt. Die BKW müssen für Mühleberg noch 1,2 Milliarden beitragen. Davon liegen 360,4 Millionen Franken bereits im Entsorgungsfonds. Die BKW haben zusätzliche Rückstellungen dafür gemacht in der Höhe von 540,5 Millionen Franken. Diese finanziellen Mittel sollten zumindest nach aktuellen Schätzungen für das Endlager reichen, da die Kosten teilweise erst in Jahrzehnten anfallen. Bis dahin kommen zusätzliche Zinserträge hinzu.

Kosten steigen laut Schätzungen

Doch die grosse Frage bleibt, ob die Schätzungen überhaupt genügend genau sein können, da teilweise neue Technologien zum Einsatz kommen. Atomkritische Kreise fordern deshalb, dass die AKW-Betreiber eine zusätzliche Reserve von 50 bis 100 Prozent der aktuellen Schätzungen beiseite legen müssen. Dass die Kosten für die Endlagerung tatsächlich noch massiv steigen könnten, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre. Bei der Schätzung 2006 war noch von 14,6 Milliarden Franken die Rede. Die aktuelle Berechnung von 2011 liegt bereits 10 Prozent höher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • toschi am 09.03.2012 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    AKW ade!!!!!!!

    Ich denke, dass man das von Anfang an gewusst hat und im Strompreis eingerechnet hat! Alles andere ist unprofessionell! Nur möchten die AKW-Betreiber diese Ausgaben natürlich verhindern und lieber weiter machen und drücken nun möglichst auf die Tränendrüse mit enormen Kostenvoranschlägen damit die Öffentlichkeit umdenken soll! Nur wird der Zeitpunkt der Stilllegung so oder so mal kommen, und dann sind die Kosten natürlich noch viel höher!

  • David Spörri am 09.03.2012 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Gehört zum Lebenslauf des Kraftwerks

    Muss also alles im Budget so geplant worden sein. Industrien, die das Ende ihrer Produktlinien (incl. Aufbau neuer Angebote wärend der Lebensdauer des ersten Produkts) nicht fix geplant haben, und damit budgetiert haben, sollten keine Baubewilligung erhalten haben.

  • Christoph Eisenhut am 09.03.2012 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    A ktion K osten W ahrheit

    Bald bekommen alle eine Nachzahlgebühr, weil beim AKW-Strom der so billig war die Entsorgung nicht berechnet wurde / konnte etc. ??? 100'000 Jahre Lagerung IST nicht berechenbar. Kölliken war sehr sicher, wenigsten 10 Jahre ;-)))

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ludwig Büchel am 12.03.2012 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten

    Was morgen alles an Kosten auf Uns zukommt weiss heute noch keiner von uns. Bedenkt man das es immer mehr Geräte die gibt die Strom brauchen und sparen nicht populär ist in unserer Bevölkerung, kommt der "Supergau" in der Stromversorgung noch. Strom importiern liebe Grüne...? Wo soll der ganze Atommüll entsorgt werden? Im Ausland? So grün sind nicht einmal die Grünen....

    • Marco Manser am 12.03.2012 14:56 Report Diesen Beitrag melden

      Kosten gibt es keine

      Da der Strom bei den meisten sowieso einfach aus der Steckdose kommt, gibts da keine Probleme, zudem liefern ja die Franzosen bestimmt Strom. Wir können wenn die grünen auch mitmachen, mal den einen oder andern Staudamm einen Meter erhöhen und ein paar Windräder aufstellen und dann läuft das...

    • Papierlischweizer am 12.03.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      Billiger Kommentar.

      Sehr geehrter Herr Büchel. Die grüne Partei hat ihren Ursprung in der Umweltbewegung der frühen 70er Jahre. Unter Anderem forderten die Grünen immer wieder den Verzicht auf Atomenergie und die Förderung alternativer Energiequellen. Den Grünen nun also vorschnellen Aktivismus zu unterstellen, ist etwas gar hanebüchern. Zumal die Grünen auch immer auf die Entsorgungsproblematik atomaren Mülls hingewiesen haben. Dass der Atommüll sowie die ausgedienten Reaktoren in der Schweiz endgelagert werden müssen, weiss man seit dem Bau des ersten AKWs.

    einklappen einklappen
  • Kanadier am 12.03.2012 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Kanada

    Hat schon jemand gesehen wie die Erde aussieht nachdem die grossen Firmen das Uran abgebaut hat? In Canada hats Flächen so gross wie ein Kanton, abgeholzt, umgebaggert und strahlend!!! Klar ist Atomstrom deshalb günstig! Danke Ökos dass ihr seit Jahrzenten gegen diese miese Bande demonstriert!

  • Franz Graber am 12.03.2012 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Die Ökos warens :-D

    Die Ökos sind an allem Schuld. Die haben vor 30 Jahren der Photovoltaikforschung das Geld weg genommen, weil sie angst hatten, dass es dann einmal keine AKWs geben würde, gegen die demonstriert werden könnte. Leute Informiert euch!!! Seit 1945 sind in Europa 3 (DREI) Stellige Milliardenbeträge in Nuklearenergie investiert worden (JAAA die Schweiz hat da auch mit geholfen). Jetzt stellt euch mal vor das wäre in die Photovoltaikforschung rein gehauen worden, der Strom wäre heute fast GRATIS!!! Aber welche Firma will schon Strom verschenken???

  • Ein weiterer Logiker am 11.03.2012 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn im heutigen SonnTalk

    Frau Christine Egerszegi verkündet, auf ihrer neuesten Stromabrechnung seien 72% Strom aus AKWs aufgeführt, dann liegt die Vermutung nahe, dass neben Österreich auch noch Deutschland Strom aus der Wasserkraft von der Schweiz bevorzugt.

  • peter.vogler@hispeed.ch am 11.03.2012 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Äpfel mit Birnen verglichen.

    Die 1600 MW Photovoltaik-Module erreichen diese Leistung vielleicht am 21.Juni bei Sonnenhöchststand aber nur bei schönem Wetter.Bei Bewölkung sackt die Leistung einfach ab.Im Winterhalbjahr bei Nebel,kurzer Sonneneinstrahldauer und flachem Einstrahlwinkel sieht es noch schlechter aus.In der Nacht ist die Leistung einer Photovoltaikanlage Null Watt.Irgendwelche Peak-Maximalpegel sagen nichts aus.Aussagekräftig wäre,was so eine Anlage an einem definierten Standort real pro Jahr produziert in GWh.Mühleberg liefert das ganze Jahr immer gleichviel Strom,bis auf die wenigen Wochen für Revisionen.