Fall Zuppiger

11. Dezember 2011 20:05; Akt: 12.12.2011 07:37 Print

SVP-Ständerat fordert Rücktritt der Parteispitze

Die «Drei grossen B» der SVP geraten unter Druck. Mit dem Glarner Ständerat This Jenny wendet sich ein erster Politiker der eigenen Partei gegen das Triumvirat Blocher-Brunner-Baader.

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Nicht wenige Schweizer Politikerinnen und Politiker strauchelten über persönliche Geschichten, die sich zu Skandalen ausweiteten und sie zu Fall brachten. Jüngstes Beispiel ist , dem in einer Erbschaftsangelegenheit versuchte Veruntreuung vorgeworfen wird. Seine Bundesratskandidatur zog er nach diesen schweren Vorwürfen zurück. Der Glarner Sozialdemokrat war 1995 vielversprechender Anwärter auf die Nachfolge von Otto Stich. Doch auch er sah sich wie Zuppiger mit dem Vorwurf der Veruntreuung konfrontiert. Marti habe Honorare von Rechtsfällen eingesackt, die er mit seinem Ex-Partner-Anwalt hätte teilen sollen. Bundesrat wurde dann Moritz Leuenberger. Der SVP-Ständerat verscherzte sich seine Bundesrats-Chancen im wahrsten Sinne des Wortes: In einer Männerrunde machte er sich in den 90er-Jahren über die Figur von Bundesrätin Dreifuss lustig. Das kostete ihm viele Frauenstimmen und er wurde von der Partei im Jahr 2000 nicht auf die Kandidatenliste gesetzt. Der spätere FDP-Präsident lebte 1989 in sogenannt wilder Ehe mit seiner ehemaligen Anwaltspraktikantin. Geschieden war er noch nicht. Deshalb habe er Stimmen verloren, meinte Steinegger. Kaspar Villiger wurde dann Bundesrat. Sie war vielen Parlamentariern wegen ihres Privatlebens suspekt. Ihr angeblich ungesitteter Lebenswandel war 1993 vielen ein Dorn im Auge. Sogar mit der Veröffentlichung von Nacktbildern wurde gedroht. Deshalb machte am Schluss Genossin Ruth Dreifuss (r.) das Rennen. Ihr wurde 2010 eine Schein-Trennung aus karrieretechnischen Gründen von ihrem Mann vorgeworfen: Er ist Banker. Gewählt wurde Simonetta Sommaruga. Der Genfer Sozialdemokrat schaffte 1987 die parteiinterne Nomination gegen René Felber nicht. In seiner Jugend wurde er einmal verurteilt.

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This Jenny fordert den Rücktritt von SVP-Präsident Toni Brunner, Vize-Präsident Christoph Blocher und Fraktionschef Caspar Baader. In der «Tagesschau» sagte der Glarner Ständerat, für ihn sei der Zeitpunkt für einen Rücktritt der Parteispitze reif. Es gehe um die Zukunft des Landes und die Zukunft der Partei.

Nach den Bundesratswahlen müsse man über die Bücher. «Ich fordere Köpfe, die auf Augenhöhe mit Christoph Blocher diskutieren können und die auch die Kraft und Substanz haben, diese Diskussionen durchzustehen», sagte Jenny. Er hoffe, er sei nicht der Einzige, der eine Änderung in der SVP-Führung fordere.

Jennys Aufruf erfolgt nach turbulenten Tagen für die Schweizerische Volkspartei. Am Donnerstag hatte sich ihr Bundesratskandidat Bruno Zuppiger aus dem Wahlkampf zurückgezogen, nachdem eine Erbschaftsaffäre publik wurde. «Eine Bundesratskandidatenkür hätte jeder Vorstand eines Turnvereins intensiver und vertiefter durchgeführt», meinte Jenny dazu. Die Parteiführung habe gesündigt, ihr Entscheid sei gründlich in die Hosen gegangen.

(rme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland Kaiser am 12.12.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarze Schafe

    Langsam kann man erkennen wer die wirklichen schwarzen Schafe in der Politik sind. Und was macht man mit schwarzen Schafen? Genau, man stellt sie vor die Tür!!! Die Schweiz kann auch ohne SVP-Diktatur leben. Selbst wenn alle SVP-ler Strassen wischen gehen, werden sie immer Herrn Blocher am Hals haben der ihnen sagt wie man den Besen in der Hand hält.

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  • Peter Muller am 13.12.2011 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer finanziert dann ?

    Ist ja toll. Blocher weg, dann auch Geld weg und dann ? Wer hält dann diese Partei finanziell am Leben ? Bisschen weiterdenken, ok.

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  • Flubi am 11.12.2011 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Blocher

    Blocher weiss angeblich alles! Nur eines weiss er nicht, wann man aufhören muss. Er war gut und hatte gute Ideen. Seine Zeit ist aber endgültig vorbei. Jetzt ist es nur noch lächerlich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland Walter am 14.12.2011 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Spitze sofort auswechseln

    Ich finde auch das es Zeit ist diese "ominösen "3 B" und Hr. Mörgeli auszuwechseln, die Unglaubwürgkei hat nun ihren Höhepunkt erreicht

    • Sebalini am 14.12.2011 22:25 Report Diesen Beitrag melden

      "Super, besser wäre noch schneller"

      Super, gut gemacht, Sie haben meine Worte geschrieben. Herzliche Dank an Texter Roland Walter.

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  • Peter Muller am 13.12.2011 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer finanziert dann ?

    Ist ja toll. Blocher weg, dann auch Geld weg und dann ? Wer hält dann diese Partei finanziell am Leben ? Bisschen weiterdenken, ok.

    • Pit Rorschach am 14.12.2011 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      Andere Quellen

      Peter, wenn es alleine nur auf das Geld von Blocher ankommt, ob die SVP lebensfähig ist oder nicht, dann sieht es sehr schlimm aus. Ich denke, dass dies nicht der Fall ist.

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  • Peter am 12.12.2011 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thumbs up

    Respekt vor der Zivilcourage des Herrn Jenny! Mehr von solchen Charakteren bitte, dann könnte mir eine glaubwürdige SVP noch gefallen. Aber mit Blocher, Brunner, Baader, Mörgeli, Fehr und Co? No way!

  • Priska St. am 12.12.2011 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nestbeschmutzer

    This Jenny soll es besser machen, aber er liebäugelt ja lieber mit den Linken. Denke, wer seiner Partei so in den Rücken fällt - der ist am falschen Platz und sollte gehen. Möchte ja sehen, wie andere Parteien eine solche Krise bewältigt hätten. Gross schreien ist immer einfach. Aber Probleme sind zum lösen da und nicht zum unter den Tisch wischen, wie das die Linken tun.

    • Doris B. am 14.12.2011 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      Vor der eigenen Türe kehren

      Nun, das letzte Problem -mit Herrn Zuppiger- wurde von der SVP unter den Tisch gewischt. Nur dank engagierten Journalisten konnte ein Debakel verhindert werden...

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  • Spirou am 12.12.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    bergab mit der SVP

    Blocher und co. sollen nicht zurücktreten. Es geht nähmlich bergab mit der Partei solange die "führen", was mich überhaupt nicht stört. Die Linke und die Mitte profitiert davon.