SVP-Kronfavorit

07. Dezember 2011 17:18; Akt: 08.12.2011 08:17 Print

Kandidat Zuppiger gibt Fehler zu

SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger soll sich über mehrere Jahre aus der Erbschaft einer ehemaligen Angestellten bedient haben. Die SVP wusste davon. Zuppiger rechtfertigt sich.

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In Bedrängnis: Werden die Veruntreuungs-Vorwürfe dem SVP-Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger das Genick brechen? (Bild: Keystone)

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Er gilt als Kronfavorit der SVP für den Bundesratssitz. Doch nun könnte Bruno Zuppiger eine ältere Geschichte aus seinem Privatleben eine Woche vor den Wahlen das Genick brechen. So berichtet ausgerechnet das SVP-freundliche Magazin «Weltwoche», dass Zuppiger sich jahrelang aus einer Erbschaft bedient haben soll.

Den Anfang hätte die «versuchte Veruntreuung» mit dem Tod einer ehemaligen Angestellten Zuppigers vor gut elf Jahren genommen. Sie soll eine Erbschaft von rund 265 000 Franken hinterlassen haben, aber keine erbberechtigten Verwandten; begünstigt habe sie dafür zwei gemeinnützigen Organisationen. Als Willensvollstrecker setzte sie laut der «Weltwoche» Bruno Zuppiger, respektive dessen Firma Zuppiger und Partner AG ein.

Drohung mit Klagen wirkte

Doch statt das Geld korrekt auszuzahlen, soll Zuppiger über 150 000Franken für nicht gerechtfertigte Spesen abgezogen haben. Als Grund habe er die aufwändige Suche nach einem möglichen Verwandten angegeben. Dann habe er 100 800 Franken auf sein eigenes Privatkonto in Hinwil überweisen lassen.

Als das vor einem Jahr aufflog, hätten die beiden Organisationen schriftlich mit Strafklagen wegen «Veruntreuung» und «ungetreuer Geschäftsbesorgung» gedroht. Erst unter diesem Druck, der ihn politisch und geschäftlich hätte ruinieren können, habe Zuppiger – zehn Jahre nach Antritt des Mandats – die Erben ausbezahlt, samt Zinsen. Dies komme einem Schuldeingeständnis gleich, so die «Weltwoche».

Fehler passieren

Auf die Frage, ob es stimme, dass er über die Hälfte der Erbschaft für sich und seine Mitarbeiter abgezweigt habe, sagte Zuppiger am Mittwochabend gegenüber der SF-Tagesschau, er könne sagen, dass in seinem Unternehmen ein Fehler passiert sei.

«Als ich die Tragweite des Fehlers erkannte, bin ich hingestanden als Unternehmer und habe die Sache mit der Gegenpartei geregelt.» Er habe keinen einzigen Franken in den eigenen Sack gesteckt und alles mit Zinseszinsen zurückbezahlt. Er habe den Fall im Übrigen nicht selber betreut. Zuppiger sieht sich - eine Woche vor den Bundesratswahlen - als Opfer einer Kampagne.

«Nomination nicht in Frage gestellt»

Bruno Zuppiger war für 20 Minuten Online nicht erreichbar. Auf die Vorwürfe angesprochen, antwortete er der «Weltwoche»: «Der Fall ist abgeschlossen. Alles ist geregelt ohne jeden Schaden für Dritte. Eine Stillschweigevereinbarung zwischen den Parteien verbietet mir, näher auf die Sache einzutreten.»

Pikant: Die SVP wusste von der Geschichte, wie sie am Mittwoch in einer Medienmitteilung schreibt. «Die SVP-Spitze wurde vor der Nomination über die Angelegenheit informiert.» Sie habe in der Folge Abklärungen vorgenommen und den Sachverhalt geprüft. Die Sache ist seit längerem abgeschlossen. Alles sei ohne Schaden für Dritte geregelt worden. «Für die SVP-Parteileitung ist wichtig, dass Bruno Zuppiger die Sache in Ordnung gebracht hat», schreibt die SVP weiter. Deshalb bestehe auch kein Grund, eine Nomination in Frage zu stellen.

(jep/hag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Besser Wisser am 08.12.2011 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Unschuldvermutung?

    Grundsätzlich gilt in so einem Fall die Unschuldvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist. Eine abgeschlossene Stillschweigevereinbarung lässt jedoch stark vermuten, dass es etwas zu verschweigen gibt. Meines Erachtens gibt es zwei Möglichkeiten: Aufhebung der Stillschweigevereinbarung durch die betroffenen und Aufklärung der Umstände oder Rückzug der Kandiatur. Unter den heute bekannten Umständen ist Herr Zuppiger m.E. nicht valabler Kanditat als Regierungsmitglied der Schweiz.

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  • MKeller am 08.12.2011 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Ich als SVPler! Da sind zuviele Fragezeichen! Nicht wählbar!

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  • svp parteimitglied am 08.12.2011 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    svp

    wieder einmal alle gegen die svp was ist bloss los mit den schweizern! jeder hat eine leiche im keller! hoffentlich reklamiert von all den linken und mitte parteien in den nächsten 10 jahren niemand!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Meier Hans Peter am 08.12.2011 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubliche Sachlage

    Zuppiger hat Fehler zugegeben, dass ihm da jemand Franken 100'000.-- auf sein Konto einbezahlt hat. Er hat sofort, nachdem gemäss Weltwoche, Klage angedroht wurde, alles geregelt und ein Stillhalteabkommen mit den Erbberechtigten vereinbart. Fakten sind hier klar aufgezeigt. Wollte die Parteispitze diesen Alibi-Kanditaten aus dem Rennen nehmen, und dies den Linken unterschieben. Scheinbar ist jetzt die Weltwoche eine Linke Tageszeitung. Nur die freisinnige Partei findet alles sei bestens gelaufen und in Ordnung. Swissair lässt grüssen.

  • Hanna Breitigen am 08.12.2011 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Die Frage stellt sich schon, wieso jetzt eine Woche vor den Bundesratswahlen gerade die Weltwoche einen solchen Artikel herausbringt.

  • Paul Buchegger am 08.12.2011 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Groteske à la Dürrenmatt

    Das wäre ein Stoff für eine Grotteske von Friedrich Dürrenmatt, wenn er noch leben würde. In seinen Dramen nimmt immer alles seine schlimmst mögliche Wende...

  • Mel P. am 08.12.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    moralisch absolut verwerflich

    Und so eine Person soll in die Regierung? Geld unterschlagen und dann die Verantwortung abschieben? Man sollte zu seinen Fehlern stehen und die Konsequenzen ziehen. Absolut nicht tragbar. Sollte auch als Parlamentarier sofort zurücktreten!

  • Kritiker68 am 08.12.2011 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Führungsschwach

    ...und wenn er es nicht selber war, sondern ein Miarbeiter, so zeugt Das von Führungsschwäche. Spricht auch nicht für einen BR,

    • Sapperlott62 am 08.12.2011 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      Vorbildfunktion?

      Da kann ich Ihnen nur Recht geben. Als Führungskraft einen Fehler auf einen Mitarbeiter abzuschieben ist aus meiner Sicht ganz einfach führungsschwach und keine ideae Ausgangslage, um unser Land erfolgreich zu führen. Punkt aus - Zurüch an den Start, Herr Zuppiger.

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