Bruno Zuppiger nominiert

01. Dezember 2011 22:10; Akt: 01.12.2011 22:10 Print

Konsensfähiger Politiker, der selber denkt

von Luzia Schmid, SDA - Der SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger steht für eine restriktive Finanzpolitik. Weil er mit seiner Art nicht provoziert und auch mal von der Parteimeinung abweicht, ist er aber mehrheitsfähig.

Bildstrecke im Grossformat »
Am 14. Dezember entscheidet sich, wie der Bundesrat künftig zusammengesetzt ist. Insbesondere die Wahl von BDP-Vertreterin Eveline Widmer-Schlumpf ist gefährdet. Die SVP greift ihren Sitz an. Zudem muss die SP den Sitz von Micheline Calmy-Rey verteidigen. Die SVP tritt mit einem Zweierticke an. Der Fribourger Nationalrat ist der Westschweizer Kandidat. Als Deutschschweizer Kandidat hat die SVP am 8. Dezember den Nationalratspräsidenten aufgestellt. Er entspricht nicht dem ursprünglichen Wunsch der SVP-Fraktion, wurde er doch nur für Bruno Zuppiger eingewechselt. Ursprünglich schickte die SVP-Fraktion an Rimes Seite den Zürcher Nationalrat und Gewerbeverbandspräsidenten ins Rennen. Nachdem die «Weltwoche» am 7. Dezember publik gemacht hatte, dass er sich möglicherweise der Veruntreuung schuldig gemacht hatte, zog sich Zuppiger einen Tag später zurück. Für die Nomination vom 1. Dezember hatte sich aus der Romandie auch der Waadtländer SVP-Nationalrat beworben - allerdings chancenlos. Auch der von der Schaffhauser Kantonalpartei vorgeschlagene Ständerat hat es nicht geschafft. Er gilt als moderater SVPler, der auch mal die Parteileitung kritisiert. Von zahlreichen SVP-Politikern genannt wurde der Zuger Baudirektor In Bern ist er aber wenig bekannt und er wurde von der SVP nicht nominiert. Auch der Thurgauer SVP-Regierungsrat kämpft nicht für den zweiten SVP-Bundesratssitz. Die SP-Fraktion hat zwei Kandidaten nominiert. National bekannt ist der 39-jährige Freiburger Ständerat Der zweite Sozialdemokrat auf der Fraktionsempfehlung ist Der 43-jährige Waadtländer Regierungsrat sass von 1999 bis 2004 im Nationalrat und ist heute Gesundheitsdirektor. Offiziell nicht nominiert hat die SP-Fraktion die Tessiner Ärztin und Nationalrätin Guscetti. Sie stösst aber bei den SP-Frauen auf Sympathien. Ausserdem wäre das Tessin nach zwölf Jahren gerne wieder im Bundesrat vertreten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Zürcher SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger ist offizieller Bundesratskandidat seiner Fraktion. Der 59-Jährige steht hinter dem SVP-Kurs, gilt aber als umgänglich und konsensfähig. Weil Zuppiger nicht mit dem Zweihänder politisiert, löst er bei seinen politischen Gegnern keine Abwehrreflexe aus.

Der Zürcher war schon bei früheren Bundesratswahlen immer wieder von anderen Parteien als valabler und kompromissfähiger Kandidat ins Spiel gebracht worden, so etwa bei der Nachfolge von Samuel Schmid im Jahr 2008. Zuppiger war damals im letzten Moment von seiner Bezirkspartei, der SVP Hinwil, nominiert worden - blieb dann aber in der parteiinternen Ausmarchung hängen. Die Fraktion nominierte damals den ebenfalls in Hinwil wohnenden Ueli Maurer und Christoph Blocher. Maurer wurde schliesslich gewählt.

«Ich kann selber denken»

Bei den Bundesratswahlen hat Zuppiger nun bessere Karten. SVP-Stratege Blocher und Parteipräsident Toni Brunner waren es, die ihn baten, für den Bundesrat zu kandidieren. Er stehe klar hinter dem Parteiprogramm, sagte Zuppiger Anfang Woche. «Ich kann aber selber schauen und denken, welcher Entscheid der richtige ist.»

Seit zwölf Jahren sitzt der Zürcher Oberländer im Nationalrat. Er machte sich als Finanz- und Sicherheitspolitiker einen Namen, ist Mitglied in beiden Kommissionen. Zuppiger gilt als grosser Sparer. Er ist für den Abbau von Vorschriften und Regulierungen, setzt sich für die Reduktion der Staatsausgaben und für Steuersenkungen ein. In den Augen seiner politischen Gegner könnte für ihn sprechen, dass er auch mal von der SVP-Parteilinie abweicht, so etwa bei der Personenfreizügigkeit.

Zuppiger ist seit einem Jahr Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV). In dieser Funktion stünde ihm eine Ablehnung des freien Personenverkehrs schlecht an. Als SVP-Politiker ist er zwar gegen die Masseneinwanderung. Ihm sei aber klar, dass er die Haltung des SGV vertreten müsse und einer Auflösung der bilateralen Verträge nicht zustimmen könne. «Notfalls muss man ähnlich wie ein Bundesrat eine Mehrheitsmeinung vertreten und jene der Partei zurückstellen», sagte er im August in einem Interview.

Für seine Konsensfähigkeit ist Zuppiger auch in Bern bekannt. CVP- Chef Christophe Darbellay bezeichnete den Zürcher Nationalrat in der «Weltwoche» als einen, «der nicht provoziert». Er sei solid und bürgerlich und habe gute Beziehungen zu CVP und FDP.

Mit Maurer im Gemeinderat

Zuppiger politisiert seit 35 Jahren in der SVP. Von 1982 bis 1990 sass er im Hinwiler Gemeinderat - vier Jahre lang zusammen mit Ueli Maurer. Von 1991 bis 1999 war er Mitglied im Zürcher Kantonsrat. Der ausgebildete Lehrer führt seit 1995 eine eigene Firma für Wirtschafts- und Unternehmensberatung.

Zuppiger ist in St. Gallen geboren und im Kanton Zug aufgewachsen. Er ist Vater einer Tochter und von vier Söhnen. Seine erste Frau Rita starb 1989. Die jüngsten zwei Söhne hat er mit seiner heutigen Frau Rösli.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chäs Gundi am 01.12.2011 23:58 Report Diesen Beitrag melden

    BR Zuppiger

    Super Idee. BR Bruno Zuppiger anstelle BR Ueli Maurer!

  • hämsi am 02.12.2011 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Zuppiger für mich nicht wählbar!

    sollte ein Bundesrat in der heutigen Zeit nicht noch eine Zweite Sprache beherrschen (Englisch oder Französisch)? das Problem der SVP wird tatsächlich sein, so jemanden gibt es nicht sehr oft, zumindest nicht in der Deutschschweiz! oder Toni? Herr Zuppiger würde ich zudem auch nicht wählen weil er als Lehrer eine Pfeiffe war, und als Gewerbeverbandspräsident ebenfalls versagt hat. (das ist meine Meinung)

  • Bruder Motzi am 02.12.2011 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich ist Herr Zuppiger nicht

    der einzige Politiker, der selber denkt......

Die neusten Leser-Kommentare

  • hämsi am 02.12.2011 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Zuppiger für mich nicht wählbar!

    sollte ein Bundesrat in der heutigen Zeit nicht noch eine Zweite Sprache beherrschen (Englisch oder Französisch)? das Problem der SVP wird tatsächlich sein, so jemanden gibt es nicht sehr oft, zumindest nicht in der Deutschschweiz! oder Toni? Herr Zuppiger würde ich zudem auch nicht wählen weil er als Lehrer eine Pfeiffe war, und als Gewerbeverbandspräsident ebenfalls versagt hat. (das ist meine Meinung)

  • Bruder Motzi am 02.12.2011 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich ist Herr Zuppiger nicht

    der einzige Politiker, der selber denkt......

  • Chäs Gundi am 01.12.2011 23:58 Report Diesen Beitrag melden

    BR Zuppiger

    Super Idee. BR Bruno Zuppiger anstelle BR Ueli Maurer!

  • Tom Müller am 01.12.2011 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    Charaktereigenschaften

    Interessant; über Charaktereigenschaften ("Konsensfähigkeit") wird nur bei der SVP diskutiert. Alle Mitglieder der anderen Parteien scheinen über die Charakterdiskussion erhaben zu sein. Daraus schliesse ich, dass alle anderen Politiker per se besser sind. Aber stimmt das?