Was bedeutet Konkordanz?

13. Dezember 2011 12:05; Akt: 13.12.2011 12:49 Print

«Konk...ubinat ist was anderes, oder?»

Politiker sprechen oft und gerne von der «Konkordanz». Doch was bedeutet das geflügelte Wort überhaupt? «Das Volk» tut sich schwer mit dem Begriff, wie unsere Strassen-Umfrage zeigt.

(Video: Mathieu Gilliand/Debby Galka)
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Auf die Konkordanz berufen sich alle grossen Parteien, um ihre Sitzansprüche im Bundesrat zu rechtfertigen. Was Konkordanz dabei genau bedeutet, darüber herrscht keine Einigkeit. Eine verbindliche Definition gibt es nicht und auch in der Bundesverfassung ist nirgends von Konkordanz die Rede. Das Grundprinzip hinter dem Wort ist jedoch klar: Alle wichtigen politischen Kräfte sind in die Regierung eingebunden.

Das unterschiedet das Schweizer System von Konkurrenzdemokratien wie in Deutschland oder Österreich: Dort bilden die Verliererparteien nach den Wahlen die Opposition, falls sie nicht in eine Koalition eingebunden werden. In der Schweiz hingegen steht bei politischen Entscheidungen nicht das reine Mehrheitsprinzip im Vordergrund, sondern Bundesrat und Parlament müssen nach möglichst breit abgestützten Kompromisslösungen suchen. Denn Vorlagen, die einseitig ausfallen, haben es beim Stimmvolk häufig schwer. Auch auf regionale Befindlichkeiten muss die Politik in einem viersprachigen Land besondere Rücksicht nehmen.

Erst seit den 1930er Jahren

Die Konkordanz, wie wir sie heute kennen, besteht nicht etwa seit der Gründung des Bundesstaates 1848. In den ersten Jahrzehnten der modernen Schweiz formten ausschliesslich Freisinnige die Regierung. Wie im Historischen Lexikon der Schweiz nachzulesen ist, bildete sich das neue System erst in den 1930er Jahren heraus. Bis dann hatte die FDP zwar bereits die Katholiken der Konservativen Volkspartei (heute CVP) und die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB, heute SVP) in die Regierung geholt.

Doch diesem bürgerlichen Block stand die Linke als starke Oppositionskraft gegenüber. Angesichts der Bedrohung durch Hitlerdeutschland stellte sich die SP 1935 erstmals explizit hinter die Landesverteidigung. Die bessere Verständigung zwischen Bürgertum und Arbeiterbewegung mündete 1943 in die erste Regierungsbeteiligung für die SP, die in den Parlamentswahlen triumphiert hatte. 1959 bekam die SP dann den zweiten Sitz – die «Zauberformel» war geboren: 2 SP, 2 FDP, 2 CVP und 1 SVP. Sie hielt bis ins Jahr 2003, als die Bundesversammlung Christoph Blocher (SVP) anstelle von Ruth Metzler (CVP) wählte.

(hhs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jackman am 13.12.2011 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nun ja, ...

    Also ehrlich, ich hätte es aus dem Stehgreif auch nicht konkret sagen können, als, das es etwas mit der sogenannten Zauberformel zu tun hätte in der Politik. Die obige Erklärung drückt mehr aus.

  • Maiglöggli am 13.12.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Konkordanz

    ist dazu da, dass es keiner Partei gelingen kann, etwas in unserem Land zu verbessern. Ist doch ganz einfach.

    einklappen einklappen
  • Koller am 13.12.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Definition Konkordanz

    Konkordanz ist das was für die SP eingeführt wurde als noch eine Mitterechts stimmung herrschte damit sie gerecht vertreten ist und nun wenn eine mittelinks stimmung herrscht von genau dieser partei mit füssen getreten wird

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tinu am 14.12.2011 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant!

    Also so wie ich das so rauslesen konnte, hat die "Konkardanz" nichts mit der "Zauberformel" zu tun. Es hat bloss damit zu tun, dass sich der Bundesrat einig sein muss, so wie ich das verstanden habe. Wegen der Sitzeverteilung bleibt es trotzdem so, dass die stärksten Parteien je 2 Sitze bekommen und 1 Sitz noch für eine andere Partei übrig ist. Ich denke nämlich, dass diese "Zauberformel" dazu dient, dass nicht eine Partei alleine den Bundesrat stellen kann, sozusagen ein "Schutz", damit es nicht so endet, wie in Deutschland!

  • Jackman am 13.12.2011 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nun ja, ...

    Also ehrlich, ich hätte es aus dem Stehgreif auch nicht konkret sagen können, als, das es etwas mit der sogenannten Zauberformel zu tun hätte in der Politik. Die obige Erklärung drückt mehr aus.

  • Neutraler Beobachter am 13.12.2011 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Sicht

    Mein Vorschlag für die BR-Zusammensetzung: 1 SP, 1 Grün (2 Linke), 1 GLP od. BDP, 1 CVP (2 Mitte), 1 FDP, 2 SVP (3 Rechte). Wäre ausgeglichen, Kleinparteien wären mit dabei und das "Rechts-Links"-Verhältnis stimmt mit den Abstimmungsresultaten ungefähr überein. Ist das denn so schwer?

  • Aeti am 13.12.2011 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Sinne des Volkes - je 2 SP/SVP 3 für die Mitte

    Da die entscheidenden 246 Personen Volksvertreter sein sollen, darf es über die Zusammensetzung des BR gar keine Disskussionen geben. Die SP/SVP sind deutlich die grössten und sollten als einzige Anrecht auf je 2 Sitze haben. Die restlichen 3 teilt sich die Mitte. Die Übermacht der FDP gegenüber der übrigen Mitte ist nicht mehr zeitgemäss. BR-Wahlen sollten im Sinne des Volkes und nicht der Lobby entschieden werden. Für eine Volkswahl ist die BR-Wahl aber ungeeignet weil zu wichtig/komplex für ca. 40% Wahlbeteiligung.

  • max. am 13.12.2011 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Leute....

    Übereinstimmung verscheidener Meinungen mit dem Ziel einer gemeinsamen Lösung.