Zweiter SVP-Sitz

01. Dezember 2011 17:54; Akt: 02.12.2011 09:12 Print

Zuppiger und Rime sollen es richten

von Lukas Mäder, Bern - Mit Bruno Zuppiger und Jean-François Rime will die SVP ihren zweiten Regierungssitz zurückerobern. Ob auch SP oder FDP Ziel des Angriffs sind, bleibt offen.

Bildstrecke im Grossformat »
Am 14. Dezember entscheidet sich, wie der Bundesrat künftig zusammengesetzt ist. Insbesondere die Wahl von BDP-Vertreterin Eveline Widmer-Schlumpf ist gefährdet. Die SVP greift ihren Sitz an. Zudem muss die SP den Sitz von Micheline Calmy-Rey verteidigen. Die SVP tritt mit einem Zweierticke an. Der Fribourger Nationalrat ist der Westschweizer Kandidat. Als Deutschschweizer Kandidat hat die SVP am 8. Dezember den Nationalratspräsidenten aufgestellt. Er entspricht nicht dem ursprünglichen Wunsch der SVP-Fraktion, wurde er doch nur für Bruno Zuppiger eingewechselt. Ursprünglich schickte die SVP-Fraktion an Rimes Seite den Zürcher Nationalrat und Gewerbeverbandspräsidenten ins Rennen. Nachdem die «Weltwoche» am 7. Dezember publik gemacht hatte, dass er sich möglicherweise der Veruntreuung schuldig gemacht hatte, zog sich Zuppiger einen Tag später zurück. Für die Nomination vom 1. Dezember hatte sich aus der Romandie auch der Waadtländer SVP-Nationalrat beworben - allerdings chancenlos. Auch der von der Schaffhauser Kantonalpartei vorgeschlagene Ständerat hat es nicht geschafft. Er gilt als moderater SVPler, der auch mal die Parteileitung kritisiert. Von zahlreichen SVP-Politikern genannt wurde der Zuger Baudirektor In Bern ist er aber wenig bekannt und er wurde von der SVP nicht nominiert. Auch der Thurgauer SVP-Regierungsrat kämpft nicht für den zweiten SVP-Bundesratssitz. Die SP-Fraktion hat zwei Kandidaten nominiert. National bekannt ist der 39-jährige Freiburger Ständerat Der zweite Sozialdemokrat auf der Fraktionsempfehlung ist Der 43-jährige Waadtländer Regierungsrat sass von 1999 bis 2004 im Nationalrat und ist heute Gesundheitsdirektor. Offiziell nicht nominiert hat die SP-Fraktion die Tessiner Ärztin und Nationalrätin Guscetti. Sie stösst aber bei den SP-Frauen auf Sympathien. Ausserdem wäre das Tessin nach zwölf Jahren gerne wieder im Bundesrat vertreten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die SVP schickt Bruno Zuppiger (ZH) und Jean-François Rime (FR) ins Rennen um den zweiten Bundesratssitz. Das hat die Fraktion am Donnerstag in Bern beschlossen, wie Fraktionschef Caspar Baader vor den Medien erklärte. Die SVP biete der Bundesversammlung für die Wahlen vom 14. Dezember mit dem Zürcher und dem Freiburger Nationalrat eine breite Auswahl. «Wichtigstes Ziel ist die Wiederherstellung der Konkordanz», so Baader. Mit den beiden breit abgestützten Kandidaten seien die Chancen dazu gut. Laut Baader sei ein stabiles Regierungssystem angesichts der anstehenden Schwierigkeiten wichtig.

Die beiden Kandidaten zeigten sich erfreut über die Nominierung. Rime betonte, dass er sehr zufrieden sei über das Romand-Deutschschweizer Doppelticket. Zuppiger sprach von einer grossen Ehre und dankte seiner Partei. Noch vor drei Jahren hatte die SVP-Fraktion Zuppiger nicht aufgestellt. Die Zeiten hätten sich geändert, sagte Baader. Nun stehe die SVP-Fraktion einstimmig hinter dem Zweierticket.

Gleicher Wohnort sei Zufall

Dass die Bundesversammlung Zuppiger nicht wählen könnte, weil er wie SVP-Bundesrat Ueli Maurer aus dem Zürcher Ort Hinwil kommt, ist für die Fraktion kein Thema. Baader wiederholte frühere Äusserungen, dass die Kantonsklausel abgeschafft wurde. Zuppiger selbst sprach von einem Zufall: «Wenn die anderen Parteien deswegen die Konkordanz nicht wiederherstellen wollen, dann ist es ihnen nicht ernst damit.» Zudem stehe ja mit Rime ein weiterer Kandidat zur Wahl, so Baader.

Dass die SVP je einen Kandidaten aus der Romandie und aus der Deutschschweiz nominiert, lässt vermuten, dass die Partei falls nötig auch die SP angreifen will. Die Nachfolge von Micheline Calmy-Rey wird im letzten Wahlgang gewählt. Fraktionschef Baader wollte sich dazu nicht äussern. Solche strategische Überlegungen seien an der Sitzung kein Thema gewesen. Auch Rime betonte, dass es um den Angriff auf den Sitz von Widmer-Schlumpf gehe. Was bei einem Misserfolg geschehe, werde man sehen, sagte er vieldeutig.

Stark schied als erster aus

Bei der internen Ausmarchung entschied Rime in einem Wahlgang das Rennen gegen den einzigen weiteren welschen Bewerber, den Waadtländer Nationalrat Guy Parmelin. Zuppiger brauchte drei Wahlgänge, um sich gegen die anderen drei Deutschschweizer Interessenten durchzusetzten. Der Thurgauer Baudirektor Jakob Stark schied als erster aus. Schliesslich lag Zuppiger vor dem Zuger Baudirektor Heinz Tännler und dem Schaffhauser Ständerat Hannes Germann.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • blubb am 02.12.2011 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Volkswahl!

    Die Schweiz braucht eine Volkswahl der Bundesräte! Nicht unbedingt, weil damit eine bessere Wahl getroffen würde, aber dann hätten wir die ewigen BR-Diskussionen der grossen Parteien nicht mehr. Die SVP macht die Konkordanz mit dem Ausschluss der Bündner SVP kaputt und heult seit Jahren rum wie ein kleines Kind.

    einklappen einklappen
  • quer-gedacht am 01.12.2011 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zuppiger ist identisch Blocher

    die SVP ist heute schon übervertreten - was wollen die zwei also....die SVP hat die Zeichen der Zeit WIEDER nicht erkannt - einen verlängerten Arm von Blocher aufzustellen, den Braten reicht doch jeder!

  • Susi Sch. am 02.12.2011 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortliche beim Konkordanzbruch

    Mit diesen beiden gemässigten SVP-Kandidaten meint es die SVP ernst mit dem Anspruch von 2 Bundesräten. Wenn die Konkordanz am 14.12. durch das Parlament gebrochen wird, trägt Widmer-Schlumpf die Hauptverantwortung, da sie sich mit NUR 5% Wähleranteil ungerechtfertigt für die Wiederwahl empfiehlt. In zweiter Instanz trägt das Parlament die Verantwortung, welches diese Wiederwahl unterstützt. Ein Konkordanzbruch birgt enorme Gefahren für die CH. Ein Ausschluss der wählerstärksten Partei wäre fatal! Es folgen zig-Referenden, das Politklima wäre noch vergifteter und die Instabilität wäre gross!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jacky M. am 02.12.2011 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Kindergarten!

    Genau um das (eben diesen Kindergarten) zu vermeiden, wurde damals die "Zauberformel" ins Leben gerufen. Es hat auch sehr gut geklappt, bis.... ja, bis die ungeliebteste Partei die Stärkste wurde! Von da an war Schluss mit Konkordanz. Von da an gings wieder nur um Machterhalt. Wer da auf der Strecke bleibt ist klar: die Schweiz. Welches andere Land nutzt nicht aus, dass das Parlament sich gegenseitig auf die Füsse tritt. Weitermachen, dann geht es schneller bis die Schweiz das Schlusslicht macht!

  • Susi Sch. am 02.12.2011 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortliche beim Konkordanzbruch

    Mit diesen beiden gemässigten SVP-Kandidaten meint es die SVP ernst mit dem Anspruch von 2 Bundesräten. Wenn die Konkordanz am 14.12. durch das Parlament gebrochen wird, trägt Widmer-Schlumpf die Hauptverantwortung, da sie sich mit NUR 5% Wähleranteil ungerechtfertigt für die Wiederwahl empfiehlt. In zweiter Instanz trägt das Parlament die Verantwortung, welches diese Wiederwahl unterstützt. Ein Konkordanzbruch birgt enorme Gefahren für die CH. Ein Ausschluss der wählerstärksten Partei wäre fatal! Es folgen zig-Referenden, das Politklima wäre noch vergifteter und die Instabilität wäre gross!

  • spiele spielen am 02.12.2011 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    IDEE

    wie wärs wenn alle parteien ihre bundesräte aus der fraktion werfen und somit dann jeder irgendwie wieder einen sitz gut hätte...wow das wäre doch mal ein spass

  • Nüchterner Betrachter am 02.12.2011 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Das bekannte Haar in der Suppe

    findet man immer bei der SVP. Die beiden Herren glauben doch wohl selber nicht, dass sie eine Chance haben. Die SVP ist isoliert und sollte in die Opposition gehen.

  • Otto Lüscher am 02.12.2011 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat

    Sehr geehrte Damen und Herren; Ich finde dies eAuswahl gut für die S:V:P. Aber was ich feststelle es hat in diesen Berichten alles "Experten" also Menschenkenner.Wie kann jemand einen Menschen taxieren den man nicht kennt. Der leistungsausweis ist doch wichtiger als das Aussehen. Gruss OL