Zuppigers Erbsünde

18. Dezember 2011 09:46; Akt: 18.12.2011 09:48 Print

Floss das Geld in den Wahlkampf?

Massive Vorwürfe gegen Bruno Zuppiger: Der gestrauchelte Ex-Bundesratskandidat der SVP soll rund 100 000 Franken an veruntreutem Geld in den Wahlkampf gesteckt haben.

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Nicht wenige Schweizer Politikerinnen und Politiker strauchelten über persönliche Geschichten, die sich zu Skandalen ausweiteten und sie zu Fall brachten. Jüngstes Beispiel ist , dem in einer Erbschaftsangelegenheit versuchte Veruntreuung vorgeworfen wird. Seine Bundesratskandidatur zog er nach diesen schweren Vorwürfen zurück. Der Glarner Sozialdemokrat war 1995 vielversprechender Anwärter auf die Nachfolge von Otto Stich. Doch auch er sah sich wie Zuppiger mit dem Vorwurf der Veruntreuung konfrontiert. Marti habe Honorare von Rechtsfällen eingesackt, die er mit seinem Ex-Partner-Anwalt hätte teilen sollen. Bundesrat wurde dann Moritz Leuenberger. Der SVP-Ständerat verscherzte sich seine Bundesrats-Chancen im wahrsten Sinne des Wortes: In einer Männerrunde machte er sich in den 90er-Jahren über die Figur von Bundesrätin Dreifuss lustig. Das kostete ihm viele Frauenstimmen und er wurde von der Partei im Jahr 2000 nicht auf die Kandidatenliste gesetzt. Der spätere FDP-Präsident lebte 1989 in sogenannt wilder Ehe mit seiner ehemaligen Anwaltspraktikantin. Geschieden war er noch nicht. Deshalb habe er Stimmen verloren, meinte Steinegger. Kaspar Villiger wurde dann Bundesrat. Sie war vielen Parlamentariern wegen ihres Privatlebens suspekt. Ihr angeblich ungesitteter Lebenswandel war 1993 vielen ein Dorn im Auge. Sogar mit der Veröffentlichung von Nacktbildern wurde gedroht. Deshalb machte am Schluss Genossin Ruth Dreifuss (r.) das Rennen. Ihr wurde 2010 eine Schein-Trennung aus karrieretechnischen Gründen von ihrem Mann vorgeworfen: Er ist Banker. Gewählt wurde Simonetta Sommaruga. Der Genfer Sozialdemokrat schaffte 1987 die parteiinterne Nomination gegen René Felber nicht. In seiner Jugend wurde er einmal verurteilt.

Bruno Zuppiger war nicht der erste Bundesratskandidat, der über eine persönliche Geschichte gestolpert ist.

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Der Zürcher SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger, der bis kurz vor den Wahlen als möglicher Bundesratskandidat gehandelt worden war, dann aber über die Affäre, die unter dem Schlagwort «Erbsünde» die Runde gemacht hat, gestolpert war, soll rund 100 000 Franken in eine Kampagne gesteckt haben. Notabene handelt es sich bei diesem Geld genau jenes, welches ihm eine im Sterben liegende Frau anvertraut hatte - eben jenes, welches sich zur «Erbsünde» ausweitete. Das berichtet der «SonntagsBlick».

Umfrage
Sollte Bruno Zuppiger nach der Erbschaftsaffäre als Nationalrat zurücktreten?
72 %
28 %
Insgesamt 3956 Teilnehmer

Mehrere SVP-Mitglieder würden bestätigen, dass Zuppiger dies in der Fraktion erklärt habe. «Zuppiger hat uns erklärt, er habe das Geld der Erbschaft auf ein Konto ausserhalb der Betriebsrechnung seiner Firma überwiesen», sagte zum Beispiel Christoph Mörgeli zu der Zeitung. «Ein Konto, das für Kampagnen benutzt wurde.» Um welche Kampagne genau es sich gehandelt habe, soll Zuppiger aber nicht ausgeführt haben.

Der «SonntagsBlick» spekuliert, dass er das Geld für den Wahlkampf ausgegeben hat. Der Hinwiler hat diesen 2007 von der Agentur Farner PR unterstützen lassen, wie Farner-Chef Christian König bestätigt. Zuppiger dementiert den Sachverhalt auf Anfrage nicht. Er schrieb gestern Samstag per SMS: «Da ich mit einem Verfahren rechnen muss, darf ich in der Öffentlichkeit keinerlei Auskunft erteilen.»  

(jam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Pfeuti am 18.12.2011 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ähnlichkeiten sind unvermeidlich.

    «Gebt mir eine Million, und ich mache aus jedem Kartoffelsack einen Bundesrat.» Diesen legendären Satz sagte Rudolf Farner, der Gründer der gleichnamigen PR-Agentur.

  • Walter am 18.12.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit kommt immer ans Licht!!!!!!

    Ich weis nicht was sich solche Leute denken, den egal was für ein vergehen, die Wahreit kommt früher oder später immer ans Licht. Man kann nichts aber auch wircklich nichts auf dauer vertuschen oder denken das wird niemand herausfinden.

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  • Sergio Palomino am 18.12.2011 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    Der Sonntags-Blick spekuliert.. Sagt schon alles. Und schon legen alle wieder los.. Arme Gesellschaft kann man da nur sagen..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sergio Palomino am 18.12.2011 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    Der Sonntags-Blick spekuliert.. Sagt schon alles. Und schon legen alle wieder los.. Arme Gesellschaft kann man da nur sagen..

  • megge am 18.12.2011 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    obige "Umfrage"

    Auf das Resultat braucht man nicht zu warten, es ist schon bekannt.

  • Walter am 18.12.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit kommt immer ans Licht!!!!!!

    Ich weis nicht was sich solche Leute denken, den egal was für ein vergehen, die Wahreit kommt früher oder später immer ans Licht. Man kann nichts aber auch wircklich nichts auf dauer vertuschen oder denken das wird niemand herausfinden.

    • Martin Sonderegger am 19.12.2011 07:39 Report Diesen Beitrag melden

      Vogel abgeschossen

      Streiten sich zwei, lacht der Dritte: Zuppiger hat sich für den Gripen eingesetzt - wie man weiss ist der Flieger bei der SVP unbeliebt. Mit Zuppiger ist nun wohl der Gripen auch vom Tisch.

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  • Bruno Pfeuti am 18.12.2011 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ähnlichkeiten sind unvermeidlich.

    «Gebt mir eine Million, und ich mache aus jedem Kartoffelsack einen Bundesrat.» Diesen legendären Satz sagte Rudolf Farner, der Gründer der gleichnamigen PR-Agentur.

  • Weisskopfadler am 18.12.2011 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Erbschaft

    Juhui, Gregor Rutz beerbt Zuppi!