Bundesratswahlen

04. Oktober 2011 10:00; Akt: 04.10.2011 12:36 Print

Berset kandidiert als Nachfolger Calmy-Reys

von Ronny Nicolussi, Freiburg - Der Freiburger SP-Ständerat Alain Berset will Bundesrat werden. Damit bekunden noch vor den eidgenössischen Wahlen bereits zwei SP-Politiker ihr Interesse an einem Regierungssitz.

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Am 14. Dezember entscheidet sich, wie der Bundesrat künftig zusammengesetzt ist. Insbesondere die Wahl von BDP-Vertreterin Eveline Widmer-Schlumpf ist gefährdet. Die SVP greift ihren Sitz an. Zudem muss die SP den Sitz von Micheline Calmy-Rey verteidigen. Die SVP tritt mit einem Zweierticke an. Der Fribourger Nationalrat ist der Westschweizer Kandidat. Als Deutschschweizer Kandidat hat die SVP am 8. Dezember den Nationalratspräsidenten aufgestellt. Er entspricht nicht dem ursprünglichen Wunsch der SVP-Fraktion, wurde er doch nur für Bruno Zuppiger eingewechselt. Ursprünglich schickte die SVP-Fraktion an Rimes Seite den Zürcher Nationalrat und Gewerbeverbandspräsidenten ins Rennen. Nachdem die «Weltwoche» am 7. Dezember publik gemacht hatte, dass er sich möglicherweise der Veruntreuung schuldig gemacht hatte, zog sich Zuppiger einen Tag später zurück. Für die Nomination vom 1. Dezember hatte sich aus der Romandie auch der Waadtländer SVP-Nationalrat beworben - allerdings chancenlos. Auch der von der Schaffhauser Kantonalpartei vorgeschlagene Ständerat hat es nicht geschafft. Er gilt als moderater SVPler, der auch mal die Parteileitung kritisiert. Von zahlreichen SVP-Politikern genannt wurde der Zuger Baudirektor In Bern ist er aber wenig bekannt und er wurde von der SVP nicht nominiert. Auch der Thurgauer SVP-Regierungsrat kämpft nicht für den zweiten SVP-Bundesratssitz. Die SP-Fraktion hat zwei Kandidaten nominiert. National bekannt ist der 39-jährige Freiburger Ständerat Der zweite Sozialdemokrat auf der Fraktionsempfehlung ist Der 43-jährige Waadtländer Regierungsrat sass von 1999 bis 2004 im Nationalrat und ist heute Gesundheitsdirektor. Offiziell nicht nominiert hat die SP-Fraktion die Tessiner Ärztin und Nationalrätin Guscetti. Sie stösst aber bei den SP-Frauen auf Sympathien. Ausserdem wäre das Tessin nach zwölf Jahren gerne wieder im Bundesrat vertreten.

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Nachdem am Vortag der Walliser SP-Nationalrat Stéphane Rossini seine Bundesratskandidatur offiziell lanciert hat, stellt sich am Dienstag auch Alain Berset zur Verfügung. Der 39-jährige SP-Ständerat hat an einer Medienkonferenz in Freiburg, die Gründe für seine Kandidatur dargelegt. Die Geschäftsleitung der SP Freiburg hatte Berset am Vorabend einstimmig nominiert.

Der Freiburger kandidiert als Nachfolger von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, die bei den Gesamterneuerungswahlen im Dezember nicht mehr antritt. Seine Kandidatur sei kein Schnellschuss, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen und vertieften Abwägung, für die er sich Zeit genommen habe, sagte der SP-Ständerat vor den Medien. «Wenn man seine Kandidatur bekannt gibt, diktiert man keine Bedingungen; aber natürlich wägt man ab, ob die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind.»

Auf privater Seite seien diese erfüllt, so Berset. Zu diesem Schluss sei er nach Überlegungen gekommen, die er zusammen mit seiner Familie geführt habe. Der 39-Jährige ist Vater dreier junger Mädchen. Er sei sich bewusst, dass seine Kandidatur auf Frau und Kinder erhebliche Auswirkungen haben werde. Er werde aber alles daran setzen, seine Familie zu schützen.

Delegierten entscheiden am 13. Oktober

Erfüllt sind die Voraussetzungen für eine Kandidatur auch auf politischer Seite, wie Berset weiter ausführte. Dies habe sich nach der Sitzung der Freiburger SP vom Vorabend gezeigt. Am 13. Oktober wird die Kantonalpartei an einem ausserordentlichen Kongress die Delegierten auffordern, die Kandidatur Bersets zu bestätigen.

Kommen die Delegierten dem Wunsch der Parteileitung nach - und daran gibt es keine Zweifel - muss Berset auch noch von der Fraktion unterstützt und schliesslich von der Bundesversammlung gewählt werden. Die Chancen stehen gut. Berset gilt neben dem Waadtländer Regierungsrat Pierre-Yves Maillard als Favorit.

Keine Exekutiverfahrung

Anders als Maillard verfügt Berset jedoch über keine Exekutiverfahrung. Der Freiburger war vor seiner Wahl in den Ständerat lediglich Gemeinderat von Belfaux und Verfassungsrat des Kantons Freiburg. Darauf angesprochen sagte Berset vor den Medien: «Auch Frau Leuthard hatte keine Exekutiverfahrung, bevor sie in den Bundesrat gewählt wurde.»

Der zweite Punkt, der Berset vor einem Einzug in den Bundesrat abhalten könnte, ist seine Herkunft. Das Mittelland ist in der Landesregierung über-, Randregionen sind untervertreten. Der Freiburger sieht das jedoch nicht so eng. Es gehe hier um einen Sitz der Romandie, der lateinischen Schweiz. Und er sei in erster Linie Schweizer, dann Romand, dann Freiburger. «In dieser Reihenfolge würde ich mich im Bundesrat auch einsetzen.» Um dieses Argument zu unterstreichen, fügte Berset an, dass er zudem zwei Minuten vom Kanton Waadt entfernt wohne. «Wenn ich 900 Meter weiter drüben geboren wäre, wäre ich heute Waadtländer.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • H.Senn am 04.10.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrung im Beruf?

    Was hat der eigentlich vor dem Ständerat beruflich geleistet??Seit er 31 ist sitzt er da, und vorher? Also lang ist seine ausserparlamentarische Karriere und Erfahrung gewiss nicht. Aussen Politix und innen nix.

  • Fizzi am 04.10.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kommt die SP

    darauf, dass sie immer noch 2 Bundesratssitze beanspruchen kann? Nach den Wahlen wird von der SP nicht viel übrigbleiben.

  • Peter Friedli am 04.10.2011 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Aussichten

    Schon wieder zwei Kandidaten, die das Schweizer Volk nicht einschätzen kann, weil sie niemand kennt. Gute Aussichten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Friedli am 04.10.2011 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Aussichten

    Schon wieder zwei Kandidaten, die das Schweizer Volk nicht einschätzen kann, weil sie niemand kennt. Gute Aussichten.

    • the bert am 04.10.2011 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht wahr

      Also hier in Freiburg kennen wir ihn gut, und ich kann nur sagen, er macht eine gute Arbeit.

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  • Fizzi am 04.10.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kommt die SP

    darauf, dass sie immer noch 2 Bundesratssitze beanspruchen kann? Nach den Wahlen wird von der SP nicht viel übrigbleiben.

  • H.Senn am 04.10.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrung im Beruf?

    Was hat der eigentlich vor dem Ständerat beruflich geleistet??Seit er 31 ist sitzt er da, und vorher? Also lang ist seine ausserparlamentarische Karriere und Erfahrung gewiss nicht. Aussen Politix und innen nix.