Zustimmung zu Ecopop

21. Oktober 2014 06:00; Akt: 22.10.2014 13:33 Print

«Das Thema brennt den Leuten unter den Nägeln»

Erfreute Initianten, geschockte Gegner: Das überraschende Resultat der ersten Umfrage zur Ecopop-Initiative verändert die Ausgangslage zum Start des Abstimmungskampfs.

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53 Prozent der Bevölkerung wollen die Ecopop-Initiative derzeit annehmen. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar waren sich Bundesrat und Parlament einig: Die noch radikalere Ecopop-Initiative darf auf keinen Fall eine Mehrheit finden. Die Initiative schade der Schweizer Wirtschaft, stelle die bilateralen Beziehungen in Frage und löse gleichzeitig kein einziges Umweltproblem, warnte der Bundesrat. Das Anliegen sei zudem «fremdenfeindlich».

Anders als bei der Zuwanderungsinitiative stellen sich auch alle etablierten Parteien gegen Ecopop. Selbst die SVP hat die Nein-Parole beschlossen. Als «unmenschlich und gefährlich» oder «absurd und schädlich» bezeichnen linke und bürgerliche Gegen-Komitees das Volksbegehren gleichermassen. Die ersten Ergebnisse der 20-Minuten-Abstimmungsumfrage zeigt nun: Entgegen aller Warnungen wollen 53 Prozent der Bevölkerung die Initiative derzeit annehmen.

«Die Gegner werden jetzt vorsichtiger sein»

Für die Ecopop-Initianten ein Triumph: «Die Umfrage bestätigt, was wir an Podien und Informationsveranstaltungen zum Thema regelmässig merken: Das Thema brennt den Leuten unter den Nägeln», sagt Geschäftsführer Andreas Thommen. Die hohe Zustimmung erklärt er sich damit, dass sich nach der Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative noch wenig getan habe – «und der Bundesrat wird, wie es aussieht, auch wenig unternehmen, um die Initiative konsequent umzusetzen».

Der Politologe Simon Geissbühler erinnert jedoch daran, dass die entscheidende Kampagnenarbeit erst jetzt stattfindet. «Die Zustimmung für das Anliegen könnte deshalb noch sinken.» Er geht davon aus, dass die Schlappe vom 9. Februar den Gegnern einer Zuwanderungsbremse eine Lehre war: «Im Vergleich zur Masseneinwanderungsinitiative werden sie jetzt sicher vorsichtiger sein und die Initiative genügend ernst nehmen.»

«Die Kampagne wird kein Selbstläufer»

Dies bestätigt SVP-Nationalrat Hansjörg Walter vom bürgerlichen Gegen-Komitee. «Es ist uns bewusst, dass diese Kampagne kein Selbstläufer wird». Man wisse, dass man sich anstrengen müsse – das werde man auch tun. Walter räumt ein, dass es wohl vielen Befürwortern darum gehe, ein Zeichen zu setzen, «damit in Bezug auf die Zuwanderung endlich etwas geht». Dieses Bedürfnis müsse man ernst nehmen.

Gleichzeitig gelte es aber, klarzumachen, dass die Ecopop-Initiative keine Lösung sei. «Eine fixe Beschränkung der Netto-Zuwanderung auf 0,2 Prozent würde die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes abwürgen», warnt er. Er glaubt, den Leuten sei bewusst, dass bei einem Ja zur Initiative die bilateralen Verträge auf dem Spiel stünden. Es wird uns gelingen, ihnen zu vermitteln, dass die Initiative «absurd und schädlich» ist.

Für Ecopop-Geschäftsführer Thommen sind diese Argumente ein rotes Tuch: «Es ist unsachlich und der Bevölkerung gegenüber respektlos, unsere Initiative als ‹absurd› zu bezeichnen. Die wachstumsbedingten Probleme, die die Leute jeden Tag am eigenen Leib spüren, sind alles andere als absurd.»

(ngl/jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laura am 21.10.2014 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja! Denn was macht glücklich?

    Ich bin die aktuelle Entwicklung mehr als leid. Diese Spirale von 'immer mehr' (auf allen Ebenen) müssen wir stoppen. Denn das jetzige Wirtschaftsprinzip ist nichts anderes als ein Schneeballsystem. Es funktioniert auf allen Ebenen nur (bisher...) dank Wachstum. Lieber nehme ich einen gewissen Wohlstandsverlust in Kauf als weiterer Verlust an Privatsphäre, Fairness, Ruhe und Sicherheit. Denn letztere machen glücklich - nicht immer mehr Geld!

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  • Susanne am 21.10.2014 06:10 Report Diesen Beitrag melden

    Guten Morgen

    Sind da etwa aufgrund dieser Umfrage einige aufgewacht? Ja, ja, lange haben Sie geschlafen. Und Sie werden weiterhin keine Argumente haben. Deshalb bleibts bei Ecopop Ja, Ja.

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  • Sayadina am 21.10.2014 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... es geht nicht um oder gegen Ausländer...

    ... sondern um die Frage: Qualität oder Quantität? Statt ständig Fachkräfte aus dem Ausland abzuwerben, wäre ich dafür die Einheimischen (gemeint sind CH und Ausländer) mit Bildungsgutscheinen zu fördern, um so einen Teil des Fachkräftebedarfs zu decken. Dadurch hätten auch ü50-jährige, junge Berufseinsteiger und Menschen mit gewissen Beeinträchtigung wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Warum immer auf neue, ausländische Fachkräfte setzen? Haben wir nicht genug Menschen hier, die eine Chance verdient hätten? Deshalb bin ich für eine wohldosierte, sozial- und umweltverträgliche Einwanderung!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mia am 24.10.2014 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaaa!!!!

    Es sollten die gleiche gesetze gelten wie kanada, australien!!! Andere länder sind konsequent, warum müssen wir das ertragen?zu viel ist einfach zu viel

  • Jimbolino am 22.10.2014 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umwelt schonen

    Zum Thema Umwelt, ein Arbeitsloser in der EU kann sich kein Auto leisten, wie bei uns! also 3x ja zur ecopop.

  • Sandro am 22.10.2014 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum ja?

    Warum ich ja stimmen werde? Aus Prinzip. Da unsere Bundesräte ihre Macht zur Zeit masslös überschätzen und sich gegen den Volkswillen stellen und schlussendlich doch machen, was sie wollen, finde ich, dass es an der Zeit ist, ein Zeichen zu setzen. Dies ist in der Schweiz durch die Anstimmungen am besten möglich.

  • Bauführer am 22.10.2014 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zubetoniert

    Ständig lese ich dieses Wort. Gleichzeitig wollen sie aber alle ein EFH und viel Grünfläche. Das ist ein Widerspruch in sich. Betonklötze sind immer ökologischer als EFH's. Denn in einem MFH oder Block wohnen mehrere Familien zusammen, in einem EFH dagegen nur Eine. Ein MFH hat im verhältnis viel weniger Aussenfläche (und damit deutlich geringere Heitzkosten) und auch ansonsten weniger Materialmengen. Blòcke kann man ausserdem in die Höhe bauen, was Platz spart und so wiederum mehr Grünfläche ergibt.

    • Polier am 22.10.2014 23:40 Report Diesen Beitrag melden

      @ Bauführer, politische Frage

      Wer kann sich bei rasanter Bodenverknappung künftig noch ein EFH leisten und wer wohnt verdichtet in Silos und müht sich täglich durch vollgestopfte Städte, in vollgestopften Züge an seinen Arbeitsort?

    • Tim S. am 22.10.2014 23:42 Report Diesen Beitrag melden

      Und deutlich weniger Freiraum... im MFH

      Ihre Argumente pro MFH kennt natürlich jeder. Die Leute bauen aber EFH's weil sie möglichst unabhängig sein wollen. Und bloss weil sie (Baubranche) Freiflächen und Bauvolumen brauchen, damit sie gewinnbringend realisieren können, geben die CH ihren kleinen, persönlichen Freiraum nicht auf.

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  • Thomas Jakobinski am 22.10.2014 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevorstehende Inflation

    Seid ihr alle so scharf darauf, dass unsere Wirtschaft langfristig inflantiert? Bei einer Annahme dieser Initiative, würden uns zahlreiche KMU's und Grossunternehmen verlassen und ihr Hauptsitz in die EU verlegen..! Mit dieser Initiative straft ihr euch nur selber!!