Trubel um SNB-Chef

31. Dezember 2011 23:30; Akt: 09.01.2012 12:18 Print

Blocher lieferte Hildebrand ans Messer

Der Auslöser des Aufruhrs um die Dollar-Käufe von Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand war Christoph Blocher. Er übergab gestohlene Bankdaten an Bundespräsidentin Calmy-Rey.

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Christoph Blocher lieferte Informationen über Dollar-Käufe der Frau von SNB-Chef Philipp Hildebrand. (Bild: Keystone)

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Nun ist klar, wer der Drahtzieher der Attacke auf die Schweizerische Nationalbank (SNB) und deren Präsidenten Philipp Hildebrand ist: Christoph Blocher. Recherchen der «SonntagsZeitung» und der «NZZ am Sonntag» ergaben, dass der ehemalige Justizminister und Parteistratege der SVP in den Besitz von Dokumenten gelangt ist, die bei der Bank Sarasin gestohlen worden sind und Vermögensverhältnisse der Familie Hildebrand aufzeigen.

Aus diesen Dokumenten geht auch ein Dollarkauf von Hildebrands Ehefrau von rund 500 000 Franken hervor. Die Transaktion erwies sich als sehr vorteilhaft. Mit dem Verdacht, dass Kashya Hildebrand Insiderwissen ihres Gatten missbraucht haben könnte, ging Blocher am 15. Dezember zur damaligen Bundespräsidentin Calmy-Rey. In seiner Tasche hatte er die Bankbelege.

Calmy-Rey rief eine Delegation des Bundesrates zusammen und leitete, auf Hildebrands Vorschlag, eine Überprüfung der Verdachtsmomente ein. Hildebrand wurde später entlastet. Hildebrands Anwälte bereiten eine Strafanzeige vor. Ins Visier nehmen sie die Personen, die das Bankgeheimnis verletzt haben, aber auch das Geldinstitut selber, da es seine Sorgfaltspflicht vernachlässigt haben könnte, sowie Christoph Blocher.

Wie Blocher in den Besitz von Konto-Informationen der Familie Hildebrand bei der Bank Sarasin gelangte, konnte bis gestern Samstag nicht geklärt werden. Blocher selber war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dass bei diesem Vorgang das Bankgeheimnis verletzt wurde, scheint aber wahrscheinlich, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

(aeg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fränzi H. am 02.01.2012 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mal ganz ehrlich

    Hätte sich Blocher bzw. Blocher's Frau in der selbigen Situation bereichert, würde man ihn in den Medien zerreissen! Aber eben... "wenn zwei das Gleiche tun..."

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  • Reto Frey am 01.01.2012 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Happy 2012 ohne Herrn Blocher

    weg mit Blocher, auf allen Ebenen, Ziel 2012. Wer sollte einen selbstgefälligen Milliardär weiterhin unterstützen? Niemand...

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  • Henri Wyler am 01.01.2012 02:32 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen

    500'000 Franken sind nicht nichts. Vielleicht hat die Ehefrau wirklich Ahnung gehabt, und dann durfte sie diese Transaktion nicht vornehmen. Herrn Blocher kann man keinen Vorwurf machen, selbst wenn sein Wissen illegal ist. Es geht schlicht um das politische Vertrauen in die Institution Nationalbank und in Herrn Hildebrand. Ist dieses Vertrauen noch da?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heiweh am 03.01.2012 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat was untersucht?

    Schön, wenn Freunde einen mit einer Untersuchung von einem Verdacht befreien können.

  • Dario Knellwolf am 02.01.2012 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wann kommt Licht ins Dunkel?

    Die Geschichte hat zwei Aspekte: 1. Die Vorwürfe an das Ehepaar Hildebrand: Dies wurden untersucht und haben sich als haltlos erwiesen. 2. Die wahrscheinliche Verletzung des Bankgeheimnisses: Ich hoffe, dieses Vergehen wird nun mit genau so viel Elan untersucht wie Punkt 1.

  • Roman Kretz am 02.01.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Das Bankkundengeheimnis ist längst nicht

    Es ist doch keine Sache an solche Daten zu gelangen.Wenigstens bei der UBS nicht.Kenne aus eigener Erfahrung.

  • Heinz Kremsner am 02.01.2012 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Blocher und die Realität

    Blocher ignoriert die Realität: Hr Hildebrand hat den Euro-Kurs beeinflusst, nicht den USD! Die Fr Hildebrand (Besitzerin Kunst-Galerie) hat USD gekauft, nicht EUR. Nochmals: Sie kaufte USD, nicht EUR! Fr Hildebrand kaufte am 15. August USD. Die Intervention EURO war am 6. September. Also da liegen 3 Wochen dazwischen! Kann kein Insider-Handel sein.

    • @Kremsner am 02.01.2012 14:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Kremsner

      Mit der Festlegung des EUR-Mindestkrusziels hat sich logischerweise auch der USD gleichermassen verteuert. PS: Wikipedia hilft Ihnen möglicherweise bei einem Crashkurs in Geldpolitik.

    • Heinz Kremsner am 02.01.2012 15:13 Report Diesen Beitrag melden

      Crashkurs in Geldpolitik ?

      Den Crashkurs in Geldpolitik kann ich mir sparen. Sie haben nicht kapiert: Das Kursziel EUR wurde 3 Wochen nach n a c h n a c h dem Kauf USD gemacht. Na also!!!

    • Ueli Hoch am 02.01.2012 15:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Kremser

      Glauben Sie im ernst die Nationalbank hätte erst ein paar Tage vorher ein solches Kursziel in Erwägung gezogen?? Für so ein Vorhaben brauchts doch eine etwas längere Vorbereitung und wenn das ganze mal beschlossen ist, muss man dann noch die richtige Gelegenheit abgewartet werden.

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  • Hans am 02.01.2012 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    362 Kommentare

    Was der Name Blocher doch immer noch bewirkt....

    • Franz S. am 02.01.2012 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      Wirklich unschlagbar! In jeder Hinsicht!

      Wenigstens noch einer der das "Füdli" hat auf Missstände hinzuweisen. Andere scheuen sich davor, weil sie mit ansehen müssen, was die Folgen davon wären. Aber den Blocher haut es nicht so schnell um... unglaublich und faszinierend ist seine Widerstandskraft. Längst warte ich auf jemanden, der ihm auf Augenhöhe argumentativ mithalten könnte. Aber wie es scheint sind ihm alle unterlegen und können ihn lediglich mit "Dreck" bewerfen. Ich ziehe den Hut vor diesem Mann. Den Platz in den Geschichtsbüchern hat er sich auf alle Fälle gesichert.

    • Hubert K am 02.01.2012 17:37 Report Diesen Beitrag melden

      Und warum schweigt er?

      Soso, Franz S. Und warum hört man dann nichts von Christoph Blocher? Einfach abgetaucht. Keine Stellungnahme, kein kritisches Interview - nichteinmal ein Statement. Und wie sieht es mit der SVP aus? Abgetaucht - wie die gesamte Führung. Passt das zu dem nach Ihrer Einschätzung grossen Politiker, den Sie hier idealisieren und in den Himmel loben?

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