City Night Line

22. Juli 2014 10:27; Akt: 22.07.2014 10:28 Print

«Service der Nachtzüge ist ein Trauerspiel»

Wegen zu hoher Kosten baut die Bahn immer mehr Schlaf- und Liegewagen ab. Im Dezember wird eine weitere nächtliche Verbindung eingestellt.

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Die Deutsche Bahn baut immer mehr Nachtzüge ab. (Bild: Keystone)

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Die Nachtzüge der City Night Line (CNL), einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, die alle Nachtzüge aus der Schweiz in Richtung Norden und Süden betreibt, ist ein Ärgernis für Reisende. Eine Schweizer Gruppe wollte mit dem Zug von Amsterdam nach Basel fahren und reservierte einen Schlafwagen der CNL. Doch die Schlafwagen mit den reservierten Abteilen fehlten gänzlich und die Reisenden mussten sich mit Plätzen im Liegewagen zufriedengeben, wie «die Südostschweiz» berichtete.

Bei der Pro Bahn Schweiz ist dieses Problem bekannt: «Der Service wird konstant abgebaut – es ist ein Trauerspiel», sagt Edwin Dutler, Vorstandsmitglied der Kundenorganisation. Immer wieder würden Wagen fehlen, manchmal kämen sie sogar ungereinigt zum Einsatz.

Auf Speisewagen wartet man vergebens

Ausserdem wird seit dem 1. Mai dieses Jahres komplett auf Speisewagen verzichtet. In den CNL-Zügen werden Getränke und Esswaren nur noch sporadisch angeboten. Laut der Deutschen Bahn wegen der hohen Kosten. Neben dem Abbau der Serviceleistungen werden seit Jahren auch immer weniger Destinationen mit einem Nachtzug angefahren. Als Nächstes soll der Zug von Basel nach Kopenhagen im Dezember gestrichen werden.

Das Problem: die Billigflieger. Laut der Deutschen Bahn handelt es sich bei diesen Fluggesellschaften um eine unbestreitbare Konkurrenz. Für das Bahnunternehmen ist das aber trotzdem kein Grund, die Nachtzuglinie CNL aufzugeben. «Die Nachtzüge sollen erhalten bleiben. DB Fernverkehr arbeitet an einem Konzept für die Zeit ab Dezember 2015, um dieses Geschäft zukunftsfähig zu machen», sagt eine Sprecherin in Berlin. Man werde sich auf weniger, aber rentablere Linien beschränken. Was das für die verbliebenen CNL von und nach Zürich bedeutet, ist noch nicht klar.


(saw)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tiffany am 22.07.2014 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso muss gutes verschwinden!?

    Wenn man seit der Einführung der CNL mit diesen Zügen in den Urlaub gefahren ist, merkt man leider den Serviceabbau zu gut. Vom Frühstück, dass im Economyabteil nur noch im Kartonschächtelchen serviert wird (früher gab es sogar hier Fruchtsalat) bis über nicht funktinierende Föns (lieber am Abend vorher testen, als am Morgen mit nassen Haaren da stehen). Es ist schade, denn für Strecken in Europa nehme ich gerne den Nachtzug, kein Einchecken, keine Eingrenzungen beim Gepäck. Schade ist, dass jetzt sogar der Speisewagen gestrichen ist. Das ist nicht mehr fortschrittlich, sondern ein Rückschritt

  • Chris am 22.07.2014 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    zu schlecht geworden

    Ich bin früher oft Richtung Norden gefahren und hab immer auf CNL gesetzt. Seit CNL zur DB gehört ging es abwärts. Ich habe die Umstellung auf das Süsse Kartonschachtelfrühstück mitbekommen (sorry, das Zeugs schmeckt einfach nicht), die Anpassungen beim Personal (in Gesprächen oft zur Sprache gekommen) bis hin zum Abbau vieler Speisewagen. Der Service wird immer schlechter. Sehr schade. denn mir hat die Fahrt immer gut gefallen: kein Warten wie beim Flugzeug, gemütliches Ambiente im Speisewagen, entspannt und stressfrei reisen. Heute würde ich bei der Planung nicht mehr auf CNL setzen...

  • The Observer am 22.07.2014 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nimmt mich nicht wunder...

    Jahrelang hat sich die DB an den Kunden gesundgelabt und wie Gott in Frankreich gelebt. Erkennt man auch gut an den fürstlichen Gehältern, die in der Teppichetage ausbezahlt wurden. Jetzt hat der Kunde gesehen, dass es auch per Flieger günstig durch Europa geht. Allein von bern kommt man nach Köln-Bonn für 79 CHF (158 CHF hin und retour). Kostenpunkt mit der Bahn mindestens 220 CHF, wenn man mit dem ICE dort hin möchte. Auch der Tarifschungel der DB ist eher hinderlich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Glinggel am 04.11.2014 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Da sieht man wohin eine verfehlte

    Verkehrspolitik hinführt. Die Allgemeinheit muss für alle, durch die Fliegerei verursachten Kosten aufkommen, während die Schiene mit immer mehr Abgaben belastet wird, welche sie an die Kunden weitergeben muss. Dies führt unweigerlich zu überteuerten Preisen und einer verzerrten Konkurrenz. Der ganze Privatisierungswahn hat uns einen teuren und schlechten Service-Publique gebracht. Ein Umdenken wäre zwingend nötig!

  • Kenner am 08.08.2014 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    4DPZ

    ...schon mal gesehen???? Morgen Samstag auf dem Netz :-) Fragen....???

  • Peter Gloor am 03.08.2014 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Anfang vom Ende. Danke DB AG

    Jeder, der von den gloriosen Anfängen der City-Night-Line, der als Hotelzug angepriesen wurde, und der anfänglich auch Hotel-Service aufwies, bis heute regelmässig gefahren ist, weiss: Seit nur noch die DB den Zug fährt, ist er immer schlechter geworden. So haben ende der 60-er Jahre die Amerikaner ihre einst grossartigen Züge kapput gemacht, bis es den Kunden verleidete. Der Abbau des Speisewagens und das Sterben von guten Verbindungen ist klar der Anfang vom Ende. Die DB AG glänzt wieder einmal mit kundenfeindlicher Politik. Tiffany kann ich nur beistimmen.

  • T. Jones am 23.07.2014 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was möglich wäre

    Ich fahre häufig Nachtzug. Diese Woche gerade vom Inverness nach London. Der Service war Top, da sieht man wass möglich ist.. (Zug wird von Scotrail (First) betrieben).

    • Peter Gloor am 03.08.2014 21:55 Report Diesen Beitrag melden

      Komfort so-so

      Kenn ich auch, wegen der Luftfederung wurde mir zwar beinahe schlecht.

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  • Heinz Marti am 22.07.2014 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das geht doch nicht

    Eine Sauerei. Da bezahlen wir tonnenweise Subventionen an die Bahnen und die bauen ständig Leistungen ab. Das geht doch nicht. Aber die Politiker schlafen lieber ruhig, als für Ordnung zu Sorgen.