SBB-Vorbild Japan

12. Dezember 2011 18:06; Akt: 13.12.2011 10:42 Print

Der Bahnhof der Zukunft

von Adrian Müller - 70 Meter hohe Bahnhofshallen, Multiplexkinos, Shopping à gogo: Die SBB wollen die Bahnhöfe nach japanischem Vorbild ausbauen. Experten gehen sogar noch weiter.

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Im Bahnhof Kyoto hat sogar das Dach einen Namen: Und zwar Matrix. Dies kommt nicht von ungefähr. Die 70 Meter hohe Bahnhofshalle gleicht eher einem Raumschiff als einem Transport-Hub (siehe Diashow). Dies hat SBB-Chef Andreas Meyer auf einer Studienreise dermassen beeindruckt, dass er nun die Schweizer Bahnhöfe nach japanischem Vorbild ausbauen will: «Dort haben unsere Ideen noch einmal eine grössere Dimension angenommen, wir wollen den originellen Mix auch in der Schweiz vorantreiben», sagte Meyer der «NZZ am Sonntag».

Die 2007 eröffnete, hypermoderne «Kyoto Station» setzte auch in Japan neue Massstäbe. Besucher können etwa durch einen verglasten «Skyway Tunnel» laufen und die Aussicht auf die historische Stadt geniessen, auf gigantischen Treppen Konzerte anschauen und in Shopping-Malls einkaufen, bis die Taschen überquellen.

Shoppingcenter mit Geleisen

Der ETH-Verkehrsplaner Ulrich Weidmann unterstützt die Pläne der SBB, noch mehr auf Kommerz zu setzen: «Die SBB müssen alles aus den Bahnhöfen herausholen und sollten die Entwicklung vorantreiben, indem sie noch stärker die Führung bei Ausbauprojekten übernehmen.» Seine Bahnhofs-Zukunftsvision ist eine «Mischung aus einem Shoppingcenter mit Geleisen, Schulen und Büros». Zentral sei dabei eine gute Orientierung: «Der Zürcher HB etwa ist und bleibt ein Labyrinth; selbst nach 30 Jahren muss man noch den Wegweiser anschauen.»

Kurt Schreiber, Präsident der Passagiervereinigung Pro Bahn, gefallen die SBB-Pläne ebenfalls. «Die Railcitys haben Retuschen nötig. Mit zusätzlichen Cafés und Bars, Konzerten und Wasserspielen könnte man die Bahnhöfe als Begegnungsort aufwerten.» Dem Kommerz dürften aber auf keinen Fall Billettschalter zum Opfer fallen.

Bis wir etwa im Bahnhof Bern durch einen Skyway gehen werden, dürfte es noch lange dauern: «In den Schweizer Bahnhöfen bleibt alles eine Schuhnummer kleiner als in Japan, viele Standorte sind bereits verbaut oder denkmalgeschützt. Aber viele gute Ideen lassen sich dennoch übernehmen», so Weidmann.

Wie sieht für Sie der Bahnhof der Zukunft aus? Was fehlt in der Schweiz? Schreiben Sie Ihre Meinung ins Kommentarfeld.

Rundgang durch die Kyoto Station:

Quelle: Youtube


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rafael B. am 12.12.2011 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sprache verschlagen

    An alle die sich über den Bahnhof von Kyoto auslassen: Schaut euch das Ding mal vor Ort an, da verschlägt es einem echt die Sprache. Vom Bahnsystem ganz zu schweigen (in Tokyo fahren die Züge der Yamanote Linie im 2.5 Minuten Takt, und das mit längeren Zügen als bei uns)

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  • Pierre Stalder am 13.12.2011 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Vorbild

    Ist doch schön, wenn sich die SBB mal ein richtiges Vorbild nehmen. Die Kyoto Station ist wohl der imposanteste Bahnhof, den ich gesehen habe. Die Gärten auf dem Dach bilden Aussichtspunkt und Erholungsraum in einem. Genial!

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  • Pius am 12.12.2011 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bahnhof Bern = Chaos

    Jeden Morgen um 8:00 herrscht Ausnahmezustand am Berner Bahnhof. Alle Wege führen durch die Unterführung und da es dort sowieso eng ist, herrscht das totale Gedränge. Also ich bin mächtig sauer, einmal wäre ich fast auf die Geleise gefallen, weil es so eng war. Bern Bahnhof ist auf jeden Fall ein NO-GO. Züri HB ist der bessere. Aber dort vermisse ich in der Unerführung Coop und Migros.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner am 15.12.2011 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Metro-Bahnen unter den Boden verlegen

    Die Landschaft-Verwüstung durch Geleise + Stromleitungen muss entlich beseitigt werden. Am besten die Bahn unter der Autobahnen durchführen, damit die Land-Verschandelung und Verkehrs-Unfälle aufhören.

  • Fabian am 14.12.2011 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Touristen

    China und Japan haben topmoderne Städte und ein sehr modernes öV-System! Trotzdem lieben ihre Landsleute unser Land zu besuchen. Diese mögen unser öV-System und fahren gerne Zug in der Schweiz! Denen gefallen unsere Bahnhöfe so wie sie sind! Bestimmt wollen die keine Kopie ihrer Bahnhöfe besuchen.

  • Rico am 14.12.2011 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Muss kein Bhf. sein , dafür Service

    Einen Super Bahnhof. Wäre schon zufrieden die SBB würde Zugbegleiter in den Zügen haben, dass man Billette wieder im Zug kaufen kann,wieder vermehrt bediente Bahnhöfe, wo man sich erkundigen kann ohne für einen Telefonanruf bei der Bahnauskunft zwischen 3.-- und 6.-- Frs.zu zahlen. Oder bediente Schalter im HB Zürich, 3 Schalter offen und 34 Leute stehen an. u.s.w. u.s.w. u.s.w.

  • sven meier am 14.12.2011 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    investiert mehr!

    die SBB will so einen Bahnhof? Finanziell scheints demfall glänzend zu laufen ... wenn sie die Preise noch um 5% erhöhen gibts vieleicht noch goldene toiletten.

  • Andreas Hohl am 14.12.2011 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Toller Bahnof

    Ich war 2005 selber in Japan und 3 Tage in Kyoto. Der HB von Kyoto ist wirklich phänomenal, komfortabel, gut organisiert und top sauber. Halt nicht so ein Zürich 0815-Bünzli-Klotz von einem No-Name-Architekten. Die Züge halten, wie überall in Japan, millimetergenau an. Für Blinde sind akustische und taktile Hilfen eingebaut. Der Bahnhof lädt wirklich zum Verweilen ein. Da könnten sich viele Bahnhöfe noch eine Scheibe abschneiden!