Unbezahlte Bussen

09. Dezember 2011 18:10; Akt: 09.12.2011 21:18 Print

SBB entgehen 10 Millionen Franken

Mit dem SBB-Fahrplanwechsel am 11. Dezember müssen Reisende ohne Billett 90 Franken Strafe bezahlen. Schon heute bleibt die SBB auf unbezahlten Bussen im Wert von 10 Millionen Franken sitzen.

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Ab dem 11. Dezember müssen Zugreisende ohne Billett im Fernverkehr 90 Franken Busse bezahlen. Bereits heute würden Zehntausende ihre Billettbusse nicht bezahlen, wie die Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens heute Abend berichtet. Mit der neuen Bussenregelung ab dem Fahrplanwechsel dürfte die Anzahl unbezahlter Rechnungen weiter steigen.

Der finanzielle Schaden durch zehntausende Reisende, die Ticketbussen nie bezahlen, ist enorm.
Allein 2500 Passagiere sind in der Kartei, die sechs und mehr Billettbussen nie bezahlt haben.
SBB-Sprecher Reto Kormann bestätigt gegenüber der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens: «Wir schreiben jedes Jahr zehntausende Reisende ohne gültigen Fahrausweis ab. Alleine dadurch entgehen der SBB zehn Millionen Franken Billettbussen jährlich.»

Gründe sind laut Kormann: Schwarzfahrer sind weggezogen, geben falsche Personalien an, oder es
ist trotz Betreibung kein Geld zu holen. Nicht eingerechnet ist in den zehn Millionen Franken der
riesige administrative Aufwand, den die Bahn betreibt.

«Mit jeder Busse steigt das Aggressionspotenzial»

Giorgio Tuti, Präsident des Schweizerischen Eisenbahnerverbands SEV, geht davon aus, dass ab
Fahrplanwechsel die Anzahl unbezahlter Bussen noch steigen wird. Denn: Die SBB führen die
Bussenregel auch in Fernverkehrszügen ein. Giorgio Tuti sagt gegenüber «10vor10»: «Mit jeder
Busse steigt das Potenzial von Aggressionen gegen Zugbegleiter. Wir befürchten, dass Kondukteure
vermehrt verbal und auch tätlich angegangen werden.»

SBB-Sprecher Kormann meint zum befürchteten Anstieg unbezahlter Billettbussen: «Wir werden
sehen, ob das Problem zunimmt. Die meisten unserer Kunden haben ein Ticket, wenn sie in den Zug
einsteigen.» Zudem habe man Zugbegleiter angewiesen, die umstrittene Billettpflicht mit Augenmass
und kulant anzuwenden.

Der Beitrag wird heute Freitag, den 9. Dezember 2011, um 21.50 Uhr in der Sendung «10vor10» auf SF 1 ausgestrahlt.

(hag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • meccano am 10.12.2011 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    teufelskreis

    ist dies kein offzialdelikt, d.h., können solche leute nicht betrieben werden? allerdings ist einzuräumen, dass u.u. dadurch kosten entstehen, die noch höher sind, als eine nichtbezahlte busse, denn, sollte es zur pfändung kommen, ist vermutlich nichts zu holen, weder an mobilien noch an einkommen! eigentlich ein teufelskreis!

  • Ruedi Furrer am 10.12.2011 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Konflikte vorprogrammiert

    Als Reisezugbegl. kann ich dem Beitrag nur zustimmen. Leider wird seitens der SBB Leitung stets das Gegenteil behauptet. Wir Zugbegleiter freuen uns gar nicht auf den Fahrplanwechsel. Denn was heisst "kulant" sein, wenn es um Bussen geht??

  • flavio am 09.12.2011 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu teuer..

    finde das hauptproblem ist, dass es zu teuer ist..die sbb sollte billigere preise machen dann wär zumindest die zufriedenheit der kunden grösser und jetzige schwarzfahrer würden es sich auch mal n ticket leisten,da viele keins bezahlen aus prinzip weil es zu teuer ist^^die sbb verdient ja schon genug

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nordmann T. am 12.12.2011 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    "Augenmass" Fehlanzeige

    Schwarzfahren ist nicht korrekt, doch das neue Kontroll- und Bussenregime ist ein Rückfall ins Mittelalter. Und das geforderte "Augenmass" fehlt vor allem denen im S-Bahn Verkehr. Jeder Passagier wird grundsätzlich als Schwarzfahrer angesehen! Als langjähriger GA-Besitzer, der nun mal auch das Portemonnaie mit GA zu Hause vergessen hat, wird angeschnauzt und als Schwarzfahrer hingestellt. Kundenfreundlichkeit Fehlanzeige bei diesem Dienstleistungsbetrieb!

  • Gleis Auto am 11.12.2011 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kunden verliert man schnell

    Wenn die SBB gute Kunden rigoros büssen wegen einem 1 Mal versehentlich vergesesenen Billet sind sie selber schuld. Ich war einmal guter Kunde - jetzt aber nicht mehr!

  • René Widmer am 11.12.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wem entgeht etwas???????

    Der SBB entgeht überhaupt nichts, weil dieser Ausfall nämlich ganz einfach in die neuen Preise eingerechnet wird. Genau wie bei Migros und Coop etc. die Ladendiebstähle mit in die Preisgestaltung fliessen. Dem Steuerzahler und Kunden entgehen die 10 MIO. So einfach ist das!!!!

  • ruedi matt am 10.12.2011 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    SBB - Gesetzesvollstrecker

    Das Hauptproblem sehe ich bei der Umsetzung der Gesetzgebung. Der Bund übertragt die Gerichtsbarkeit den ausführenden Betreiber, SBB, Polizei, Politik, Steuern Wirtschaft und überlässt Ihnen gleichzeitg das erstellen der Bussen und des Strafenumfanges. Wehrt sich der Bürger gegenüber einer, so über Ihn verfügten Ordnungs-busse, muss das Ereigniss von der Gesetzgebenden Behörde neutral beurteilt werden. Die Rechnung ist schnell gemacht, welche Variante mehr Geld einbringt, auch wenn das 10 millionen *Verlust* einfährt als sich über die Höhe der verabreichten Busse rechtfertigen zu müssen.

  • ehrlicher am 10.12.2011 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    ohne eintritt bezahlen...

    ohne eintritts billette kommt man schliesslich auch nicht in ein kino ect.