Speed-Offensive

06. November 2013 15:40; Akt: 06.11.2013 17:27 Print

«WLAN im Zug bringt Passagieren nichts»

von Adrian Müller - 4G-Antennen statt Wi-Fi – SBB-Chef Andreas Meyer erklärt im Interview die neue Surf-Strategie der Bundesbahnen. Und wie er den Handy-Anbietern Beine machen will.

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Herr Meyer, warum baut die SBB definitiv kein Wi-Fi in die Züge ein?
Ein WLAN allein macht unsere Kunden noch lange nicht glücklich – Wi-Fi ist ein Trugschluss und kein Synonym für schnelles Internet im Zug. Denn entscheidend ist, wie gross die Bandbreite zum nächsten Mobilfunkmasten ist. Um den Empfang in den Zügen zu verbessern, rüsten wir mit Hochdruck sämtliche Wagen im Fernverkehr mit 3G/4G-Verstärkern aus. Und wollen bis 2020 auch die S-Bahn-Kompositionen auf gutes Surfniveau bringen.

Umfrage
Die SBB verzichten auf Wifi im Zug. Was halten Sie davon?
36 %
35 %
29 %
Insgesamt 5110 Teilnehmer

Aber in den deutschen ICEs oder den österreichischen Railjets funktioniert das Wi-Fi anscheinend bestens.
Wo Wi-Fi im Zug draufsteht, ist noch lange keine schnelle Internetverbindung drin. Stichprobenmessungen der SBB im Ausland haben ergeben, dass der Internetempfang mit unseren 3G/4G-Antennen deutlich besser ist als etwa in ausländischen, mit Wi-Fi ausgerüsteten Hochgeschwindigkeitszügen. Aber wir geben natürlich weiter Vollgas, um die verfügbare Bandbreite weiter zu erhöhen.

Trotzdem: Mit dem Verzicht auf WLAN im Zug geben Sie die Führungsrolle im Schweizer ÖV ab – in Postautos surfen schon Tausende mit dem Gratis-Wi-Fi.

In einem vollen SBB-Intercity surfen und telefonieren bis 1200 Menschen bei 200 km/h gleichzeitig – und wechseln dabei alle 20 Sekunden die Handy-Funkzelle. Das sind ganz andere Anforderungen an die Technik als in einem Postauto.

Für viele SBB-Passagiere ist die Internetverbindung fast wichtiger als die Zugverbindung. Wie wollen Sie den Speed in den Zügen weiter erhöhen?
Zentral ist, dass die Mobilfunkbetreiber aufrüsten und zusätzliche Handymasten aufstellen. Um diese für den weiteren Ausbau zu motivieren, führen wir nächsten Frühling eine gross angelegte Studie durch: Sie soll genau aufzeigen, wo auf dem Bahnnetz welcher Mobilfunkanbieter das beste Netz anbietet. Diese Resultate werden wir natürlich auch veröffentlichen.

Die SBB rüsten darüber hinaus 100 Bahnhöfe mit Gratis-Wi-Fi aus. Warum eigentlich?

Der Pilotbetrieb in Bern-Wankdorf und Burgdorf hat gezeigt: Bereits jeder vierte Bahn-Passagier hat sich ins Gratis-Wi-Fi eingeloggt. Die Idee ist, dass sich die Passagiere etwa vor der Abfahrt im Zug noch rasch ein E-Paper oder ein Video runterladen können. Und auch im Bahnhof gratis aufs Netz zugreifen können, um den Fahrplan abzufragen oder Infos zu gesuchten Läden abzurufen.

Als SBB-Chef fahren Sie mit dem Zug kreuz und quer durch die Schweiz. Wann haben Sie sich zuletzt über schlechten Handy-Empfang aufgeregt?
Als ich kürzlich von Lausanne nach Bern fuhr, konnte ich plötzlich weder mit meinem Büro telefonieren, noch Daten auf mein iPad laden. Klar ist aber auch: In den letzten Monaten hat sich die Verbindung dank den Verstärkern insgesamt stark verbessert.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Es gibt immer noch Leute die im Zug auch mal ins Internet wollen wenn sie länger unterwegs sind, aber eine Pre-Paid karte haben. Da nützt 4g wenig. – Tino S

Schon mal daran gedacht, dass es Leute gibt, die ohne Smartphone unterwegs sind, und nicht alle Geräte eine Handyantenne haben? Ich persönlich besitze kein Internetfähiges Gerät, das eine Handyantenne hat - trozdem ist Internet unterwegs wichtig, ich reise mit Laptop. Und bevor manche denken, ich sei irgendwie 80 oder so und ginge nicht mit der Zeit - ich bin 18... – R.F.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pendler am 06.11.2013 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Und das Kerngeschäft?

    Mir wäre mit einem Sitzplatz und pünktlichen Zügen und NICHT ständig steigenden Preisen gedient. Für Internet kann ich selber schauen und zahlen. Die SBB sollen sich bitte um ihr Kerngeschäft kümmern. Dieses dafür endlich anständig bereitstellen.

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  • paulchen am 06.11.2013 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wohw Wahnsinn

    mein Gott wie sensationell. Die würden besser wieder etwas Dienstleistung wieder einführen oder günstiger werden.

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  • Paul M. am 06.11.2013 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbare Zukunft

    Dann starren die Leute nicht nur auf der Strasse, sondern auch im Zug dauernd auf ihr iPhone oder Smartphone. Soziale Kontakte gibts dann nur noch virtuell, aber nicht mehr real. Wirklich schöne neue Welt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 08.11.2013 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Velo

    ...be offline, go Velo!

  • ZedsDeadBaby am 08.11.2013 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Genug Steckdosen

    in jedem Zug wäre auch nicht schlecht.

  • Roger am 08.11.2013 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habs langsam soooo satt!!

    Der Anblick all dieser Leute mit ihren Geräten in den Ohren in der Hand auf dem Schoss... Gemeinsam einsam!? Es geht nicht mehr lange, da müssen wir Workshops besuchen in denen man lernt wieder aufeinander zuzugehn.. Auf den Nachbar zu Hause im Zug im Büro, den Partner usw... real, echt und in Fleisch und Blut, anstatt virtuell irgendo mit irgendjemandem auf dieser Erde...

  • Paul Meister am 08.11.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder

    witzig dass der österreichische Railjet als gutes Beispiel angeführt wird. Ich fahre regelmässig mit dem Railjet und finde das W-Lan einfach nur lausig langsam. So was brauch ich nicht wirklich

  • fred am 08.11.2013 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    der mit dem schal bei 30°C

    kann das jemand erklären? das sind ja nicht original antennen von den providern, können die 'signalverstärker' zugriffspunkte nicht einfacher abgehört werden?