Probleme bei den SBB

05. Januar 2014 04:56; Akt: 05.01.2014 08:16 Print

Neue Züge kommen noch lange nicht

SBB-Chef Andreas Meyer muss eingestehen, dass sich die Lieferung der neuen Doppelstöcker wohl noch weiter verzögert. Bombardier kann wohl nicht einmal bis 2015 liefern.

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So sollen sie aussehen, die neuen Doppelstockzüge der SBB - wenn sie denn einmal geliefert werden sollten.

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Die neuen Doppelstockzüge für knapp zwei Milliarden Franken bereiten der SBB weiter Ärger. Geplant war die erste Lieferung für Ende 2013. Sie wurde auf 2015 verschoben. Aber auch dieser Termin ist laut SBB-Chef Andreas Meyer nicht sicher.

«Bombardier hat gravierende Probleme bei der Konstruktion und Fertigung der Züge», sagte Konzernchef Andreas Meyer in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Er hoffe, dass der Hersteller Bombardier den Termin einhalten könne, sicher sei er da aber nicht.

Die SBB erwarte seit längerem einen verbindlichen und nachvollziehbaren Lieferplan. «Bis heute liegt uns ein solcher aber nicht vor.» Meyer verwies darauf, dass Bombardier in Deutschland und Österreich ebenfalls Lieferverzögerungen habe.

Gedanken zu Plan B

Derzeit stehe ein Ausstieg aus dem Vertrag zwar nicht zur Debatte, sagte Meyer auf eine entsprechende Frage. «Aber wenn wir feststellen, dass die Züge nicht auf die Schienen gebracht werden, müssen wir uns nach Alternativen umschauen».

Die SBB bezeichnete den Auftrag für 59 Doppelstockzüge für 1,9 Milliarden Franken bei der Vergabe 2010 als grössten in ihrer Geschichte. Es geht um 436 Wagen mit über 36'000 Sitzplätzen. Dem kanadischen Konzern waren die Mitkonkurrenten Stadler Rail aus der Ostschweiz sowie die deutsche Siemens unterlegen. Bombardier legte das günstigste Angebot vor.

An der Verzögerung ist Bombardier allerdings nicht alleine schuld. Zwar kämpfte der Hersteller mit Problemen mit der Wagenkonstruktion. Das ursprüngliche Konzept genügte nicht für Geschwindigkeiten über 200 km/h. Allerdings kam es auch zu einer Verzögerung, weil die SBB Änderungen am Design vornehmen musste.

Zu früh für Aussage zu Tariferhöhung

Ob das Bahnfahren auf den nächsten Fahrplanwechsel im kommenden Dezember teurer wird, lässt sich laut Meyer derzeit noch nicht sagen. Das habe nichts Taktik wegen der baldigen Abstimmung vom 9. Februar zum Bahnpaket FABI zu tun, es fehlten schlicht die nötigen Grundlagen für eine Tarifschätzung. Meyer erinnerte aber daran, dass die Nutzer heute weniger als die Hälfte der effektiven Kosten tragen.

FABI ordnet die Bahnfinanzierung neu. Unterhalt, Betrieb und Ausbau werden aus einem Topf bezahlt. Dabei sollen unter anderem auch die Bahnnutzer stärker zur Kasse gebeten werden. Dafür wird mit einem zusätzlichen Bahnausbau in der Höhe von 6,4 Milliarden Franken bis 2025 auch das Angebot verbessert.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peddrolini am 05.01.2014 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ungerecht

    Der Bund/SBB kauft alles im Ausland weil billig. Aber wir Normalos werden angeprangert wenn wir im Ausland einkaufen.

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  • DonChisciotte am 05.01.2014 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe die Vernuft!

    Toll! Zuerst die "wunderbare" Erfahrung mit dem italienischen Cisalpino und nun der fröhliche Beginn mit dem kanadischen Bombardier......Aber keine Sorge: unsere Super-Millionen-Manager haben sicher die bestmögliche Entscheidung gefällt.....und überhaupt, eine Alternative aus der Schweiz hat es bekanntlich sowieso nicht gegeben........

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  • Beat Hemmi am 05.01.2014 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    So solls sein

    Ich gönns der SBB... hoffentlich machen ihr die neuen Züge noch viel Ärger. Wenn ein Betrieb wie die SBB einem ausländischen Hersteller, einem Heimischen (Stadler Rail) den Vorzug gibt, hat sie nichts anderes als Ärger verdient!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonym am 05.01.2014 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die Nörgeler

    Ich glaube wenn die Nörgeler mal nichts zu motzen haben, dann motzen sie das sie nichts zu motzen haben. 1. Bei dieser Verzögerungen kann die SBB wenig bis nichts dafür. Es gab noch verzögerungen weil andere Einsprachen erhoben und das Gericht klähren musste. Wenn Bombardier nicht einmal einen Zeitplan herausgiebt, ist der Fehler schon bei Bombardier zu suchen. 2. Wenn man Stadler gewählt hätte, wäre es teurer gewesen und da hättet ihr auch gemotzt. 3. Preise: Überlegt mal was Unterhalt und Ersatz von Systemen, Signale, Weichen, Schienen und Rollmaterial kosten. Ein kleines Beispiel. Lok Re 460 neu 6 Mio Franken pro Stück, haben z.T. 5 Mio Kilometer auf Zähler und es kommen noch mal gleich viel dazu bis zu ihrem ende. Ein Personenwagen kostet auch schon über 2 Mio Franken. 4. Quersubension: Wer Punkt 3 liest und ein bisschen überlegt, der sieht ein das sich der ÖV nicht tragen kann. 5. Wenn es einen Unfall giebt und verspätung, motzt ihr ja auch. Dies zu verhindern kostet eben auch. Habt vertrauen, die SBB wissen schon was sie machen! Ich fahre viel Zug, bin auch schon im Ausland mit dem Zug unterwegs gewesen, siehe gar keinen Grund wieso man sich über die SBB beschweren sollte. Ihr jammert auf einem sehr hohen Niveau.

  • Stefan Mader am 05.01.2014 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ABB ist Bombardier

    Bombardier ist schweizerisch, ehemals BBC/ABB und Alstom für die Neigegestelle. Schweizerischer gehts nicht mehr, sogar die elektronik wird bei uns produziert (Dättwil/Lenzburg/Turgi/Baden).

  • Aerotime am 05.01.2014 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Könnte ja sein

    Vielleicht hat ja der einheimische Anbieter einfach ein "V" welches den Genossen S_P nicht gepasst hat.

  • Vasco Rossi am 05.01.2014 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig Stauplatz in neuen Zügen.

    Wenn ich mir die Bilder anschaue wird es ganz schön eng in diesem Zug wenn Reisende und Reisendeinnen mit sperrigen Koffern diese abstellen möchten. Dafür WLAN wo jeder heutzutage eine Flatrate hat. Kopfschüttel, schüttel.

  • Grau am 05.01.2014 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ich werde wahrscheinlich tot sein

    Ich habe mich schon so sehr darauf gefreut endlich in den neuen IC Zügen zu fahren. Nun werde ich wohl auch das nicht mehr erleben. Bis die Züge raus sind wird bestimmt schon der Gotthard Tunnel fertig sein und ich gar nicht mehr am Leben.