Lokführer-Verband

07. Februar 2011 18:24; Akt: 07.02.2011 18:29 Print

«So verkommt der Beruf zum Feierabendjob»

von Felix Burch - Die SBB wollen ihren Lokführer-Mangel mit Teilzeitpensen wettmachen. Frauen sollen in die Bresche springen. Das Thema schlägt hohe Wellen.

storybild

Werden bald mehr Frauen im Führerstand arbeiten? (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die SBB stehen vor grossen Aufgaben. Weil der Verkehr in den nächsten zehn Jahren auf dem Schienennetz markant steigen wird und viele Pensionierungen anstehen, brauchen die Bundesbahnen rund 1000 zusätzliche Lokführer.

Deshalb wird neu eine Teilzeit-Ausbildung für Lokführer angeboten. Unterrichtet wird an drei Tagen in der Woche, die ganze Ausbildung dauert 70 Wochen. Dadurch sollen Frauen für den Beruf gewonnen werden, auch solche, die wegen familiären Verpflichtungen keine Vollzeit-Ausbildung absolvieren können. «Wir hoffen, dass wir mit dieser Massnahme den Frauenanteil heben können», sagte SBB-Sprecher Reto Kormann der «NZZ am Sonntag».

«Wie familienfreundlich ist der Beruf?»

Hubert Giger, Präsident vom Verband Schweizer Lokführer VSLF, ist alles andere als begeistert: «Uns stört, dass die SBB mit ihrer jüngsten Rekrutierungsmassnahme den Lokführerberuf als familienfreundliche Anstellung verkauft, das ist der Job schlicht und einfach nicht.» Oft wüssten die Lokführer erst zwei Tage im Voraus, wann sie zum Einsatz kämen.

Die SBB gingen heute nicht auf Teilzeit-Wünsche von Lokführern ein, so Giger. Werde dies durch das neue Modell den neuen Lokführerinnen oder Lokführern zugesichert, bestrafe man die, die schon lange im Beruf seien. «Jemand, der schon 20 Jahre Lokführer ist, müsste Lückenbüsser spielen, weil die neuen Teilzeit-Angestellten feste Touren bekommen, das ist unfair.»

Ärger über die Kritik des Verbandes

Kormann widerspricht dem vehement. «Wegen des neuen Teilzeitmodells wird die Arbeitsbelastung der anderen Lokführer nicht steigen.» Er ärgert sich über die Reaktion des VSLF. «Der Verband spricht ständig von zu wenig Lokpersonal. Präsentieren wir dann neue Modelle, die dem entgegenwirken, ist dies auch nicht recht.»

Giger kann der neuen Teilzeit-Lösung dann auch tatsächlich wenig Gutes abgewinnen: Der Lokführerberuf verliere durch die Massnahmen für einen Teil an Attraktivität. «Durch die Teilzeit-Ausbildung verkommt unser Beruf zum Feierabendjob.» Die Zufriedenheit unter den Lokführern sei jetzt schon tief, das neue Modell trage sicher nicht dazu bei, dies zu verbessern.

Auch diesem Kritikpunkt widerspricht Kormann. Die Anforderungen, wie die Inhalte der Teilzeit-Ausbildung, seien genau dieselben wie die bei den normalen Lokführern. Die Ausbildung erstrecke sich einfach über einen längeren Zeitraum. Etwas Modernität schade dem Beruf sicher nicht. Lokführer sei für viele weiterhin ein Traumberuf, durch das neue Modell hätten mehr Frauen die Möglichkeit, diesen zu ergreifen.

Erste Bewerbungen eingegangen

Schliesslich ist man beim VSLF skeptisch, ob die Teilzeit-Ausbildung Erfolg haben wird. 2006 warben die SBB an den Zürcher Hochschulen bei Studenten für den nebenamtlichen Beruf des Lokführers. Zehn wurden fertig ausgebildet, vier sind heute noch aktiv. Kurmann räumt ein, die Studenten-Rekrutierung sei nicht gerade ein Erfolg gewesen. Das neue Modell sei aber etwas ganz anderes. Bei den SBB gingen bereits erste Bewerbungen ein. Und: Für entsprechende Infoveranstaltungen haben sich ebenfalls schon mehrere Personen gemeldet - unter ihnen sind Frauen und Männer.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Angestellter SBB Cargo am 08.02.2011 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Antstellungsbedingungen

    Sehr geehrte Herren der SBB Wie wäre wenn Sie die Anstellungsbedingungen attraktiver gestalten würden??? Dann hätten Sie sicher auch viel mehr junge Interessenten! Es ist ja zum Heulen, was wir für Löhne erhalten für diese Verantwortung!!! Ich kenne viele die Interesse hätten, aber so.....

    einklappen einklappen
  • Ralph Wüthrich am 07.02.2011 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Charlton Heston

    Wie sagte schon Charlton Heston: Eine Waffe in der Hand eines schlechten Mannes ist eine schlechte Sache, in der Hand eines guten Mannes ist eine Waffe aber für niemanden eine Bedrohung, ausser für schlechte Leute..."

  • Stefan am 07.02.2011 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ex-Traumjob

    Ich war an einem Infotag für Lokführer, hätte den Beruf gerne gelernt und ausgeübt. Leider schreiben die Leute einen festen BMI vor, mit der Begründung, das man ja in der lage sein soll, ein Triebwagen zu erklimmen. Ich bin zwar ein Kasten, renne aber die 100meter wie jeder andere auch plus ich bin bisher in jeden Führerstand gekommen wo ich rein durfte... Die Suchen nicht wirklich, ich war Motiviert, leider scheiterte der Traum an Details...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 08.02.2011 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wer braucht schon Qualtiät

    Ist doch überall das selbe. Ein langsamer Zerfall von Qualität welcher mit höhren Gebühren aber locker weggepackt wird. Dazu eine Priese gute Verkaufsstrategieen und die meisten aktzeptieren dies einfach. Ist wie bei der Polizei, den Lehrern, den Pflegeangestellten. Statt die Leute da endlich ernst zu nehmen und ihre Bedürfnisse zu decken, werden einfach Leute gesucht, die den selben Mist zu nidrigereren Standarts machen. Und am schluss fragt man sich, wieso die Leistung nicht mehr stimmt..

  • Angestellter SBB Cargo am 08.02.2011 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Antstellungsbedingungen

    Sehr geehrte Herren der SBB Wie wäre wenn Sie die Anstellungsbedingungen attraktiver gestalten würden??? Dann hätten Sie sicher auch viel mehr junge Interessenten! Es ist ja zum Heulen, was wir für Löhne erhalten für diese Verantwortung!!! Ich kenne viele die Interesse hätten, aber so.....

    • Daniela am 08.02.2011 16:36 Report Diesen Beitrag melden

      unmöglich

      ...genau ein anfangs-lohn von 4000 fränkli für diese verantwortung...das ist einfach ein hohn. und wie soll man damit bitteschön heutzutage eine familie durchkriegen ?

    einklappen einklappen
  • Stefan am 07.02.2011 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ex-Traumjob

    Ich war an einem Infotag für Lokführer, hätte den Beruf gerne gelernt und ausgeübt. Leider schreiben die Leute einen festen BMI vor, mit der Begründung, das man ja in der lage sein soll, ein Triebwagen zu erklimmen. Ich bin zwar ein Kasten, renne aber die 100meter wie jeder andere auch plus ich bin bisher in jeden Führerstand gekommen wo ich rein durfte... Die Suchen nicht wirklich, ich war Motiviert, leider scheiterte der Traum an Details...

    • Martin am 14.02.2011 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      Herz und Kreislaufprobleme führen zur Kündigung

      BMI ist auch ein Zeichen der Gesundheit. Sie müssen auch noch mit 60 einen gesunden Kreislauf haben, Probleme mit dem Zucker usw. führen zur Kündigung. Es ist schon vorgekommen das Lokführer die auf der Strecke aussteigen mussten nicht wieder einsteigen konnten, weil sie zu dick und zu klein waren.

    einklappen einklappen
  • AME am 07.02.2011 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    Automatisation

    In 20 Jahrenwird de Beruf de Lokführers langsam aussterben,da auch in diesem Bereich alles automatisiert wird!Heute gibt es erste Autos die selbständig fahren und auf den Geleisen ist das noch viel einfacher zu bewerkstelligen.Also Lokführer zieht euch warm an )

  • Schirna am 07.02.2011 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal mehr..

    Wenn die Männer irgend etwas auf der Welt nicht mehr schaffen, dann aber veilfach nur dann sind die Frauen gut genug es zu richten !!

    • Clau am 22.03.2011 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      Wer ist schuld daran?

      Das stimmt schon. Doch viele Frauen wollen einen Job wie diesen gar nicht ausüben.

    einklappen einklappen