Eklat bei Zugbestellung

22. Januar 2014 16:57; Akt: 22.01.2014 19:51 Print

Bombardier fordert von SBB 326 Millionen Franken

Machtkampf um Millionen-Entschädigung: Weil die SBB den Projektablauf gestört haben sollen, sieht sich Zug-Hersteller Bombardier nicht mehr an die Liefertermine gebunden.

storybild

Sollen 2015 zum erste Mal auf den Schienen rollen: Die neuen Doppelstockzüge der SBB. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Hinter den Kulissen brodelt es zwischen Hersteller Bombardier und den SBB. Der Zugbauer richtet schwere Vorwürfe an die Bahn und stellt die Liefertermine der neuen, 1,9 Milliarden Franken teuren Doppelstockzüge infrage. «Für Bombardier ( …) bestehen keine gültigen vertraglichen Liefertermine mehr», stellte das Unternehmen gegenüber der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens klar.

Stephan Wehrle, Leiter Medienstelle der SBB, bestätigt die Vorwürfe. «Wir haben Kenntnis von der Forderung von Bombardier», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Forderung sei aus Sicht der SBB haltlos. «Tatsache ist, dass wir mit Bombardier zusammenarbeiten und versuchen wollen, die Züge so rasch wie möglich auf die Schiene zu bringen», wo Wehrle. «Bombardier wirft den SBB vor, sie hätten den vertraglichen Projektablauf durch unzulässige Eingriffe in den Designprozess gestört.»

Für die Passagiere sollte der Knatsch kaum Auswirkungen haben. Bombardier-Schweiz-Chef Stephan Wettstein zeigte sich im Interview mit der Sendung optimistisch: «Die Passagiere werden Ende 2015 mit den ersten Zügen fahren können.» Für Wettstein wurde das Projekt seit der Zugbestellung durch laufende Änderungswünsche massiv verteuert. «Wir haben Mehraufwendungen, die man in einer Projektabwicklung mitberücksichtigen muss. Wer wie viel der Mehraufwendungen von beiden Seiten tragen soll, ist Gegenstand von Verhandlungen.»

Verkehrspolitiker fordern Klarheit

Zurzeit klären die SBB ab, wie sie auf die Bombardier-Forderung über 326 Millionen Franken reagieren wollen. Kommt es zu einem Deal der beiden Parteien? Im internen Dokument schreiben die SBB: «Bevor Zahlungen an Bombardier geleistet werden, ist durch die Projektleitung abzuklären, ob eine Verrechnung mit Pönalen (Strafzahlungen für verspätete Zugslieferung, Anm. der Red.) erklärt wird.» Mit andern Worten: Das Verrechnen der gegenseitigen Forderungen käme einem Schuldeingeständnis der SBB gleich – zu Lasten der Steuerzahler.

Verkehrspolitiker sind über die Beschaffungsprobleme der SBB alarmiert. In einem offenen Brief fordert die FDP Klarheit von SBB-Chef Andreas Meyer. Verkehrspolitiker und FDP-Nationalrat Markus Hutter sagte zur «Rundschau»: «Der Schaden durch die verspätete Lieferung ist da. Käme noch die Bombardier-Forderung von 326 Millionen hinzu, wäre dies der GAU, das muss man mit allen Mitteln verhindern.» SP-Verkehrspolitiker Roger Normann kommentiert: «Zusätzliche Forderungen sind nicht das Richtige im aktuellen Moment, weder von den SBB noch von Bombardier.»

(bee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alois Escher am 22.01.2014 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ja früher..

    Hattte die Schweiz noch eine richtige Eisenbahnindustrie mit BBC, SIG, Altenrhein,... und damit weltweit Standards gesetzt. heute werden die Steuergelder ohne Gegenleistung im ausland verprasst.

    einklappen einklappen
  • A. C. am 22.01.2014 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB-Meyer

    Wenn die Vorwürfe seitens der Bomardier zutreffen sollten und die "Schadenersatzsumme" damit in Ordnung geht, wäre Herr Meyer abzusetzen. Er müsste unverzüglich abdanken!

    einklappen einklappen
  • Preise Rauf am 22.01.2014 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2. Liga

    Staatsbetriebe: typische 2. Liga Manager, am Schluss kann man ja immer noch die Billett-Preise erhöhen. Angst vor Pleite, warum auch?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Louis am 24.01.2014 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nein zu FABI und SBB-CEO Meyer weg

    Die SBB Konzernleitung angefangen bei CEO A. Meyer und VR-Präsident U. Gygi gehört so schnell wie möglich ausgewechselt. FABI wird gestoppt (nach dem Volks-Nein am 9.2.14) und neu aufgesetzt. Fertig mit den Träumereien der SBB auf Kosten der Pendler und Steuerzahler. Die SBB Angestellten machen einen guten Job; aber die SBB-Führung ist eine Katastrophe.

  • P.S. am 24.01.2014 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem, wir Autofahrer zahlen das

    Ist doch alles kein Problem. Doris Leuthart holt die paar Franken bei den Autofahrern. Darum ein klares Nein zu Fabi

  • Urs Chweizer, Olten am 24.01.2014 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Abstimmung!

    So für mich ist eines klar!!!! FABI NEIN!!!!!

  • Franz Bodenmüller am 23.01.2014 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt halt von der Schnäppchenjagd

    Immer das gleiche: Grosse Aufträge müssen ausgeschrieben und an den (vermeintlich) billigsten vergeben werden. Der kann dann nicht liefern und klagt unverschämterweise selber noch. Dabei hat Bombardier von Anfang an gewusst was es kostet, aber um den Auftrag zu bekommen sind sie unten rein mit dem Preis.

  • Leimgruber am 22.01.2014 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie komisch verkorkst

    Bombardier hat eine Niederlassung in der Schweiz, ich weiss zwar nicht ob die auch die Bahnen hier bauen, aber sollte es so sein, muss überprüft werden ob hier Schmiergelder bezahlt wurden und wieviel Steuern die hier bezahlen oder ob alles ans Mutterhaus in Kanada geht. Interessant auch wieviele Lehrlinge sie hier beschäftigen.