Bund gegen SBB

22. Mai 2013 11:27; Akt: 22.05.2013 18:39 Print

Nachtzuschlags-Bussen sind unzulässig

Das Bundesamt für Verkehr pfeift die SBB zurück: Sie dürfen künftig bei fehlendem Nachtzuschlag nur noch in wenigen Fällen eine Busse verteilen.

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Wer nacht am Bahnhof ein Billet löst, soll automatisch eines mit Nachzuschlag erhalten. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Wer nachts mit Zug oder Bus nachhause fährt, hat es ziemlich sicher schon erlebt: Passagiere – oft stark alkoholisiert – die keinen Nachtzuschlag gelöst haben und mit den Kontrolleuren hitzig diskutieren, weil sie keine Busse bezahlen wollen. Solche Szenen könnten bald der Vergangenheit angehören.

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Was halten Sie davon, dass die SBB nicht mehr alle Fahrgäste ohne Nachtzuschlag büssen dürfen?
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Das Bundesamt für Verkehr (BAV), die Aufsichtsbehörde des öffentlichen Verkehrs, hat laut K-Tipp verfügt, dass die SBB in vielen Fällen keine Bussen mehr erheben dürfen, wenn jemand den Nachtzuschlag von fünf Franken nicht gelöst hat. Die SBB und das BAV bestätigen dies auf Anfrage. Gemäss der Verfügung betrifft dies folgende Fälle:

- Wenn jemand zum ersten Mal geltend macht, dass er nicht wusste, dass er einen Nachtzuschlag lösen muss.

- Wenn jemand ein Gleis-7-Abo gekauft hat. Für dieses werben die SBB nämlich mit dem Slogan: «Mit dem Gleis 7 sind Sie von 19 bis 5 Uhr kostenlos in der 2. Klasse unterwegs.» Damit erwecken sie gemäss BAV den falschen Eindruck, der öV in der Nacht sei gratis.

- Wenn jemand ein Billett zu einer Zeit kauft, die erwarten lässt, dass er in der Nacht fährt. Konkret ging es um einen Fall, bei dem eine Frau kurz vor 2 Uhr morgens ein Ticket von Zürich nach Aarau löste. Sie musste 70 Franken Busse zahlen, obwohl laut dem BAV der Hinweis auf den Nachtzuschlag fehlte. Die SBB habe hier die Pflicht, den Kunden zu einer solchen Zeit «ohne weitere Aufforderung ein Billett anzubieten, welches den Nachtzuschlag umfasst».

SBB müssen klarer kommunizieren

In all diesen Fällen dürfen die Kondukteure künftig zwar den Nachtzuschlag erheben, aber keine Bussen mehr verteilen. Zudem müssen die SBB klarer kommunizieren, dass die Beförderung in der Nacht zuschlagspflichtig ist – etwa, indem sie den Nachtzuschlag deutlich auf allen Nachtzügen und -bussen kennzeichnen. Die Weisungen des BAV sind verbindlich.

Hintergrund der Verfügung sind drei Fälle, wegen denen der K-Tipp an das Bundesamt gelangte. Die SBB können den Entscheid ans Bundesverwaltungsgericht weiterziehen. Ob sie dies tun werden, liess SBB-Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage offen. «Wir werden den Fall jetzt prüfen.» Über Sofortmassnahmen konnte er noch nichts sagen.

Droht das Aus für die Nachtzüge?

Verständnis für den Entscheid des BAV haben die SBB nur bedingt. «Seit acht Jahren gibt es im Grossraum Zürich den Nachtzuschlag. Dass man diesen lösen muss, ist weitgehend bekannt», so Ginsig. Zudem seien die S-Bahnen auf den Anzeigetafeln explizit als Nachtzüge ausgewiesen.

Ginsig warnt: «Ohne Nachtzuschlag wären die Nacht-S-Bahnen aus unserer Sicht gefährdet.» Er bezieht sich dabei auf das Zürcher Parlament, das bestimmte, dass der Nachtverkehr kostendeckend sein muss.

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani us Chloote am 23.05.2013 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen...

    ... wenn die Deckung nicht gesichert ist. Bevor es Nachtzüge gab, liefen (torkelten) wir 12km nach Hause (mit 2 flaschen bier über die gasse). Das war amüsant und wir kamen ausgenüchtert zuhause an :) Damit würde sich der Mensch wieder mehr bewegen und die Zug-/Busführer hätten wieder eher normale Arbeitszeiten. Hmmm... Da bleibt noch das Problem mit den Stöckelschuhen... :))

  • Jeanluc Dhondt am 22.05.2013 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ga

    Ga. Finde ich ist auch so ein thema. Es heist ja general abonemwnt! Was ist damit?!?

  • Marco Bless am 23.05.2013 02:01 Report Diesen Beitrag melden

    Hirnrissig

    Es ist überhaupt wohl eine Einzigartigkeit auf der ganzen Welt, für eine gewöhnliche und planmässige Fahrt mit der Bahn ZWEI Tickets zu brauchen - das Fahrticket plus einen Nacht-(= Zeit-)Zuschlag. Eine vernünftige Teppichetage hätte auch den Ticketverkauf im Zug nicht gestrichen. Ich würde gerne sehen, was für MEHR-Ausgaben die SBB seither hat. Und zwar richtig gerechnet, nämlich Gestapo-Kontrollpersonalkosten plus unbezahlte Bussen plus unbezahlte Inkassoaufwendungen. Das ist einfach keine Dienstleistung in einem modernen Land und noch weniger in einem Tourismusland.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tomas Kout am 23.05.2013 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nachtzüge aus? Service Public?

    Der automatische Nachtzuschlag sollte für die SBB und ihre IT kein Thema sein, nur das Programm am Automaten müsste ein klein wenig angepasst werden. Denn würde sich das Geschäft mit Nachtzügen nicht lohnen, dann würde es die SBB nicht betreiben!!! Dies ist jammern auf hohem Niveau! Aber die SBB wird sicher eine Idee parat haben: Preiserhöhung..... Damit es dann auch genug für die oberen Etagen gibt...

  • Be Schwärender am 23.05.2013 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld zurück - subito!

    Bekomme ich jetzt mein Geld zurück welches die SBB sich unrechtsmässig angeeignet hat?! Ich bestehe darauf!

  • Jasmin Meier am 23.05.2013 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig!

    Da wollen immer alle das die jungen nach dem ausgang nicht autofahren, verlangt aber man dass sie mehr für den zug bezahlen?! Macht doch keinen Sinn!

  • Tagfahrer am 23.05.2013 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Nachtabgebot abschaffen

    Die Nachtzüge abschaffen! Diejenigen, die meinen 5.- sei zu teuer können sich dann ein Taxi nehmen.

  • Dani us Chloote am 23.05.2013 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen...

    ... wenn die Deckung nicht gesichert ist. Bevor es Nachtzüge gab, liefen (torkelten) wir 12km nach Hause (mit 2 flaschen bier über die gasse). Das war amüsant und wir kamen ausgenüchtert zuhause an :) Damit würde sich der Mensch wieder mehr bewegen und die Zug-/Busführer hätten wieder eher normale Arbeitszeiten. Hmmm... Da bleibt noch das Problem mit den Stöckelschuhen... :))