Bussen-Ärger

07. Mai 2013 12:26; Akt: 07.05.2013 14:40 Print

SBB bremsen ihre Kontrolleure

Die SBB kommen ihren Kunden entgegen: Sie lockern das strenge Regime bei den Kontrollen und bieten Hilfe an den Billettautomaten. Für das Konsumentenforum ist das allerdings noch zu wenig.

storybild

Die Kontrolleure können künftig bei nicht korrekten Tickets auch mal ein Auge zudrücken. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Knallharte Kontrolleure und unmögliche Automaten: Die SBB sind in den letzten zwei Jahren mit massiven Vorwürfen konfrontiert worden. Grund war die Einführung der Billettpflicht. Seither werden pro Tag 1200 statt wie vorher 850 Schwarzfahrer gebüsst. Pro Bahn ist sogar an den Bundesrat gelangt, weil die SBB die Kunden aus ihrer Sicht wie Kriminelle behandle.

Umfrage
Genügen die Sofortmassnahmen der SBB?
31 %
69 %
Insgesamt 5945 Teilnehmer

Nun geben die SBB nach: Sie haben mehrere Sofortmassnahmen beschlossen. Zwei davon betreffen das Billett, das übers Handy oder am PC gelöst wird. Ist der Akku des Handys leer oder wurde das ausgedruckte Billett zuhause vergessen, können die Reisenden dieses später vorzeigen und zahlen statt einer vollen Busse nur 30 Franken. Zudem muss das Mobile-Ticket ab dem 1. Juni erst vor der effektiven Abfahrt des Zuges und nicht vor fahrplanmässigen Abfahrt gelöst werden.

Noch weiter kommen die SBB den Reisenden in der Grossregion Zürich entgegen, wo die komplizierten Auswahlmöglichkeiten am Automaten zu sehr vielen Beschwerden geführt haben. In den nächsten Monaten werden an den ZVV-Automaten nur noch die häufigsten Via-Verbindungen angezeigt. «Einzelne Regeln sind zu kompliziert, das müssen wir korrigieren», wird dazu SBB-CEO Andreas Meyer in der Medienmitteilung zitiert.

«Treue Kunden haben Kulanz verdient»

Zudem können die Kontrolleure künftig ein Auge zudrücken – wenn das Billett teilweise falsch ist. «Wir wollen Kunden nicht bestrafen, wenn sie im guten Glauben ein nicht korrektes Billett gelöst haben», so SBB-Sprecherin Franziska Frey.

Zusätzlich wird allen Automaten die Nummer einer Gratis-Helpline eingeblendet. Ein Mitarbeiter kann sich dann in den Automaten einloggen und den Kunden zum gewünschten Billett lotsen. «Ich möchte nicht, dass langjährige und treue Kunden für ein einzelnes Missgeschick in jedem Fall gebüsst werden. Gerade sie haben eine angemessene Kulanz verdient», so Andreas Meyer.

«Nicht weniger Beschwerden»

Für die Eisenbahnergewerkschaft SEV ist die Lockerung der strengsten Vorschriften ein Schritt in die richtige Richtung. «Nach langem öffentlichem Druck» würden die SBB «die offensichtlichsten Missstände bei den Billett-Verstössen» beheben, teilte sie mit.

Für Michel Rudin, Geschäftsführer des Konsumentenforums, gehen die SBB hingegen nicht weit genug: «Sie sind leider auf halbem Weg stecken geblieben.» Konkret beanstandet er, dass beim vergessenen Mobile-Ticket 30 Franken gezahlt werden müssen statt nur 5 Franken wie beim vergessenen GA. Zudem kritisiert er, dass die Anpassungen bei den Via-Verbindungen nicht in der ganzen Schweiz vorgenommen werden. «Wir befürchten, dass es so nicht zu wirklich weniger Beschwerden kommt.»

«Nur ein erster Schritt»

Aus denselben Gründen übt die Stiftung für Konsumentenschutz SKS Kritik an den SBB-Massnahmen. Sie sieht zusätzlich das Problem, dass die Passagiere ihre gute Absicht selbst beweisen müssen. «Die angekündigten Sofortmassnahmen sind nur ein erster Schritt», teilte die SKS mit. Sie fordert, dass die Regeln und die Bedienung der Ticketautomaten noch einfacher werden.

Möglich ist, dass die SBB mittelfristig noch Anpassungen vornehmen: Sie haben eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die weitere Verbesserungen prüft und auch in Kontakt mit der Kundenorganisation Pro Bahn steht.

(hal)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabienne am 08.05.2013 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Bahnreform ist Mitschuldig

    Es ist interessant, dass an allem die SBB schuld sein soll. Ist es noch niemandem aufgefallen, dass die ganze Missere mit der Einführung der Bahnreformen angefangen hat?! Nachdem unsere Genies in Bern unbedingt eine anpassung an die EU mit der Bahnreform angefangen haben, wurde alles in Divisionen eingeteil, die selbstverständlich ihre Kosten zutragen haben und rendieren müssen. Vielleicht möchte die ständig der EU nach äffende Schweiz noch einen Schuldenberg wie in Griechenland haben. Jeden Mist mit zu machen bringt nichts. Und die Bahnreform hättet ihr Politiker auch lieber sein lassen!

  • Walter am 08.05.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem Steuerzahler ein GA

    Und die Probleme sind gelöst. Unsere Regierung gibt das Geld für Dümmeres aus. Und in anderen Ländern funktionierts auch....

    einklappen einklappen
  • Reto am 08.05.2013 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Bremst entlich die SBB-Teppich-Etage

    Seit Meyer mit an der SBB-Spitze ist, funktioniert überhaupt nichts mehr - auch das Millionen-Gehalt ist um die Hälfte zu kürzen, ansonsten soll er gehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zugbegleiter am 10.05.2013 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nehmt euch selber bei der Nase!

    Sie motzen und jammern. Sind aber meist nicht in der Lage sich einmal über Verbundtarife, Gültigkeiten, usw. zu informieren. Und wegen der Unfähigkeit der Leute ist die SBB jetzt Schuld. Dazu kommt noch wie das Zugpersonal behandelt wird! Gegrüsst wird man von den Fahrgästen nicht mehr wenn man anständig guten Morgen, Grüezi oder guten Abend sagt, gewisse halten es nicht einmal für nötig das Zugpersonal anzusehen wenn sie ihre Abos zeigen oder verstecken sich hinter der Zeitung. Und bei solchen netten Fahrgästen, sollte man dann kulant sein wenn der Fall der Fälle eintritt!?

  • Reto am 08.05.2013 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Bremst entlich die SBB-Teppich-Etage

    Seit Meyer mit an der SBB-Spitze ist, funktioniert überhaupt nichts mehr - auch das Millionen-Gehalt ist um die Hälfte zu kürzen, ansonsten soll er gehen.

  • Fabienne am 08.05.2013 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Bahnreform ist Mitschuldig

    Es ist interessant, dass an allem die SBB schuld sein soll. Ist es noch niemandem aufgefallen, dass die ganze Missere mit der Einführung der Bahnreformen angefangen hat?! Nachdem unsere Genies in Bern unbedingt eine anpassung an die EU mit der Bahnreform angefangen haben, wurde alles in Divisionen eingeteil, die selbstverständlich ihre Kosten zutragen haben und rendieren müssen. Vielleicht möchte die ständig der EU nach äffende Schweiz noch einen Schuldenberg wie in Griechenland haben. Jeden Mist mit zu machen bringt nichts. Und die Bahnreform hättet ihr Politiker auch lieber sein lassen!

  • Olivier am 08.05.2013 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kunden an die Weichen

    Ich würde mal vorschlagen, alle SBB-Mitarbeiter vom CEO bis zum RailCleaner, legen die Arbeit für einen Tag nieder und lassen die Kunden ran. Die könnens ja alle besser, gell...

  • Walter am 08.05.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem Steuerzahler ein GA

    Und die Probleme sind gelöst. Unsere Regierung gibt das Geld für Dümmeres aus. Und in anderen Ländern funktionierts auch....

    • reto muggler am 08.05.2013 19:16 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Und das 'Bedingslose Grundeinkommen' ebenso. -> Die Schweiz ist schliesslich das reichste Land der Welt nicht etwa weil die Leute mehr arbeiteten als anderswo ! Zudem gehoeren die SBB den Buergern.

    • D.N. am 09.05.2013 06:31 Report Diesen Beitrag melden

      @reto muggler!

      Das reichste Land der Welt?? Für wen??

    einklappen einklappen