Pressespiegel

14. Februar 2011 06:11; Akt: 14.02.2011 11:00 Print

«Sieg der alten Schweiz»

Die Waffenschutz-Initiative wurde wuchtig abgelehnt. Die Schweizer Tageszeitungen sehen den Grund in der Argumentation der Gegner.

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Die Gegner der Waffenschutz-Initiative haben es nach Ansicht der Kommentatoren der Schweizer Zeitungen geschafft, die Abstimmung zu einer Frage über Verlust von Freiheit, Sicherheit, Werten und Traditionen zu machen.

«Sieg der alten Schweiz», titelt zum Beispiel die «Basler Zeitung» in ihrer Montagsausgabe, «Sicherheit und Wehrhaftigkeit sind tief verwurzelte Werte», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung» und «die Kraft von pathetischen Symbolen kann stärker sein als nüchterne Vernunft», analysiert der «Bund».

«Das Sturmgewehr im Estrich [...] wurde zu einer Metapher für eine traditionelle, wehrhafte und unabhängige Schweiz», kommentiert das «St. Galler Tagblatt». Eine «geniale Marketingmaschine» habe die Waffenschutz-Initiative zu einer Frage von Gedeih und Verderben des Landes hochstilisiert.

Schweizer Identität

Auch die «Basler Zeitung» ist der Meinung, dass das Bild «der wehrhaften Schweizer» gezielt heraufbeschworen wurde. «Es ging bei der Abstimmung nicht um die Waffe im eigenen Schrank, es ging um die Schweizer Identität als solche», heisst es.

Ins gleiche Horn bläst der «Tages-Anzeiger»: «Für breite Kreise ging es um eine Frage der nationalen Identität, um die Verteidigung von Freiheit und Selbstbestimmung und den Kampf gegen staatliche Bevormundung.» «Mit solchen Schreckgespenstern lässt sich der Widerstand trefflich organisieren.»

Auch für den «Bund» halten «in einer Zeit allgemeiner Verunsicherung [...] viele die alten Werte und Traditionen wieder überzeugter hoch». Man klammere sich an den Waffen-Sonderfall als Reflex gegen Staatsbevormundung, ausländischen Druck und allgemeinen Wandel.

Bei der Abstimmung ging es auch um Vertrauen des Staates in die Wehrmänner, wie die «Berner Zeitung» schreibt. Die Mehrheit der Stimmenden sei offenbar der Meinung, «dass die Armeeangehörigen dieses Vertrauen verdienen».

Die Mehrheit gewichtete dieses Vertrauen und die Eigenverantwortung des Bürgers höher als die fehlende militärische Notwendigkeit der Waffe im Schrank oder die Suizide, die sich verhindern liessen, analysiert auch die «Aargauer Zeitung».

Gut verankerte Armee

Für die «NZZ» könnte die Abstimmung ein Hinweis darauf gewesen sein, «dass die Armee im Volk doch besser verankert ist [...]». Denn «die repetitiven Versuche, an der militärischen Wehrhaftigkeit zu rütteln, schlagen an der Urne regelmässig fehl».

Eine weitere Ursache für die Niederlage der Befürworter sieht die «Südostschweiz»: «Aus Betroffenheit lanciert [...] kommt sie zu einem Zeitpunkt zur Abstimmung, bei dem sich die kollektive Empörung längst wieder gelegt hat».

Meistens habe die Initiative bis dann bereits eine gewisse Wirkung entfaltet, in diesem Fall, «dass den Armeeangehörigen keine Taschenmunition mehr mit nach Hause gegeben wird. «Insofern haben die Initianten wenigstens ein Teilziel erreicht.»

Die «Neue Luzerner Zeitung» sieht in dem Nein zur Initiative denn auch kein Nein zu mehr Sicherheit. Abgelehnt worden sei in erster Linie der Grundsatzwechsel, wonach der Staat den Waffenbesitz nur noch in Ausnahmefällen erlaubt. «Umbestritten ist hingegen, dass Kriminelle entwaffnet und Waffenmissbräuche konsequent geahndet werden.»

(sda)