Hüniken SO

28. Januar 2014 10:19; Akt: 30.01.2014 21:33 Print

Hier sind Schweizer ganz unter sich

von J. Büchi - Wie lebt es sich ganz ohne Ausländer? Ein Besuch in einer Gemeinde, in der jeder einzelne Bürger den Schweizer Pass hat.

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Auf dem Weg nach Hüniken fliegen die SVP-Plakate zur Masseneinwanderungsinitiative an der Autoscheibe vorbei. Neun Kilometer weit ist die Fahrt von Solothurn in die kleine Gemeinde – und mit jedem geben Beton und Industriebauten mehr den Blick ins Grüne frei. Im Dorf angekommen, sind die Plakate mit dem bekannten Apfelbaum-Motiv nirgends mehr zu sehen. Kein Wunder: Zuwanderung existiert in der Gemeinde nicht. Gemäss der letzten Erhebung des Bundesamtes für Statistik beträgt der Ausländeranteil in Hüniken 0,0 Prozent.

«Das Dorf ist sehr klein» sagt Gemeindepräsident Jürg Schibler, «und Mehrfamilienhäuser gibt es bei uns keine». Das sei wohl der Grund dafür, weshalb bisher keine ausländischen Familien den Weg in das 92-Seelen-Dorf gefunden hätten. Tatsächlich führt ein Spaziergang durch die Gemeinde an Einfamilienhäuschen verschiedenster Baujahre vorbei. An Bauernhöfen, die auf Holzschildern ihre Waren feilbieten: Äpfel, Birnen, Honig. Und natürlich am Herzstück des Dorfs, einer kleinen Kapelle, in der in der warmen Jahreszeit viele Brautpaare Hochzeit feiern. Menschen sind auf dem Rundgang keine zu sehen – bis auf einen Mann, der in seinem Wintergarten auf dem Hometrainer strampelt.

Dafür erstrecken sich in alle vier Himmelsrichtungen Wiesen bis zum Horizont. Oder so weit, bis sie vom kräftigen Grün des Waldrandes abgelöst werden. Hüniken ist damit in vielem das genaue Gegenteil vom Bild der Boom-Schweiz, das im Zuge der Zuwanderungsdebatte so oft gezeichnet wird.

Weder Dichtestress noch Kriminalität

Während die Berufspendler nur wenige Kilometer entfernt regelmässig im Stau stehen, weckt in Hüniken jedes Fahrzeug, das am Dorfeingang erscheint, sofort neugierige Blicke. Dichtestress ist kein Thema: «Wir würden gerne wachsen, aber wir dürfen kaum», sagt Schibler. Kürzlich wurden im Dorf acht Parzellen umgezont, auf denen nun gebaut werden kann – «doch mehr erlaubt uns der Kanton nicht.» Die Dörfer müssen ihr historisches Gesicht behalten, so das raumplanerische Gebot.

Auch Kriminalität oder belastete Sozialwerke sind in der Solothurner Gemeinde Fremdwörter. «Einen Einbruch gab es hier noch nie», sagt Schibler, der in dem Ort aufgewachsen ist. Den Posten Sozialausgaben kannte Hüniken in seiner Jahresrechnung lange nicht. Wenn die Gemeinde nicht vor einigen Jahren zusammen mit anderen Ortschaften in eine grössere Sozialregion eingegliedert worden wäre, läge der verbuchte Betrag noch immer bei null – denn einen Sozialfall hatte Hüniken bis heute keinen.

Schibler weiss, wovon er spricht. Im Dorf kennt jeder jeden. Und wann immer ein Problem in der Gemeinde auftaucht, landet die Aufgabe auf seinem Schreibtisch. Selbst um kaputte Strassenlampen kümmert sich der Gemeindepräsident persönlich. «Öffnungszeiten gibt es bei uns in der Verwaltung nicht. Wer eine neue Identitätskarte braucht, ruft einfach an – auch wenn Sonntagnachmittag ist.»

«Ein Stück heile Welt»

Es sei einfach «ein Stück heile Welt», sagt Schibler über sein Dorf. Dass keine Ausländer im Ort leben, sei für die Einwohner eigentlich nichts Spezielles. «Es gibt höchstens hie und da Stimmen, die es schätzen, dass ihre Kinder in der Schule als Schweizer noch in der Mehrheit sind.» Grundsätzlich wäre im Dorf aber jeder willkommen – solange er sich integriere. «Wir haben ein sehr aktives Vereinsleben. Wenn ein Zugezogener zum Beispiel in den Turnverein käme, wäre das schon die halbe Miete.» Schwierig fände es der Gemeindepräsident hingegen, wenn sich die Zuwanderer auf der Strasse nur in ihrer Sprache unterhalten würden. Es sei schon ungewohnt, einen Zürcher Dialekt im Dorf zu hören, witzelt er.

Und wie diskutiert man in einem Ort, in dem es keine Ausländer gibt, über die Zuwanderungsinitiative der SVP? Einen Stammtisch, an dem über solche Themen debattiert werde, gebe es nicht, sagt Schibler. Die einzige Beiz habe im letzten Jahr dichtgemacht. Auch an der Gemeindeversammlung, an der jeweils rund die Hälfte aller Stimmberechtigten teilnehmen, sei die Ausländerpolitik noch nie Thema gewesen. «Ich denke aber, die Initiative wird in unserer Gemeinde abgelehnt – etwa gleich deutlich wie in der restlichen Schweiz.» Die Erwartung, wonach Gemeinden mit kleinem Ausländeranteil solche Vorlagen am stärksten bekämpfen, werde sich bei ihnen kaum erfüllen.

Lesen Sie am Nachmittag von unserem Besuch in Kreuzlingen TG, wo Schweizer in der Minderheit sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • erni am 28.01.2014 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH Dorf

    Was soll das Theater über dieses Dorf!!? Dürfen Schweizer nicht mehr Stolz sein!? Das hat jetzt rein gar nichts mit Rassismus zu tun!!

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  • Florian am 28.01.2014 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Dieses Dorf ist ein Vorbild für die Schweiz! Ausländer sind wilkommen aber nur mit dem nötigen Anstand.

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  • P.S. am 28.01.2014 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Asylheim droht

    Ich mag euch das gönnen. Leider ist dies nicht mehr oft so. Ihr würdet aber gut tun wenn ihr das für euch behaltet sonst wird man euch noch ein Asylanten Heim vor die Türe setzen. Schweizer dürfen es in der Schweiz nicht schön haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizerin am 29.01.2014 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    An Antonio

    Sie Ärmster. Haben Sie auch schon einmal daran gedacht, wie es den Schweizern geht, wenn alle nur noch nach kompetenten Fachkräften aus dem Ausland rufen, so als wären wir Schweizer zu nichts im Stande? Als Schweizerin fühle ich mich diskriminiert und das in der eigenen Heimat. Auch ich brauche Kraft und Nerven.

  • Martina am 29.01.2014 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    "heile Welt".....

    und wohin gehen all die EFH-Besitzer zur Arbeit? Vermutlich mit dem Auto nach Solothurn oder so und jeder Haushalt hat bestimmt min. 2 Autos: Hoffentlich alles Elektro Autos wegen der Umweltverschmutzung. Für mich hinkt diese "heile Welt" etwas.

    • Hp. Büschi am 29.01.2014 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Es hat neben den paar EFH

      noch ein paar Bauernhäuser. Was Du, Martina, nicht erwähnst, Werktags und Samstag alle halbe Stunde ein Bus nach Herzogenbuchsee und Solothurn. In Solothurn eine Wartezeit auf die Fernverbindungen von min. 10min. In Buchsi etwas besser. Das ist eine heile Welt mit vielen Einschränkungen. Dieselben die Hüniken als heile Welt sehen, sind die ersten, die sich bei der Gemeinde über die schlechte Infrastruktur und die krähenden Hähne morgens um fünf beklagen würden. Und ich glaube, dass das eine oder andere hier geschriebene für die Hüniker lächerlich ist....!!! Auch wenn sie ausländerfrei sind.

    • Sagt Wer am 29.01.2014 16:24 Report Diesen Beitrag melden

      Nur die halbe Wahrheit

      Super Antwort Hampe Büschi ! ich wohne auch in dieser Region und kenne die Verhältnisse; der Bericht strotzt vor Ungereimtheiten z.B. ID bei der Gemeinde bestellen > das war einmal; dazu geht es heute nach Solothurn etc.

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  • Pseudonym am 29.01.2014 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft?

    Es wäre interessant zu sehen wie es denn in dieser ach so schönen Gemeinde wirtschaftlich (nicht die zugegangene Beiz) aussieht. Oftmals ist es ja so das es eine massive Umverteilung von der Stadt zu den kleinen, ländlichen Gemeinden gibt. ps: streng genommen könnte man die Bauern durchaus als Sozialhilfeempfänger (Subventionen) bezeichnen, und das sage ich obwohl mein Vater Bauer ist.

  • sabre am 28.01.2014 23:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schäm dich, 20 Minuten!

    Dieser Artikel ist eine Unverschämtheit. Mir fehlen die Worte. Auch wenn der Text nicht direkt rassistisch ist: Jeder Ort, in dem es keine Ausländer gibt, ist ein Stücl heile Welt?! Ohne Ausländer hätten wir keine Verkehrsprobleme?! Ich werde diese App jetzt unverzüglich löschen, denn schon lange fällt mit auf dass hier nur die Stimme der SVP zum Zuge kommt. Wo bleibt hier eine ausgewogene Berichterstattung! SCHÄMT EUCH 20 MINUTEN!

  • Der Denker am 28.01.2014 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Das einzige was die Umfrage über die Initiative aus sagt, ist welches Zielpublikum 20min.ch anspricht. Freut euch nicht zu früh! ;-)