Röstigraben

12. Februar 2014 12:54; Akt: 12.02.2014 11:19 Print

Burkhalter ist entnervt, Blocher provoziert

Während Bundespräsident Burkhalter einen Deutschschweizer Journalisten wegen mangelnder Französischkenntnisse anschnauzt, provoziert Christoph Blocher die Welschen.

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Da tat sich zwischen ihnen noch kein Röstigraben auf: Bundespräsident Didier Burkhalter und SVP-Stratege Christoph Blocher an der Albisgüetli-Tagung der SVP am 17. Januar 2014. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative reisst alte Gräben auf: Wie schon bei der EWR-Abstimmung 1992 unterliegt die Romandie in einer europapolitischen Abstimmung gegen die Mehrheit der Deutschschweizer.

Das sorgt für böses Blut. Der ansonsten zurückhaltend und diplomatisch auftretende Aussenminister Didier Burkhalter liess gestern vor den Bundeshausmedien seine persönliche Meinung auf unüblich deutliche Weise hervorblitzen.

«Von Vorteil, die Sprache Molières zu beherrschen»

Nachdem sich der Bundespräsident zunächst der Fragen der welschen Journalisten angenommen hatte, bat ihn ein Deutschschweizer Journalist, eine Frage auf Deutsch zu beantworten. Darauf reagierte Burkhalter laut «24heures» ungewohnt direkt und kritisierte dessen mangelnde Französischkenntnisse. Manchmal sei es in Bern von Vorteil, die Sprache Molières zu beherrschen.

Es sei gut, dass für einmal die Romandie zuerst an der Reihe war, sagte Burkhalter und wies ungefragt darauf hin, dass die ganze Westschweiz die SVP-Initiative abgelehnt habe und zwar deutlich. «Die Romandie ist die dynamischste Region der Schweiz.»

«Welsche haben schwächeres Bewusstsein für die Schweiz»

Von der anderen Seite des Röstigrabens hallt es zurück. In einem Interview mit der «Basler Zeitung» provoziert Blocher die Romands. Auf die Frage, warum das Welschland anders abgestimmt habe als die Deutschschweiz, antwortet der SVP-Patron: «Die Welschen hatten immer ein schwächeres Bewusstsein für die Schweiz.»

Immerhin sei die Unterstützung für die SVP-Initiative im Welschland grösser als bei seinem Kampf gegen den EWR-Beitritt 1992, stellt Blocher erfreut fest.

«Rot-Grün war nie für die Schweiz»

Mit grossen Städten wie Zürich, die die Masseneinwanderungsinitiative ohne Ausnahme deutlich verworfen haben, geht Blocher ebenfalls nicht zimperlich um.
Zürich sei eine rot-grüne Stadt, und «Rot-Grün war nie für die Schweiz».

Den Unterschied im Abstimmungsverhalten zwischen urbanen und ländlichen Regionen erstaunt Blocher nicht. Die Schweiz sei sich in solchen Fragen noch nie einig gewesen: Es habe in der Geschichte des Landes schon immer Schweizer gegeben, die sich anpassen wollten und andere, die für die Unabhängigkeit kämpften.

(cbe)