Köppel vs. Stegner

10. Februar 2014 18:57; Akt: 12.02.2014 13:11 Print

«Das ist eine Respektlosigkeit»

Schlagabtausch in der ARD: Weltwoche-Chef Roger Köppel und der SPD-Vize Ralf Stegner kreuzten zur besten Sendezeit die Klingen. Thema war das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative.

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Roger Köppel in der Sendung «Hart aber fair». Für Spiegel.de ist der Weltwoche-Chef «so etwas wie der Todesstern jeder Talkshow». Wer ihm in die Quere komme, werde pulverisiert.

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Zur besten Sendezeit um 21 Uhr kam es in der Sendung «hart aber fair» auf ARD zum Showdown. Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel verteidigte die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative vehement - und teilte aus. Insbesondere mit dem SPD-Politiker Ralf Stegner, der die Schweizer in einem Tweet als «Spinner» bezeichnet hatte, kam es zu harten Auseinandersetzungen. Moderator Frank Plasberg musste Köppel immer wieder unterbrechen. In der emotionalen Atmosphäre fielen sich die Teilnehmer immer wieder gegenseitig ins Wort.

Es sei «respektlos», wie sich Stegner über einen demokratischen Volksentscheid äussere. Zur Demokratie gehören nicht nur Volksentscheide, sondern auch die Meinungsfreiheit, eine Entscheidung scharf zu kritisieren, konterte Stegner. Angesichts der demographischen Entwicklung in Europa brauche es mehr und nicht weniger Freizügigkeit.

«Angst ist kein guter Ratgeber»

Er warf den Initianten vor, die Emotionen geschürt zu haben: «Die Kampagne hat behauptet, die Schweiz werde überfremdet.» Angst sei aber kein guter Ratgeber für vernünftige Politik. Roger Köppel enervierte sich über Stegners Ausführungen: «Sie behandeln die Schweiz wie eine Provinz der EU.»

Roger Köppel warf den anderen Diskussionsteilnehmern vor, die Motive der Schweizer falsch darzustellen. Das Volk habe sich nicht für eine Abschottung, sondern für eine souveräne Kontrolle der Einwanderung entschieden.

«Das wird die EU nicht akzeptieren»

«Die Schweizer träumen», erwiderte Rolf-Dieter Krause, ARD-Korrespondent in Brüssel. Sie glaube, sie könne die Freizügigkeit für Personen wegverhandeln, die Freizügigkeit für Güter Kapital aber behalten. Das werde die EU nicht akzeptieren.

Mit Bezug auf den Schweizer Vorrang, der die Initiative vorsehe, fragte Krause: «Warum sollen europäische Bürger in der Schweiz akzeptieren, in der Schweiz diskriminiert werden, während die Schweiz will, dass Schweizer Unternehmen nicht diskriminiert?»

Laut Köppel unterschätzen die deutschen Kritiker der SVP-Initiative das Differenzierungsvermögen der Schweizer Bevölkerung: «Die Schweiz ist eine ältere Demokratie als Deutschland.» Diesen historischen Seitenhieb liess Stegner nicht unwidersprochen: «Ich glaube das Frauenwahlrecht in Deutschland gibt es schon länger als in der Schweiz.»

Reaktionen Deutscher Medien

Köppel ist auch in Deutschen Medien präsent. «Spiegel.de» bezeichnet den Weltwoche-Chefredaktor als «so etwas wie der Todesstern jeder Talkshow». Wer ihm in die Quere komme, werde pulverisiert. Fraglich sei, ob man die Schweiz um Roger Köppel beneiden müsse.

Für «focus.de» und «handelsblatt.com» spielte Köppel seine Rolle als «Enfant terrible» perfekt. Auch «sueddeutsche.de» nimmt das Thema auf und macht darauf aufmerksam, dass Köppel in der Talksendung ganz rechts aussen sass.

(cbe/pat)