Zuwanderung

17. Januar 2014 09:14; Akt: 30.01.2014 21:40 Print

Droht der Schweiz der Verkehrskollaps?

von J. Büchi - Die Zuwanderung bringt die Verkehrsinfrastruktur an ihre Grenzen. Bis 2030 dürften auf den Schweizer Nationalstrassen ein Viertel mehr Autos verkehren, auch die Fahrgastzahlen im ÖV steigen.

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Überfüllte Züge und verstopfte Strassen – ein Kernargument der Befürworter der Masseneinwanderungsinitiative. Der Verkehr in der Schweiz scheint seine Kapazitätsgrenzen schon bald erreicht zu haben. Wie sollen da noch mehr Menschen aufgenommen werden?

Auf der Strasse hat sich der Verkehr bereits in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. 26 Milliarden Kilometer spulten die Autofahrer im Jahr 2012 ab, 4,3 Millionen Personenwagen waren 2012 gemäss dem Bundesamt für Statistik in der Schweiz zugelassen. Und ein Ende des Verkehrsanstiegs ist nicht in Sicht: «Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) rechnet zwischen 2010 und 2030 mit einer weiteren Zunahme der Fahrzeugkilometer im motorisierten Personenverkehr von insgesamt rund 19 Prozent.» So steht es in einem Bericht zum «Bundesbeschluss über das zweite Programm zur Beseitigung von Engpässen im Nationalstrassennetz» vom vergangenen April.

Megastaus drohen

Den grössten Teil des zusätzlichen Autoverkehrs werde die Nationalstrasse aufnehmen müssen, heisst es weiter. Dort sei mit einem überproportional starken Verkehrsanstieg von 25 Prozent zu rechnen – der Güterverkehr auf der Strasse dürfte sogar um 27 Prozent zunehmen. Für die Autofahrer bedeutet dies: Stau, Stau und nochmals Stau.

«Immer öfter reichen bereits geringe Störungen aus, um den Verkehr auf dem hoch belasteten Netz zum Stocken oder gar zum Erliegen zu bringen», heisst es im Bericht. Welch massive Auswirkungen ein Unfall auf den Verkehrsfluss haben kann, zeigte jüngst etwa das Beispiel des Brückencrashs auf der A1. Ohne Gegenmassnahme ist laut dem Dokument davon auszugehen, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzt «und die Funktionsfähigkeit des Nationalstrassennetzes zunehmend beeinträchtigt wird». Im Jahr 2030 werden laut Bericht rund 490 Kilometer des Nationalstrassennetzes regelmässig überlastet sein – davon 185 Kilometer massiv. Betroffen sein dürften vor allem die grossen Städte und Agglomerationen.

«Verkehrsnetz hat Grenzen»

Erweiterungsprojekte für 5,5 Milliarden Franken sollen laut dem Bericht helfen, Engpässe auf einer Länge von gut 100 Kilometern zu entschärfen. Zudem sollen neue Verbindungen in den Bundesbeschluss über das Nationalstrassennetz aufgenommen werden. Weiter sollen auch Massnahmen wie eine bessere Information der Verkehrsteilnehmer und eine temporäre Nutzung der Pannenstreifen den Staus entgegenwirken.

«Diese Schritte dürften zu einer gewissen Entlastung führen», sagt Guido Bielmann vom Bundesamt für Strassen (Astra). Die Schweiz habe im Gegensatz zu anderen Ländern aber schlicht zu wenig Platz, um das Strassennetz beliebig auszubauen. «Jedes Verkehrsnetz hat seine Grenzen.»

Mobility-Pricing?

Die Experten des Bundes seien ständig daran, neue Lösungsansätze zu suchen und zu finden. «Andere Länder kennen zum Beispiel das Mobility Pricing – also Abgaben für die Benutzung gewisser Strassen.» Dies wäre auch in der Schweiz eine Möglichkeit, wie der Bundesrat in seiner Infrastrukturstrategie festhält. Das UVEK wurde bereits beauftragt, bis 2015 zuhanden des Bundesrats einen Konzeptbericht zum Mobility Pricing zu erarbeiten.

In Peking etwa existiert zudem die Regelung, dass wechselweise nur die Besitzer gerader oder ungerader Autonummern auf die Strasse dürfen. In einigen italienischen Innenstädten, darunter in Rom, gilt die Regelung ebenfalls an gewissen Tagen – zur Bekämpfung hoher Feinstaubwerte. Ob die Regelung auch in der Schweiz denkbar wäre, konnte Astra-Sprecher Bielmann nicht sagen.

FABI solls im ÖV richten

Auch im öffentlichen Verkehr haben die Pendlerzahlen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. 2012 nutzten durchschnittlich 967'000 Personen pro Tag das Angebot der SBB. Laut Andreas Windlinger liegt der Anstieg aber nicht in erster Linie an der Bevölkerungsgrösse, sondern daran, dass die Leute öfter und weiter Zug fahren würden: «Die Mobilität nimmt deutlich stärker zu als die Bevölkerung.» Während die Einwohnerzahl zwischen 2000 und 2011 um 10 Prozent wuchs, stieg die Zahl der zurückgelegten Personenkilometer im gleichen Zeitraum um 19 Prozent.

Im öffentlichen Verkehr muss laut Windlinger deshalb sowieso etwas passieren – unabhängig von der Zuwanderung. Für mehr Kapazitäten soll die Bahnvorlage FABI sorgen, über die am 9. Februar abgestimmt wird. «Sie schafft die Grundlage dafür, dass wir in den nächsten Jahrzehnten bis zu 60 Prozent mehr Fahrgäste befördern können», so Windlinger. «Ein Kollaps ist definitiv nicht zu befürchten – bei einem Ja zur Vorlage sind wir gerüstet.»

Unterirdische Trams oder U-Bahnen

Aber was, wenn die Zahl der ÖV-Benützer noch weiter zunimmt? Ulrich Alois Weidmann, Leiter des Instituts für Verkehrsplanung und Transportsysteme an der ETH Zürich, betont ebenfalls, dass die aktuellen Engpässe vor allem dadurch bedingt seien, dass die Leute öfter und weiter reisten. Ansetzen müsse man deshalb nicht nur bei der Verkehrsinfrastruktur, sondern auch beim Mobilitätsverhalten der Leute. Weidmann geht davon aus, dass in Zukunft mehr Menschen in den Städten leben und dort kurze Strecken mit dem ÖV zurücklegen werden. Lange Arbeitswege fielen so weg, die S-Bahnen würden entlastet.

Als Konsequenz müsste der innerstädtische Verkehr ausgebaut werden: «Eine Möglichkeit wären unterirdische Trams – mit ihnen könnten rund 50 Prozent mehr Passagiere befördert werden.» Ein komplettes U-Bahn-System würde die Kapazitäten sogar rund verdreifachen. «Diese Variante wäre aber sehr aufwändig und kostenintensiv.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Autofahrerin am 17.01.2014 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Mobility Pricing

    Mit Mobility Pricing wird keine einzige zusätzliche Strasse erstellt, sondern ist eine neue Geldeinnahmequelle. Danke, hier wird einfach einmal mehr Geldeinnahmen gesucht, aber am Problem selber vorbeigeschaut.

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  • Ernst am 17.01.2014 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorschläge ?

    Würde mich schon interessieren wie die linken grünen Gegner der Masseneinwanderungs Initiative dieses Problem das unweigerlich auf uns zukommt lösen wollen. Notabene ohne mehr Verkehr und Straßenbau, Zerschandelung der Natur, ohne Kernkraft für Strom etc. etc. !!

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  • Bescheidener am 17.01.2014 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    FABI Nein

    Ein Grund Nein für FABI einzulegen, alles was für eine 10-12 Millionenschweiz ausgerichtet ist, ist masslos udn schadet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eric am 18.01.2014 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    DRINGEND 9. Februar an die Urne gehen

    JA zu Masseneinwanderung - NEIN zu FABI

  • Daniel H. am 18.01.2014 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die Böse Zuwanderng

    Die Schweiz hat eine Gesammtfläche von 41.285 km² mit 8 Millionen Einwohnern bzw. 196 Pro km². Im Grossen Kanton leben in NRW mit 34.092,25 km² 17,8 Millonen Einwohner bzw. 523 km². Und die Schweizer haben Platzangt? Womöglich geht der Schweiz die Globalisierung zu schnell. Vor nicht all zu langer Zeit, war es noch ein " Verschlafenens Ländchen ", Heute schauts anders aus, zu enge Strassen, zu kleine Städte usw. Fehlplnungen der Vergangenheit. Dies kann man nicht mit einer " Einwanderungskontrolle " Rückgängig machen, die Schweiz muss Investieren um zu Überleben.

  • kudi am 18.01.2014 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ab wann ist es ein Kollaps???

    Wie sagt man den Zuständen täglich im Grossraum Zürich??? Kollaps pur

  • Franz Xaver am 18.01.2014 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    mich als Grünen hängen gelassen

    Die Annahme der Raumplanungsinitiative und der Zweitwohnungsinitiative war richtig und wichtig. Umso mehr habe ich mir so sehr gewünscht, dass nun der logische dritte Schritt, mit der Zuwanderungsbegrenzung von meiner "Partei" auch unterstützt worden wäre. Die Tessiner Grünen haben es gemacht. Ich werde mir nächstes Jahr ernsthaft überlegen müssen, wen ich noch wählen soll. Die Natur wurde beim Entscheid gegen die Masseneinwanderungsinitiative auf jeden Fall nicht miteinbezogen. Für mich als Grüner, der enorm viel Wert auf Ressourcenschutz legt, nicht nachvollziehbar!

  • zeitzeuge am 18.01.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Dank Blocher sind wir in der EU

    Dank Blocher sind wir in der EU ..... vollständig isoliert. Weder Blocher noch Brunner oder Amstutz waren je in Brüssel und haben dort Gespräche geführt oder verhandelt. Kein EU-Land unterstützt die Schweizer Abschottungsinitiative. Aber SVP-ler glauben, man könne einfach nach Brüssel gehen und gültige Verträge neu verhandeln. EU Bürger werden bei uns zukünftig diskriminiert und mit Arbeitsverbot belegt und die SVP glaubt, 28 Länder in Europa stimmen dem zu.