Energy Challenge

16. April 2018 10:35; Akt: 12.05.2018 13:13 Print

«Das Velo muss vor dem Losfahren geprüft werden»

von Stephanie Sigrist - Bike Sharing spart Energie und Platz. Wieso wollen immer mehr Schweizer Velos teilen und welche Risiken bestehen dabei?

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30 Millionen Kilowattstunden Energie sollen in den nächsten sechs Monaten im Rahmen der Energy Challenge 2018 (siehe auch Infobox) mit dem Befolgen von einfachen Energietipps landesweit eingespart werden. Als einer der Hauptpartner der Energy Challenge 2018 wird auch 20 Minuten dazu beitragen, das Ziel von 30 Millionen einzusparenden Kilowattstunden Strom zu erreichen. Die Mitarbeitenden sollen ihren Arbeitsweg diesen Frühling und Sommer vermehrt zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen.

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Da in der Schweiz am meisten Energie für die inländische Mobilität verbraucht wird, stellt der Verzicht von Auto oder Motorrad für den Weg zur Arbeit einen wichtigen Punkt bei der Reduktion des Energieverbrauchs dar. Fast 30 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ist auf den Verkehr zurückzuführen. In unseren Nachbarländern Deutschland und Österreich sieht es ähnlich aus.

Journalisten in der ganzen Schweiz sollen zur Arbeit radeln

Eine kürzlich eingegangene Partnerschaft von 20 Minuten mit dem Bike-Sharing-Anbieter PubliBike soll die Mitarbeitenden zusätzlich dazu motivieren, von motorisierten Fahrzeugen auf das Velo umzusatteln. Das PubliBike-Netz «Züri Velo» startete Anfang April, angefangen mit rund 30 Stationen und 300 Velos und E-Bikes in der Stadt Zürich. Im Laufe eines Jahres soll das Netz auf über 150 Stationen mit mehr als 2000 Velos und E-Bikes ausgebaut werden.

Alle Mitarbeitenden der Mediengruppe Tamedia, zu der 20 Minuten gehört, dürfen das Angebot gratis nutzen. An den Tamedia-Hauptstandorten in Bern, Lausanne und Zürich sowie beim Tamedia-Druckzentrum in Zürich werden eigene PubliBike-Stationen installiert, um den Mitarbeitenden einen einfachen Zugang zu den Fahrrädern zu ermöglichen.

Anschaffungs- und Unterhaltskosten sparen

Wieso wollen immer mehr Schweizer ihre Fahrräder teilen? «Die Nutzer schätzen in erster Linie die Flexibilität, jederzeit das Transportmittel wechseln und auf ein Velo aufspringen zu können», sagt Valérie Sauter, Geschäftsführerin des Forums Bikesharing Schweiz. Besonders wer – wie etwa Pendler oder Touristen – kein eigenes Fahrzeug vor Ort habe oder das Fahrrad nur selten nutze, setze auf die Bike-Sharing-Angebote. «Wenigfahrer sparen sich so Anschaffungs- und Unterhaltskosten und haben trotzdem die Möglichkeit der kombinierten Mobilität.»

Christoph Schreyer, Leiter der Sektion Mobilität beim Bundesamt für Energie, nennt das Velo «ein wichtiges Puzzlestück in multimodalen Transportketten» und spricht einen weiteren Vorteil an: «Die geteilten Bikes bieten die Möglichkeit, kürzere oder auch längere Strecken – dann meist mit E-Bikes – rasch und unkompliziert zurückzulegen, dabei an der frischen Luft zu sein und erst noch etwas für die Fitness zu tun.» Ausserdem ermöglichen Fahrräder die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Gerade für Städte mit einem dichten ÖV-Netz und einem begrenzten öffentlichen Strassenraum seien platzsparende Velos daher besonders geeignet, erklärt Schreyer.

Fahrräder wurden eingesammelt und entfernt

Städtischer Raum ist jedoch nicht nur auf den Strassen knapp und in vielen Schweizer Städten wird mit Blick auf die steigende Anzahl von Sharing-Stationen vermehrt über die Nutzung des öffentlichen Raums diskutiert. Schreyer zufolge haben einige Städte in der Schweiz und vor allem im Ausland den Einsatz von Bike-Sharing-Systemen beschränkt. Fahrräder seien von den Behörden aus dem öffentlichen Raum entfernt und eingesammelt worden.

«Sind die Flotten der Bike-Sharing-Anbieter im Verhältnis zur Nachfrage zu gross, die Velos ungünstig verteilt oder defekt, nehmen sie den sonst schon beschränkten Platz unnötigerweise ein. Wenn die Fahrräder schlecht parkiert werden und beispielsweise auf dem Trottoir stehen, müssen Fussgänger ausweichen und der Verkehr wird blockiert», erklärt Sauter. Für das Problem gebe es bis jetzt keine Einheitslösung, so die Geschäftsführerin des Forums Bikesharing Schweiz.

Gilt ein Mindestalter für das Ausleihen?

Was geschieht, wenn ich mit einem Mietvelo einen Unfall verursache? «Es spielt keine Rolle, ob das Fahrrad dem Besitzer gehört oder gemietet ist: Der Lenker haftet für sämtliche verursachten Schäden», betont Sauter. Sie empfiehlt, das Velo vor dem Losfahren auszuprobieren und zu prüfen: «Insbesondere Lichter, Bremsen und die Pneus sollten gründlich unter die Lupe genommen werden.» Auch wenn es oft ermüdend sei, die Nutzungsbedingungen zu lesen, sollten diese nicht einfach ignoriert werden. Unter 18-Jährige müssten beispielsweise bei jedem Anbieter klären, ob für das Ausleihen ein Mindestalter gilt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Büenzli am 17.04.2018 22:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das mache ich immer !

    Vor dem losfahren trage ich mein Velo immer zur MFK und lasse alles kontrollieren, erst dann fahre ich los !

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  • Radler 62 am 17.04.2018 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Trau, schau wem

    Das Fahrrad muss wohl eher beim Zurückgeben geprüft werden. Ganz ausgeliehen Defekt zurück wird vermutlich eher die Regel sein

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  • Dani B. am 18.04.2018 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    "Bike Sharing spart Energie und Platz."

    Hahaha! Altmetall in den Strassen bewirkt nur das Gegenteil!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • An Mo am 14.05.2018 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Idee - NICHT

    Cool dann fährt man immer Velos die zu gross oder klein sind und meist kapput. Tolle Idee - NICHT!

  • swissmawi am 14.05.2018 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energetische Steinzeit

    Der Staat hat niemandem vorzuschreiben wie er oder sie mobil sein soll. Wir hätten keine Energieprobleme wenn nicht Linksgrüne uns in die energetische Steinzeit versetzen wollten.

    • Petra Wyler am 14.05.2018 07:39 Report Diesen Beitrag melden

      Das verstehen die wenigsten

      Solange es noch Orte auf der Welt gibt wo man aus Bequemlichkeit das Auto auf dem Parkplatz des Ladens weiterlaufen lässt damit man nicht schwitzt wenn man wieder kommt, solange werde ich meine Gewohnheiten hier nicht ändern. Man könnte die Schweiz komplett abstellen und es hätte Null Effekt auf den Klimawandel. Aber das will Grün eben nicht verstehen.

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  • Eduard J. Belser am 13.05.2018 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Mietvelos sind Notbehelfe

    Ein Velo muss optimal auf den Fahrer/die Fahrerin eingestellt sein, sonst kann es zur ärgerlichen Foltermaschine werden. Gute Velohändler verfügen deshalb über entsprechende Messvelos und Fachwissen für die Beratung. Ein Velo sollte deshalb nur mit guter Beratung gekauft und vor dem Kauf ausgiebig probegefahren werden. Mein 2011 gekauftes Velo ist für mich immer noch das Optimum und bereitet mir bei jeder Pedalumdrehung gewaltigen Fahrspass. Es wird regelmässig von einer Fachwerkstatt gewartet. Mietvelos werden deshalb immer ein unbefriedigender Notbehelf bleiben.

  • Mein Velo am 13.05.2018 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nachtrag: Davon ausgehend, dass die

    Promoter dieser Idee wohl Velokenner sind, ist nur schwer verständlich, dass einem sehr wesentlichen Umstand kaum oder eigentlich gar nicht Rechnung getragen wird. Heutige Velokunden erhalten ihren Drahtesel schlussendlich massgeschneidert und haben entsprechend hohe Erwartungen, die ein Mietvelo von der Stange (im wahrsten Sinne des Wortes) nie erfüllen kann. Wer im Alltag nicht mit seinem eigenen Fahrrad unterwegs ist, wird auch kaum zu einem Shared Bike greifen, sei es zu Hause oder in einer fremden Stadt. Die sicher gut gemeinte Idee kann nicht funktionieren.

    • Eduard J. Belser am 14.05.2018 00:25 Report Diesen Beitrag melden

      Kellervelos

      Ich bezweifle, dass die Leute, die hinter der Mietveloidee stehen selbst Velofahren. Vielleicht haben sie aber ein Velo im Keller stehen, dass vor sich hinrostet, mehr nicht. Es gibt viele solcher Kellervelos, weil die Leute den Velokauf zuwenig planen und ihre Bedürfnisse zuwenig analysieren. Montainbikes und Halbrenner sind zwar angesagt, aber weder alltagstauglich noch bequem. Noch weniger sind sie als Stadtvelo geeignet. Auch als Einkaufsvelos sind sie völlig untauglich. Weil der Gepäckträger fehlt, werden die Einkaufstaschen an den Lenker gehängt, was höchst gefährlich ist.

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  • Mein Velo am 13.05.2018 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schweizer will SEIN Velo

    Bike Sharing ist eine Illusion hierzulande. Und ich wage mal die Behauptung, dass diese Idee auch sonst in Europa kein grosser Renner ist. Die entsprechenden Veloständer sind meist praktisch voll, egal in welcher Stadt.