Energy Challenge

04. Mai 2017 20:43; Akt: 20.06.2017 00:24 Print

«Das einzig wertvolle Öl wird künftig Olivenöl sein»

von Stephanie Sigrist - Massiv sinkende Ölpreise und zunehmende Beliebtheit von erneuerbaren Energien: Die Abkehr vom fossilen Brennstoff ist bereits in vollem Gang.

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«Das einzig wertvolle Öl wird künftig Olivenöl sein», behauptet der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset plakativ. Bereits seit Ende 2013 rät der Norweger Ölgesellschaften zu einem Umdenken. «In der Energieversorgung sind neue Geschäftsmodelle gefragt – und Ölkonzerne sollten sich neu erfinden, solange sie noch über genügend finanzielle Ressourcen verfügen», sagt Indset.

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Ein Grund für den Preiszerfall und die sinkende Nachfrage nach Öl ist gemäss dem Wirtschaftsphilosophen die Verfügbarkeit neuer Energieformen, die im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen wie Öl und Erdgas die Umwelt deutlich weniger belasten.

Umweltfreundlichere Alternativen werden bezahlbar

«Diese Aussage ist natürlich ziemlich provokativ, aber es deutet einiges darauf hin, dass Öl weltweit an Bedeutung verliert», sagt Daniel Huber, Professor für Innovationsmanagement an der Berner Fachhochschule und Vorstandsmitglied von Swissfuture. Eines dieser Signale seien die bereits heute sinkenden Preise. Aber auch das verstärkte Aufkommen von erneuerbaren Energien trage dazu bei, dass der Mineralölabsatz sinke.

«In der Schweiz wird Öl heute vor allem zum Heizen, für den Transport und in der chemischen Industrie genutzt», erklärt der Innovationsexperte. In den ersten beiden Anwendungsfeldern kamen in den letzten Jahren jedoch gleich mehrere umweltfreundlichere Alternativen auf, die inzwischen auch für die breite Masse bezahlbar geworden sind. Ausserdem sei hierzulande der Umgang mit Energie bewusster geworden.

Bei Gebäudeheizungen beispielsweise setzen bereits heute viele Schweizer Hausbesitzer nicht mehr auf Öl; stattdessen werden Erdsonden und thermische Solarpanels eingebaut. Da Neubauten heute zudem deutlich besser isoliert werden, sinkt der Energiebedarf für das Heizen eines Gebäudes auch unabhängig von der verwendeten Energieform.

Weiter kann grundsätzlich die gesamte Aussenfassade von Häusern für die Erzeugung elektrischer Energie genutzt werden. Die erforderliche Technologie steht heute bereits zur Verfügung oder ist teilweise im Laborstadium. Dadurch wird langfristig die Situation entstehen, dass Gebäude typischerweise mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Dies dürfte auf längere Sicht die Energiepreise drücken.

Elektroautos werden dank Tesla ernst genommen

«Auch in der Transportbranche ist ein Trend zu ökologischeren Fahrzeugen zu beobachten», sagt Huber. Tesla sorge dafür, dass Elektroautos als ernsthafte Alternativen zu Benzin- und Diesel-Fahrzeugen wahrgenommen werden. Hier beginnt, verstärkt durch den VW-Skandal, derzeit ein Umbruch in der Autoindustrie. Diese Entwicklung führt ebenfalls weg von der Verwendung von Mineralöl.

Im Schiff- und Flugverkehr spielt Mineralöl zurzeit noch eine wichtige Rolle. «Aber es wäre bereits heute grundsätzlich möglich, Flugzeuge mit Wasserstoff zu betreiben. Dazu wäre aber eine Umstellung des Flugzeugbaus nötig, die Flugzeuge müssten grössere Volumen aufweisen», sagt der Innovationsmanagement-Professor.

In der organischen Chemie ist Öl nicht wegzudenken

Alle diese Entwicklungen brauchen natürlich Zeit. Man überschätzt dabei laut Huber systematisch, was in fünf Jahren möglich ist, und unterschätzt gleichzeitig massiv, was sich alles in zehn oder mehr Jahren ändert. Dieses Muster gilt auch für die Abkehr vom Öl als Energiequelle: Eine komplette Abkehr ist in den nächsten paar Jahren noch nicht zu erwarten. Aber langfristig könnte der Ölverbrauch durchaus auf lediglich 20 Prozent des heutigen Wertes fallen, schätzt der Experte. «In der organischen Chemie wird Öl aber auch langfristig als Rohstoff verwendet werden».

«Das Geschäftsmodell, Energie in Litern, Kubikmetern oder Kilowattstunden zu verkaufen, dürfte in Zukunft immer weniger funktionieren. Es sieht ganz danach aus, dass langfristig mehr als genug Energie vorhanden sein wird; es geht dann vielmehr um Energiemanagement als um Energieverkauf», prophezeit Huber. Ölkonzerne, Erdgasförderer und Stromanbieter seien also tatsächlich gut beraten, sich Gedanken über neue Geschäftsmodelle und Angebote zu machen.

Ob und wann diese Veränderungen stattfinden, lässt sich nicht genau voraussagen. «In solchen Zusammenhängen Jahreszahlen zu nennen, ist nicht seriös und dient meistens bloss der Provokation», sagt Huber.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brausefritz am 04.05.2017 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hätte man...

    ...sich nicht so affig mit der bösen, bösen Hanfpflanze, könnte noch ein beträchtlicher Anteil Erdöl eingespart werden... Hanf ist sehr anspruchslos, wächst überall auf der Welt und sehr schnell. Man kann Kunststoffe, Medikamente, Textilfasern, aus den Resten Treibstoffe und wat weiß ich noch alles draus herstellen... Aber irgend jemand will das halt nicht....wer könnte das wohl sein?

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  • Herbert Müller am 04.05.2017 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Energie Wende

    Die energiewende hat längst begonnen, wir brauchen diese starre Abstimmung nicht, bringt nur viel Bürokratie.

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  • Bünzli am 05.05.2017 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachhaltigkeit

    Ich möchte gerne hier mal waa loswerden. Alle reden von Nachhaltigkeit. Dann fängt dich bitte bei denn Lebensmittel an. Erdbeeren im Winter, Spargeln im März und jetzt gibts schon wieder Aprikosen und Pfirsich. Alle reden von Sparen. Dann kauft die Produkte wenn sie Saison haben. Es spart Öl, Wasser, Strom. Und nein, ich bin weder Grün noch Veganer, denn dass sind die schlimmsten Umweltverschmutzer

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zara Noren am 05.05.2017 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Norwegen macht's vor

    Also in meiner Heimat Norwegen haben wir ja gesehen wohin die "Energiewende" führte. Tatsächlich hat Hans und Heini sich einen Dieselgenerator gekauft und nun steht praktisch vor jedem Haus auf dem Land ein lärmiger und dreckiger Generator. Der Staat mit seinen Kraftwerken, kann nun jedoch die schönsten Zahlen präsentieren. Und die sind nicht einmal gelogen! Man sollte sich einmal den Diesel/Benzin Verbrauch in Norwegen anschauen. Dann gibt's einen schönen Aha Effekt.

  • Studer am 05.05.2017 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel

    Und was ist mit Hanföl. Auch nicht grade wertlos und dazu noch wirkungsvoll.

  • athos berger am 05.05.2017 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja-tom

    atomenergie ist IMMER NOCH die grünste aller energieformen. darum "nein" zur abstimmungsvorlage und "ja" zu atomenergie!!!

    • marie louise am 05.05.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @athos berger

      woher stammt diese aussage? gibt es zahlen dazu? soviel ich weiss ist von der uran-gewinnung bis zum reatorrückbau und abfall-lagerung nichts grün geschweige denn gelöst.

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  • ma roc am 05.05.2017 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und arganöl?

    was ist mit argan-öl? wird das seinen wert (ein vielfaches des olivenöls) auch verlieren?? :-P

  • Ramon Schneider am 05.05.2017 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Geschwurbel über Geschwurbel

    Wie naiv kann man sein ? Die Schifffahrt, die Luftfahrt, Schmierstoffe, Farben, 99.9% der Medikamente und 98% des weltweit genutzten Düngers basiert auf Erdöl. Von den ganzen Kunststoffen sprechen wir noch gar nicht erst. Wir werden noch sehr lange sehr viel Öl brauchen, auch wenn Öko-Schwurbler das nicht gerne hören. Ein Langstreckenflug bläst übrigens soviel CO2 und Stickoxide in die Luft pro Passagier, wie ein Durchschnittschweizer 6 Jahre lang mit dem Auto ins Büro fährt, also reality check, liebe Ökos.

    • Commander Facts am 05.05.2017 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      Reality Check, indeed.

      Nur schon die Förderung des Rohmaterials benötigt Maschinen die Erdöl brauchen um gebaut und betrieben werden zu können. Es wird darauf hinauslaufen, dass die Förderung mehr kostet als mit dem Rohstoff eingenommen werden kann. Den Rohstoff der 'seltenen Erden' (Lanthanoide) sind auch ein Muss für die Raffinierung, und dieser Rohstoff ist jetzt schon hart umkämpft (siehe Nordkorea + China).

    • Windmüller am 05.05.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ramon Schneider

      Die Ökos leben immer noch in ihrer Windmühlen - Welt; eine mittelalterliche Technologie , welche schon lange nur noch musealen Wert hat!!

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