Energy Challenge Energie Schweiz AXA MCH 20 Minuten Brack.ch Volvo Diamant

Energy Challenge

31. Juli 2018 18:11; Akt: 08.08.2018 08:15 Print

«Es muss niemand wissen, dass es ein Solarhaus ist»

Ein gläsernes Mehrfamilienhaus mit Wespentaille in Zürich-Wollishofen beweist, dass sich Photovoltaik und Design nicht gegenseitig im Weg stehen müssen.

Bildstrecke im Grossformat »
Ästheten erheben vielfach Einwände gegenüber Photovoltaik-Anlagen: Die an der Aussenfassade von Häusern angebrachten Module seien hässlich und langweilig anzusehen. Die heute meistverbreitete Technologie sind kristalline Module, die in Standardgrössen produziert werden und meist blau bis schwarz aussehen. In den letzten Jahren wurden diese jedoch stark weiterentwickelt und die Auswahl ist deutlich grösser geworden. Die attraktive Lage dieses Mehrfamilienhauses in Zürich-Wollishofen am See und die Nähe zum öffentlichen Verkehr brachte hohe Planungsanforderungen mit sich: Aus möglichst allen Wohnungen soll man auf den See blicken können, gleichzeitig gilt es die Lärmverordnung einzuhalten und eine möglichst gute Besonnung zu erreichen. «Es herrscht Sonne und Lärm auf der einen, Aussicht und Lärm auf der anderen Seite. Die Architekten lösten diese Herausforderung mit einem aussergewöhnlichen Grundriss», so das Urteil von Architektur-Redaktor Axel Simon. In die Fassade ist ein Kraftwerk eingebaut: 1300 Photovoltaikquadrate. Sie verbergen sich hinter einer Haut aus profiliertem Gussglas. 350 Leistungsoptimierer hinter den Photovoltaik-Modulen schliessen die Zellen zu Einheiten von maximal 80 Stück zusammen. Die kleineren Einheiten können bei unterschiedlicher Sonneneinstrahlung oder bei Schattenwurf unabhängig voneinander geregelt werden Das Mehrfamilienhaus ist auf Eigenverbrauch ausgerichtet, der zur gleichen Zeit stattfindet. Durch die Allseitigkeit der Photovoltaik-Anlage hat sie eine relativ konstante Leistung über den Tag und wenige Stromspitzen. Die Anlage produziert in einem Jahr gut 40000 Kilowattstunden Strom.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Sonne ist eine unerschöpfliche Energiequelle und die Nutzung der Kraft des Himmelskörpers mittels Photovoltaik-Modulen oder Sonnenkollektoren schafft eine Unabhängigkeit von externen Stromanbietern. Als erneuerbare Energieform ist Solarenergie deutlich umwelt- und klimaschonender als fossile Brennstoffe und die Produktion von Solarstrom ist heute kostengünstiger als der Bezug herkömmlichen Stromes.

Umfrage
Würden Sie gern in einem Solarhaus wohnen?

Doch Ästheten erheben vielfach Einwände gegenüber Photovoltaik-Anlagen: Die an der Aussenfassade von Häusern angebrachten Module seien hässlich und langweilig anzusehen. Die heute meistverbreitete Technologie sind kristalline Module, die in Standardgrössen produziert werden und meist blau bis schwarz aussehen. In den letzten Jahren wurden diese jedoch stark weiterentwickelt und die Auswahl ist deutlich grösser geworden. Bei kristallinen Silizium-Modulen beispielsweise können die einzelnen Zellen anders aneinandergereiht werden und damit mehr Formen bilden als nur die Standard-Rechtecke. Dünnschicht-Module erlauben nochmals flexiblere Formen und ermöglichen unter anderem eine Anpassung an eine geschwungene Gebäudeform. Auch die Farben der Module können mit neuen Technologien verändert werden, inzwischen reicht die Farbpalette von Grün über Rot bis hin zu Weiss.

Photovoltaik-Technik wurde dezenter und effizienter

«Solararchitektur ist stark von der Technik abhängig und gerade Schweizer Architekten tun sich oftmals etwas schwer mit einer technischen Erscheinung ihrer Häuser. Doch inzwischen gibt es Lösungen, Photovoltaik dezenter erscheinen zu lassen. Gleichzeitig ist die Technik effizienter und günstiger geworden, sodass sie flächendeckend für ganze Fassaden verwenden kann», sagt auch Axel Simon, Architektur-Redaktor bei der Heftreihe für Solararchitektur, «Solaris».

«Als Architekt kämpft man tagtäglich mit den Vorgaben von Minergie. Aber ein Haus kann mehr als dämmen und lüften. Auch das Gewinnen von Energie darf ein gestalterisches Thema sein», so Lukas Huggenberger vom Zürcher Architekturbüros Huggenbergerfries, das bei einem Mehrfamilienhaus-Ersatzneubau in Zürich-Wollishofen selbst als Bauherr auftrat.

Kraft der Sonne soll wann immer möglich genutzt werden

Die attraktive Lage der Liegenschaft am Zürichsee und die Nähe zum öffentlichen Verkehr brachte hohe Planungsanforderungen mit sich: Aus möglichst allen Wohnungen soll man auf den See blicken können, gleichzeitig gilt es die Lärmverordnung einzuhalten und eine möglichst gute Besonnung zu erreichen. Die Lösung war ein auf den ersten Blick merkwürdig geformtes Haus mit Schrägdach, das vorne an der Strasse schmaler ist als hinten an den Gleisen und in der Mitte eine Einschnürung hat. Der Baukörper ist von oben bis unten von einer schimmernden Glashülle umgeben. Die Einschnürung in der Mitte – die Architekten sprechen von einer Wespentaille – verhilft den hinteren Wohnungen zur kostbaren Seesicht, schafft vom Lärm abgewandte Lüftungsmöglichkeiten und Fassadenflächen, die eine Besonnung aus mehreren Richtungen ermöglicht. Schliesslich soll ja die Kraft der Sonne wann immer möglich genutzt werden. «Es herrscht Sonne und Lärm auf der einen, Aussicht und Lärm auf der anderen Seite. Die Architekten lösten diese Herausforderung mit einem aussergewöhnlichen Grundriss», so das Urteil von Architektur-Redaktor Axel Simon.

In die Fassade des Mehrfamilienhauses ist das eigentliche Kraftwerk eingebaut, die 1300 Photovoltaikquadrate. Sie verbergen sich hinter einer Haut aus profiliertem Gussglas. Die quadratischen Photovoltaik-Elemente sind hinter dem Gussglas nur schemenhaft erkennbar, je nach Lichteinfall zeichnen sie sich deutlicher ab. «Bei Photovoltaik hat ein Architekt keine positiven Gefühle. Darum fand ich unser Gedankengerüst recht solide: Es ist ein Glashaus, kein Solarhaus. Das hat geholfen», berichtet Lukas Huggenberger. «Niemand muss wissen, dass dieses Gebäude ein Solarhaus ist. Es ist einfach ein gutes Haus in der Stadt», findet auch Erika Fries vom Architekturbüro Huggenbergerfries. «Wer genauer hinschaut, erkennt die Photovoltaik-Anlage. Aber es ist keine gebaute Werbung für Solararchitektur», betont die Architektin.

Dank Leistungsoptimierern fallen dicke Kabelbündel weg

350 Leistungsoptimierer hinter den Photovoltaik-Modulen schliessen die Zellen zu Einheiten von maximal 80 Stück zusammen. Die kleineren Einheiten können bei unterschiedlicher Sonneneinstrahlung oder bei Schattenwurf unabhängig voneinander geregelt werden. So verhindern sie, dass das gesamte System geschwächt wird. Da die Leistungsoptimierer hintereinander geschaltet werden können, genügt ein Stromkreis pro Fassade und dicke Kabelbündel fallen weg. Dies war besonders beim taillierten Baukörper des Mehrfamilienhauses in Zürich-Wollishofen ein nicht zu vernachlässigender Vorteil. Der Ertrag kann für jede Einheit einzeln ausgewiesen werden, dadurch sind Vergleiche möglich und allfällige Störungen werden schneller lokalisiert. Diese relativ neue Technik bietet zudem mehr Freiheit im Planungsprozess. Bei einer Planung ohne Leistungsoptimierer darf sich an den Modulformaten oder der Anzahl der Zellen im Nachhinein nichts mehr ändern.

Das Mehrfamilienhaus ist auf Eigenverbrauch ausgerichtet, der zur gleichen Zeit stattfindet. Durch die Allseitigkeit der Photovoltaik-Anlage hat sie eine relativ konstante Leistung über den Tag und wenige Stromspitzen. Die Anlage produziert in einem Jahr gut 40’000 Kilowattstunden Strom, was in der Jahresbilanz 100 Prozent des Eigenbedarfs entspricht. Die Eigenverbrauchsquote liegt bei rund 40 Prozent. Je ein Wechselrichter pro Hausseite wandelt im Keller des Gebäudes Gleich- in Wechselstrom um.

Nur wer kein eigenes Auto hat, darf hier wohnen

Eine kleine Batterie speichert zehn Kilowattstunden Strom, der Rest wird ins Netz eingespeist und vom Elektrizitätsanbieter mit dem sogenannten Einspeisetarif vergütet. Mit dem gespeicherten Solarstrom wird ein Elektroauto geladen, das von allen Bewohnern des Wollishofer Mehrfamilienhauses genutzt werden darf. Das E-Fahrzeug steht alleine auf dem Parkplatz, da die Bauherrschaft nur Mieter ohne eigenes Auto auswählten.
Die Heftreihe Solaris entstand in Zusammenarbeit von EnergieSchweiz und Hochparterre, dem Verlag für Architektur, Planung und Design.

Die Heftreihe Solaris entstand in Zusammenarbeit von EnergieSchweiz und Hochparterre, dem Verlag für Architektur, Planung und Design.

(sts)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moment Mal am 31.07.2018 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fördern!

    Statt die ewige Klimaabzocke sollten solche Projekte auch für kleine gefördert werden. Aber normalerweise steigen dann einfach die Margen bei den Anbietern der Komponenten...

  • Butch am 31.07.2018 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Aha...

    "Das E-Fahrzeug steht alleine auf dem Parkplatz, da die Bauherrschaft nur Mieter ohne eigenes Auto auswählten." Und deswegen sieht man auf Bild 1 gleich drei Autos auf dem Parkplatz... Dieser Öko-Zwang nervt nur noch! Ich bin nicht gegen solche Projekte, aber das mit dem Auto finde ich einfach nur Quatsch.

    einklappen einklappen
  • Feuerwehr am 31.07.2018 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idee gut, Umsetzung gut, Brandfall sehr schlecht

    Die Bewohner und die Feuerwehr müssen es wissen... Im Brandfall kann nicht die Sonne ausgeschaltet werden, damit die Fasade oder das Dach kein Strom mehr produziert. Daher, liebe Planer, bitte den Hauptschalter für die Netzeinspeisung so platzieren, dass man dafür keine Leiter benötigt, nicht lange danach gesucht werden muss und er gut/klar gekennzeichnet ist (im Rauch einen Schalter zu finden ist immer schwerer als bei Tageslicht und klarer Sicht)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • panthomas am 09.08.2018 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alternative besser für Gesundheit

    Grundsätzlich finde ich die Stromerzeugung vor Ort eine gute Sache, sofern Sie auch zu einer Unabhängigkeit führt, das heisst aber Autark. Was aber nie beachtet wird, das der Elektrosmog in solch einem Gebäude um das x fache zu höchst ist gegenüber einem Haus dass keine Solar besitzt. Jetzt stellt sich die Frage, möchte ich Solar mit dem Hintergrund, das meine Lebensqualität und Gesundheit durch Elektrosmog enorm beeinflusst wird oder verzichte ich auf Solar und optimiere mein Stromverbrauch in dem ich Heiss Wasser, Heizung über Sonnenkollektors aufwärme und Stromverbrauch allgemein Senke.

    • Elektroniker am 09.08.2018 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @panthomas

      Ihnen ist schon klar, dass Solarzellen gleichstrom produzieren? Erst der Wechselrichter erzeugt daraus Wechselstrom, welcher Elektromagnetische Wellen von 50 Hz abgibt. Diese zentrale Einheit könnte aber leicht abgeschirmt werden, wenn die Angst vor Elektrosmog zu gross wird.

    • Fuse am 09.08.2018 16:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Elektroniker

      Ihnen ist aber auch klar, dass ein stromdurchflossener Leiter ein Magnetfeld erzeugt!? (einfach kein Wechselfeld)

    einklappen einklappen
  • Reto Kleinstein am 09.08.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Lest mal Berichte über gestohlenen Sand

    Wir sind PV Besitzer aber viele sind sich nicht bewusst das es dazu Sand für Silizium braucht und diesen gibt es Nicht im Überfluss. Schon heute werden ganze Sandstrände über Nacht gestohlen für Bauen und Technik, einfach mal Googlen nach "Sand das neue Gold" und einen Lerneffekt erleben.

    • Jonas Tanner am 09.08.2018 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      Falsche Prioritäten

      Da sind dann aber die dicken Betonmauern das grössere Problem als die millimeterdünnen Solarzellen.

    • Mary J am 09.08.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Kleinstein: eine neue Ausrede...

      Da gebe ich Jonas Tanner recht, die Mengen die wirklich verbraucht werden stecken im Beton, vor allem bauwütige Länder verprassen den Sand... da ist der Solarbereich fast schon mickrig!

    • Leser am 09.08.2018 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte genauer recherchieren

      Für was braucht es den keinen sand!?".

    einklappen einklappen
  • Katja Wohmann am 09.08.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Solar hilft, dass weitere Firmen in der

    CH neue Arbeitsplätze einrichten können und den zusätzlichen CO2-Ausstoss durch Zuzüger etc. nicht so gravierend ansteigen wird wie ohne Solarbeiträge. Helfen wir mit, den Dichtestress mit Solar etwas abzumildern.

  • Mike am 09.08.2018 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schleichwerbung Photovoltaik

    Immer diese gesponsorten Inhalte. Nicht jeder will das auf seinem Dach!

    • Mary J am 09.08.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      Herrje

      Wie sie sehen ist es eben NICHT auf dem Dach, vermutlich wollen Sie nicht verstehen oder haben den Bericht nicht gelesen, beides ist tragisch!

    einklappen einklappen
  • Alex am 09.08.2018 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch

    Schönheit ist subjektiv. Darum geht es doch gar nicht. Toll ist, dass das Haus energetisch neue Wege aufzeigt