Energy Challenge Energie Schweiz AXA MCH 20 Minuten Brack.ch Volvo Diamant

Energy Challenge

17. Juli 2018 16:00; Akt: 17.07.2018 16:09 Print

Wann eine Photovoltaik-Anlage amortisiert ist

Umweltschädigende Herstellung und zu teuer: Gegner von Solarenergie kritisieren Photovoltaikanlagen stark. Zu Recht?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Thema Solarenergie wird in der Schweiz hitzig diskutiert. So wird beispielsweise die Umweltbilanz von Photovoltaik-Panels kritisiert. Leser Hugo löste auf 20 Minuten etwa eine Diskussion aus mit dem Kommentar: «Für die Fertigstellung und Entsorgung von Solaranlagen wird viel Energie verbraucht. Dies ist alles andere als ökologisch!» Auch die Kosten werden vielfach als zu hoch beschrieben. Nachfolgend wird den beiden Behauptungen nachgegangen.

Umfrage
Wie sehen Sie die Zukunft der Solarenergie?

Der Primärenergiebedarf – die gesamte Energie, die für die Herstellung eines Photovoltaikmoduls benötigt wird – beträgt Studien zufolge typischerweise etwa 7000 Megajoule Öl-Äquivalente pro Modul. Dies entspricht ungefähr 1,3 Fässern Rohöl. Den Hauptanteil mit rund 70 Prozent macht die Herstellung der Panels aus. Dieser Strom wird vor allem für die Produktion von hochreinem Silizium, das Sägen der Silizium-Wafer sowie die Zell- und Modulproduktion benötigt.

Der restliche Primärenergiebedarf ist hauptsächlich auf die Produktion der weiteren Materialien für die Module wie Glas oder Kupfer für die Kabel sowie die Montagesysteme für die Gebäudeintegration zurückzuführen. Es besteht noch grosses Potenzial zur Verbesserung des Primärenergieverbrauchs für Photovoltaik, beispielsweise durch Recycling von Silizium.

Weniger Stromimporte aus dem Ausland

In der Schweiz beträgt die Energierückzahldauer momentan etwa drei bis vier Jahre. Im Vergleich dazu liegt die Lebensdauer der Module bei mindestens 30 Jahren. Solaranlagen erzeugen in ihrem Betrieb keine Schadstoffemissionen, vielmehr kann Solarstrom beispielsweise klimaschädliche Stromimporte aus dem Ausland vermindern und somit zu einer Emissionsreduktion beitragen. Da bei der Herstellung von Solaranlagen Treibhausgase entstehen, ist jedoch auch Solarstrom über den ganzen Lebenszyklus gesehen nicht komplett emissionsfrei.

Für die Umwelt wäre die vermehrte Nutzung der Kraft der Sonne also eine sinnvolle Lösung. Doch wann lohnt sich die Installation einer Solaranlage auch finanziell? Eine Photovoltaik-Anlage von 30 Quadratmetern auf einem Einfamilienhaus kostet ungefähr 15'000 Franken. Zieht man die finanzielle Förderung des Bundes von 3400 Franken sowie Steuerabzüge von rund 2900 Franken ab, kostet die Anlage noch 8500 Franken.

Renditen von knapp fünf Prozent

Die Herstellungskosten für den selber produzierten Strom liegen bei 13 Rappen pro Kilowattstunde. Nach Abzug der Förderung und der Steuerersparnis sind es 9,5 Rappen pro Kilowattstunde. Das ist deutlich weniger als die 20 Rappen pro Kilowattstunde, die Haushalte in der Schweiz durchschnittlich für den Strom aus der Steckdose bezahlen. Somit lohnt es sich, den Solarstrom direkt selbst zu verbrauchen.

Die Überschussproduktion, die nicht direkt im Haus gebraucht werden kann, wird ins Stromnetz abgegeben. Dafür erhält man eine Vergütung – den sogenannten Einspeisetarif. Bei heute durchschnittlichen Strompreisen und Einspeisetarifen der Stromversorger können mit einer Photovoltaik-Anlage Renditen von knapp fünf Prozent auf das durchschnittlich gebundene Kapital erzielt werden.

Nach der Installation erfordern Photovoltaik-Anlagen nur wenig Unterhalt und Solarmodule haben meist 25 Jahre Garantie. Betriebskosten beinhalten typischerweise die Versicherung der Anlage, eine technische Wartung sowie Rückstellungen für den Wechselrichter. Man rechnet pauschal mit acht Franken pro Quadratmeter Solarfläche und Jahr.

In der Regel ist eine Anlage in weniger als zehn Jahren amortisiert. Mit dem Solarrechner von EnergieSchweiz kann die genaue Amortisationsdauer berechnet werden.

(sts)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.A. am 17.07.2018 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    nur die halbe Wahrheit

    Die Kosten fpr eine Anlage kosten 15'000.-. Stimmt nicht. Mit all den Nebekosten ist bald das Doppelte oder Mehrfache davon zu zahlen. Ämter, Dachabdecken, alte Ziegel entsorgen, Neue, hitzebeständige Folie aufs Dach, Anpassunen an Dachrinnen, Abschlpssen, Marderschutz, etc. etc. - Wir habes trotzdem gemacht und bereuen es nicht. Mich nervt einfach die Lobby dahinter, welche immer alles billigredet. Der Solarrecher ist ein Witz.

    einklappen einklappen
  • Edi Sohn am 17.07.2018 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nur seriöse Antworten!

    Was mir jetzt hier noch fehlt, sind die Kosten für einen Stromspeicher und wie lange hält der Strom bei trüben Wintertagen in so einem Speicher (bei CH ø Verbrauch)?

    einklappen einklappen
  • Bänz am 17.07.2018 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Baugesuch?

    Braucht man für Solarzellen auf dem Dach eine Baugenehmigung? Mein Nachbar erhebt Einsprache gegen alles, da hätte ich keine Chance.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 18.07.2018 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Richtung

    An alle Pessimisten und ewiggestrige. Die Diskussion hier läuft völlig in die falsche Richtung. Bei der Zwilag in Villigen lagern einige hunderte gelbe Fässer die bis heute niemand "entsorgen" kann. Abgesehen davon, wenn Gösgen explodieren sollte und wir Westwind haben die hälfte der Schweiz unbewohnbar wird. Klar handelt es sich um eine kleine Wahrscheinlichkeit, aber sie gibt es! Deshalb habe ich mich für eine PV Anlage entschieden und nicht, ob sie rentiert.

    • B. Moser am 18.07.2018 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Wird Ihnen viel nützen die PV-Anlage wenn alle AKW abgestellt sind. Dann haben sie nämliche alle 2 min Stromschwankungen weil das Netz nicht stabil läuft...

    einklappen einklappen
  • G. Staneck am 18.07.2018 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energiesammler

    Die sogenannten Treibhausgase lassen eine grosse Menge der Sonneneinstrahlung senergie nicht mehr von der Erde weg. Wir holen mit der achsogelobten Sonnenenergie noch viel mehr Energie, sprich Wärme, auf unseren Planeten. Malen wir doch gleich alles schwarz an und haben die volle Sonnenwärmeeneegie für immer...Weitsicht statt Euphorie wäre mal angesagt.

  • barbara am 18.07.2018 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerabzocke

    Das erhaltene Geld aus einem Förderprogramm muss man auch noch versteuern. Zusätzlich. ImWird sonst als Steuerhinterziehung deklariert!! Pfui.

    • Egelhofer Remo am 18.07.2018 23:01 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Steuerabzocke!

      Hallo Barbara. Das ist nicht ganz richtig. Man darf natürlich nur den Nettobetrag abschreiben dann passt alles. (Rechnungsbetrag abzüglich Subvention) Wird der ganze Betrag abgezogen müsste man nach Erhalt der Subvention den Betrag bei der nächsten Steuerveranlagung als Einnahmen angeben!

    einklappen einklappen
  • Markus am 18.07.2018 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Anlagekosten

    Meine anlage von 9,6 kwp hat ca. 60.000. - gekostet. Ich habe aber zum pv noch eine 20 kw umweltfreundliche hochleistungs salz-batterie. Eine batterie ist fast ein muss zu pv.

    • Remo Egelhofer am 18.07.2018 23:30 Report Diesen Beitrag melden

      Speicher leider noch zu klein

      Hallo Markus . Das rechnet sich nicht! Habe eine 10.5 KW Anlage für netto 20,000 .leistung jetzt bei Sonnenschein täglich über 60 KW . Der Speicher wäre in weniger als 2 Std. voll.

    einklappen einklappen
  • Streichler am 18.07.2018 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie

    Nie, nachdem die BKW die Ankauf-Strompreise gesenkt hat! Und Apropoz Preisentwicklung, wie will man eine Amortisation berechnen, wenn man nicht weiss wieviele Leute sich in den Nächsten 110 Jahre eine PV-Anlage zulegen? Je mehr Mitstreiter, je kleiner der Abnahmepreis! Wenigstens könnte der zukünftige Rückbau/Neubau der Anlage durch die vielen wertvollen Metallen amortisiert werden, welche in einer solchen Anlage stecken.