Energy Challenge Energie Schweiz AXA MCH 20 Minuten Brack.ch Volvo Diamant

Energy Challenge

28. August 2018 12:38; Akt: 29.08.2018 08:52 Print

Bezahlen kleine Haushalte mehr für Strom?

Eine Leserin befürchtet, dass sie bei einem tieferen Energieverbrauch einen höheren Preis pro Kilowattstunde bezahlt. Stimmt das?

storybild

Die Luzernerin Melina wohnt allein in einer Zweizimmerwohnung und ist nicht sehr oft zu Hause, weshalb ihr Stromverbrauch relativ tief ist. Nun hat sie Angst, dass dies vom Elektrizitätswerk abgestraft wird und sie verhältnismässig mehr bezahlt als Vielverbraucher. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf meiner Stromabrechnung habe ich gesehen, dass es mehrere Stromtarife gibt, die sich preislich teils massiv unterscheiden. Ist es wahr, dass Wenigverbraucher mehr für Elektrizität bezahlen? Ich wohne allein in einer Zweizimmerwohnung und bin nicht sehr oft zu Hause, weshalb mein Stromverbrauch relativ tief ist. Unter welchen Umständen lohnen sich Energiesparmassnahmen für mich finanziell?

Umfrage
Wie hoch waren Ihre Stromkosten letztes Jahr?

Melina (31) aus Luzern

Liebe Melina

Es ist nicht ganz einfach, die Stromrechnung zu lesen und zu verstehen. Ich kann dir aber versichern, dass du als Wenigverbraucherin für deinen Strom nicht mehr bezahlen musst als jemand mit einem grösseren Haushalt. Für deine Zweizimmerwohnung lohnen sich dieselben Sparmassnahmen wie für eine grosse Wohnung.

Die Strompreise sind ein (politisch) heiss diskutiertes Thema – obwohl sie das private Haushaltbudget nur gering belasten und darum die meisten Leute auch keine Ahnung haben, wie viel sie für die Elektrizität bezahlen müssen. Beim Strom können wir unseren Lieferanten aber nicht selber wählen. Damit das Elektrizitätswerk nicht beliebig hohe Strompreise verrechnen darf, müssen die Elektrizitätswerke mit den Gemeinden einen Konzessionsvertrag abschliessen. In diesem ist festgeschrieben, dass für alle Kunden der gleiche Strompreis gilt. Was einfach klingt, ist in der Praxis nicht ganz so einfach.

Diese Auswahlmöglichkeiten hat der Kunde: Tarif und Stromprodukt

Als Kunde hast du in der Regel verschiedene Wahlmöglichkeiten. Je nach Elektrizitätswerk kann das ein wenig anders aussehen. In deinem Fall wird die Elektrizität von den städtischen Werken EWL geliefert. Als Erstes hast du die Möglichkeit, zwischen einem Einfachtarif und einem Doppeltarif zu wählen. Beim Doppeltarif hast du in der Nacht einen deutlich günstigeren Preis als tagsüber. Wenn in der Nacht ein Elektroboiler aufgeheizt werden muss, ist der Doppeltarif klar die günstigere Variante. Beim Einfachtarif wird nicht zwischen Hoch- und Niedertarif unterschieden, aber der Preis ist dafür etwas günstiger als der Hochtarifpreis.

Als Zweites musst du dich für ein Stromprodukt entscheiden. Hier kannst du auswählen, wie die von dir bezahlte Elektrizität produziert werden soll. Die billigste Variante ist der Graustrom, dieser Strom wird in irgendwelchen Anlagen – es sind meist Kohle- und Atomkraftwerke – hergestellt. Solchen Strom einzukaufen, zeugt von fehlendem Verantwortungsbewusstsein. Schliesslich kosten die meisten Alternativen nur unwesentlich mehr! Bei deiner Zweizimmerwohnung würde dies knapp einen Franken Mehrkosten pro Monat ergeben.

Würden die Strompreise bei einer Marktöffnung sinken?

Es gibt auch Kunden mit einem jährlichen Stromverbrauch von über 100'000 Kilowattstunden. Das ist etwa 50-mal mehr als bei dir. Diese Kunden dürfen den Strom auf dem Markt frei einkaufen. Sie können bei mehreren Elektrizitätswerken Offerten einholen und Rabattgespräche führen. Ob auch du als Kleinkundin irgendwann mal auch deinen Strom am freien Markt einkaufen kannst, hängt davon ab, ob das Parlament in Bern die vollständige Marktöffnung beschliesst. Dass damit die Preise wirklich sinken, wird von vielen aber bezweifelt.

Was die Stromrechnung betrifft, geht es auch mir als Energieexperten nur wenig besser als dir. Die Rechnung zu verstehen, ist alles andere als einfach. Das kommt davon, dass sich dein Strompreis aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt: dem Grundpreis, dem Preis für die Energie, dem Preis für den Energietransport (Netzkosten) sowie öffentlichen Abgaben. Die wichtigste Angabe wäre aber der Vergleich des Stromverbrauchs gegenüber der Vorperiode, die in der Stadt Luzern und auf vielen Stromrechnungen in der ganzen Schweiz fehlt. Mit einem solchen Vergleich würdest du sofort sehen, wie viel deine Sparanstrengungen genützt haben. Für diese Information musst du deine Stromrechnung während eines halben Jahres aufbewahren und dann mit dem Taschenrechner die Zahlen mühsam zusammenzählen. Dass viele Elektrizitätswerke nicht bereit sind, hier einen kleinen Dienst für die Kunden zu erbringen, ist unverständlich. Ich möchte darum alle Leser auffordern, sich mit diesem Anliegen beim Kundendienst ihres Elektrizitätswerks zu melden oder einen Brief an die Direktion zu schreiben.

So können Privathaushalte ihren Stromverbrauch senken

Mit einem einfachen und universellen Tipp kannst du deinen Energieverbrauch ohne Komforteinbussen nachhaltig reduzieren und deine Kosten spürbar senken: Verzichte generell auf Betrieb ohne Nutzen. Mit anderen Worten: Lass Elektrogeräte nie im Stand-by-Modus und lösche das Licht nach dem Verlassen eines Raums. Bei EnergieSchweiz haben wir lehrreiche Broschüren zum Energiesparen im Privathaushalt, die du als PDF-Download oder in gedruckter Form gratis beziehen kannst.

(sts)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rod am 28.08.2018 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strommix

    "mangelndes Verantwortungsbewusstsein" das ich nicht lache. Ob du jetzt mehr für Ökostrom bezahlst oder nicht, dein Strom kommt aus dem gleichen Strommix. Was grad da ist.

    einklappen einklappen
  • James am 28.08.2018 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Die Bezugskosten sind so hoch, dass Stromsparen kaum ins Gewicht fällt.

    einklappen einklappen
  • This am 28.08.2018 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umständliche Antwort

    Kurze Antwort: Nein Es wird der gleiche Energiepreis bezahlt ob man mehr oder weniger verbraucht innerhalb des gleichen Produktes.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franzl am 12.09.2018 05:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ist leider so

    Heute bezahlt man Netz-Nutzungsgebühren und ähnliches. Strom sparen lohnt sich deshalb nicht wirklich. Und ob Ökostrom wirklich so Öko ist wage ich zu bezweifeln.

  • chzer am 08.09.2018 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energy Challenge on Road

    Im ñächsten Jahr kommt der Sion von Sono Motors raus. Der bringt mit den Solarzellen bis zu 30 km Reichweite pro sonnigem Tag.Bidirektionales laden ist möglich .Sie könnten mit 250 km Fahrleistung rechnen.Hier bekommt man eine 40Kwh bis evt.eine 60Kwh Batterie für nur 4000.-Euro . Auch der Stromimport von externen Quellen ist möglich.Die Vtg2 Ladeeinheiten kommen .Sie können Ihr Haus oder Ihre Wohnung an ihr anschliesen. Und so auch die eigenen Stromkosten beeinflussen.

  • Eine Frage am 04.09.2018 01:25 Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    kann ich beim verstorbenen Zürcher nicht kommentieren?

  • Peter am 03.09.2018 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    augenwischerei

    je weniger energie verbraucht wird umso teurer wird sie weil die herstellungskosten gleich bleiben. angenommen die ganze schweiz braucht nur noch 50% der energie die die kraftwerke bereitstellen. die infrastruktur belibt genau die selbe auch die anzahl der arbeiter bei der energielieferanten usw. um die kraftwerke wirdschaftlich zu betreiben müssen sie die energiekosten anheben damit sie genug gewinn einstreichen können....

    • MeinSenf am 03.09.2018 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      und wenn der Strombedarf steigt, muss, um in Deiner Argumentation zu bleiben, ein neues Kraftwerk gebaut werden wodurch der Strompreis steigt.

    einklappen einklappen
  • Mashella am 03.09.2018 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Günstig wenn:

    Man nie zuhause ist. NIE.